Archiv für Wirtschaftskrise

Wieso Alternative?

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , on 14. April 2013 by arnarscho

Die Alternative für Deutschland will den Euro abschaffen.
Schön und gut, aber dafür braucht man doch nicht extra eine neue Partei zu gründen. Es reicht doch, wenn man weiterhin Merkel wählt.
Man kann vielleicht einwenden, dass der Weg, den Merkel dazu beschritten hat, nicht der eleganteste ist. Seien wir aber mal ehrlich: wer würde von dieser „klobigen Frau mit der zuversichtlichen Ausstrahlung einer Trauerweide“ (Timur Vermes) denn schon Eleganz erwarten?

Und schließlich hat sie es ja angekündigt: „Scheitert der Euro, dann scheitert Europa“.
Diesen Satz haben viele – auch ich – nicht richtig verstanden. Denn eigentlich, so die gängige Argumentation, sei es ja umgekehrt: erst wird die europäische Idee zu Grabe getragen und daran scheitert dann natürlich auch der Euro.

Das Missverständnis rührt daher, dass Merkel den Satz falsch abgelesen hat. Im Original lautet ihre Zukunftsvision nämlich: „Zuerst scheitert der Euro, dann scheitert Europa“.
Wenn sie so weitermacht, behält sie sogar recht.

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Wieso die Sparguthaben schon weg sind

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , , , , on 28. März 2013 by arnarscho

Dass Dijsselbloem neulich die Wahrheit gesagt hat, in Zukunft müssten auch Bankkunden für die Rettung der Banken haften, erkennt man daran, dass er seine Aussage quasi sofort wieder zurücknehmen musste. So ist das mit der Wahrheit in einer Welt, die auf Lug und Trug aufbaut: sie wird nicht geduldet.
Aber es ist auch nur die halbe Wahrheit. In Wirklichkeit sind die Sparguthaben nämlich schon weg, wie die folgende Graphik zur Hebelwirkung der Banken verdeutlicht:

kredithebel
Quizfrage: Wenn die Schulden des Systems und die Hebel der Banken zu groß werden, wer hat dann in dieser Darstellung die „Arschkarte“ gezogen?

Marc-Stephan Arnold beschreibt das in diesem Artikel.

Was das Volk von Monopoly lernen könnte

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , , , , , on 15. Juli 2012 by arnarscho

Oder: Wieso ein Schuldenerlass den Wohlstand aller vermehrt.

Jeder, der schon mal Monopoly gespielt hat, kennt den typischen Spielverlauf: alle starten mit gleicher Kapitalausstattung, aber am Schluss bleibt nur einer übrig, die andern gehen nach und nach bankrott.
Das Spiel ist sozusagen ein Abbild des Kapitalismus.

Es gibt ein Startkapital und in jeder Runde erhält jeder Spieler zusätzlich 2000 Euro. Das ist im Prinzip das Wirtschaftswachstum. Bei vier Spielern erhöht sich also der allgemeine Wohlstand in jeder Runde um 8000 Euro.

Nachdem dann alle Ressourcen zwischen den Spielern aufgeteilt sind, kristallisiert sich auch schnell der erste Verlierer heraus: nämlich der, der die wenigsten Ressourcen ergattern konnte.
Nachdem er ausgeschieden ist, sozusagen Hartz4 bekommt, erhöht sich der Wohlstand der restlichen Spieler nur noch um 6000 Euro pro Runde.

Man kann das Spiel jedoch auch dahingehend abändern, dass die andern Spieler dem Pleitekandidaten einen Kredit vergeben, den er dann in jeder Runde von seinem Gehalt abstottert.
Aber warum sollten sie das tun, wo doch abzusehen ist, dass er demnächst wieder pleite geht, womöglich noch bevor er seinen Kredit komplett abbezahlt hat?
Nun ganz einfach: wenn er wieder pleite geht, haben die andern Spieler ihr Geld ja auch wieder zurück, evtl. etwas anders verteilt. Und nicht nur das, sie erhalten sogar mehr zurück, weil der Spieler ja in jeder Runde den allgemeinen Wohlstand um 2000 Euro erhöht.

Die drei andern Spieler können also ihren eigenen Wohlstand allein dadurch vermehren, dass sie den Pleitekandidaten mitspielen lassen und ihm regelmäßig nicht nur seine Restschulden erlassen, sondern ihm sogar wieder einen neuen Kredit vergeben, von dem sie genau wissen, dass er nie komplett abbezahlt wird.

Diese Sichtweise ist vollkommen konträr zur egoistischen Perspektive der schwäbischen Hausfrau und nennt sich Makroökonomie.

Probleme lösen durch Kooperation, statt Konfrontation, ist zum Vorteil aller. Aber für diese simple Erkenntnis bräuchte man nicht nur andere Politiker, sondern auch ein anderes Volk.
Erstere könnte man ja noch wählen, letzteres jedoch nicht!

Das deutsche Geschäftsmodell

Posted in Gesellschaft, Wirtschaft with tags , , , , , on 25. Juni 2012 by arnarscho

Das deutsche Geschäftsmodell beruht ja bekanntermaßen auf Exportüberschüssen. Also wir verkaufen der Welt mehr, als wir selber einkaufen. Oder auf gut deutsch: wir leben davon, dass andere Schulden machen und bei uns einkaufen. Man könnte jetzt einwenden, dass die ja keine Schulden machen müssten, sind ja selber schuld! Zum einen könnten sie dann aber nicht so viel bei uns einkaufen, zum andern – und das ist viel wichtiger – entstehen bei internationalen Geschäften immer Schulden.

Nehmen wir mal an, ich will mir einen VW Golf kaufen. Kostet 20.000€. Weil ich die bereits gespart habe, überweise ich das Geld an VW, erhalte meinen Golf und wir sind quitt.
Jetzt will aber ein Amerikaner einen Golf in Deutschland kaufen, und hat das Geld – umgerechnet 25.000$ – ebenfalls gespart. Seine Bank überweist dann die Dollars an eine deutsche Bank, die sie in Euro umtauscht und an VW weiterleitet.
VW erhält somit die 20.000€, der Kunde sein Auto und beide sind ebenfalls quitt, aber zusätzlich hat diese deutsche Bank jetzt noch eine Forderung von 25.000$ an die USA, die Amis haben damit Schulden bei uns, obwohl der Käufer des Wagens gar keinen Kredit aufgenommen hat.
Wir, die wir angeblich so gegen das Schuldenmachen sind, leben also davon, dass andere bei uns Schulden machen.

Dadurch verdienen wir Deutschen eine Menge Geld.
Alle Deutschen? Nein!

Das ist ja gerade der Erfolg dieses Geschäftsmodells. Er beruht darauf, dass der deutsche Arbeiter nicht mehr verdient als ein chinesischer Wanderarbeiter und der Binnenmarkt dadurch schwach bleibt. Wenn aber im Inland nichts zu investieren ist, muss das ganze eingenommene Geld wieder im Ausland investiert werden – meist als Kredit. Dadurch können wir doppelt verdienen.
An den Griechen zum Beispiel, die deshalb jetzt „Pleite-Griechen“ genannt werden.

Bei diesem Spielchen sind die Lasten klar verteilt, wie man sieht: die einen verdienen, die andern bezahlen. Und die Dummen erarbeiten das Ganze. (Ich muss jetzt nicht extra erwähnen, wer die Dummen sind?)

Ich tu’s trotzdem: die Dummen sind die, die glauben, Exportweltmeister wäre so etwas wie Fußballweltmeister, ein Titel, den man stolz vor sich her tragen könnte.

Dabei ist es genau umgekehrt: andauernde Exportüberschüsse sind so ziemlich das Dümmste, was eine Volkswirtschaft anstellen kann.

Keine Gesellschaft braucht nämlich Exportüberschüsse. Exportieren muss man zwar schon, das ist klar, man will ja auch importieren, z.B. Erdöl oder Olivenöl.
Idealerweise exportiert eine Gesellschaft deshalb genau so viel, wie sie auch importieren will oder muss, die sogenannte ausgeglichene Handelsbilanz. Das sollte sogar die viel zitierte schwäbische Hausfrau kapieren.

Wenn man unter dieser Voraussetzung aber mehr exportiert als importiert, heißt das ja, dass man seine Ware unter Preis verkauft und unter seinen Verhältnissen lebt. Keine schwäbische Hausfrau würde das tun.

Exportüberschüsse sind deshalb ein sicheres Zeichen, dass die Arbeiter zu wenig verdienen, und nicht, wie Merkel behauptet, dass alle anderen auf der Welt – China natürlich ausgenommen – zuviel verdienen. Zu ihrer Verteidigung sei aber berücksichtigt, dass Merkel im real existierenden Sozialismus sozialisiert wurde und es somit als Teil der Staatsräson empfindet, dass Menschen nicht viel verdienen. Daher übrigens auch ihr Vorbild China, das Land, das uns den Weltmeistertitel abgenommen hat.

Aber es ist doch gut, wenn wir dauerhaft mehr exportieren? Dann sind die andern zwar irgendwann arm, aber wir sind reich, oder?

Dazu hätte ich zwei Gegenfragen: Wollen wir wirklich, dass unsere Kunden auf Dauer verarmen und sich unsere Produkte nicht mehr leisten können?
Und wer genau wird reich hierzulande, die Arbeiter sind es ja offensichtlich nicht?

Und was passiert eigentlich mit dem vielen Geld, das „wir“ da verdienen?

Nun, diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: es fließt ins Ausland, um dort unsere Rente zu sichern. Wenn das Ausland nämlich viel bei uns kauft, braucht es auch viel Geld und deshalb wandert unser (nicht) eingenommenes Geld dorthin, wo es nachgefragt wird, also wo Schulden gemacht werden. Nach Griechenland, Spanien, usw, na, Sie wissen schon, all die Länder, die mit uns gehandelt haben und jetzt bankrott sind.

Dort sichern wir unsere Altersvorsorge! Das ist jetzt ausnahmsweise mal kein schlechter Witz von mir, sondern von solchen Starökonomen wie Hans-Werner Sinn, die es tatsächlich für sinnvoll erachten, dass wir unsere Rente im Ausland anlegen, weil wir eine schrumpfende Gesellschaft sind. Deutschland schafft sich ab, und so. Als gäbe es keinen Produktivitätszuwachs und als wäre die nächste Generation nicht in der Lage, für alle in der Gesellschaft zu sorgen, so wie es schon seit Jahrtausenden der Fall ist.
Die Sichtweise des Herrn Sinn macht nur Sinn unter der Voraussetzung, dass der Produktivitätszuwachs der nächsten Jahrzehnte nicht der Bevölkerung zugute kommt, wenn es also weitergeht wie bisher.

Die Zahlungsbilanz für den deutschen Arbeiter sieht damit so aus: der angemessene Lohn, auf den er im Sinne der Exportindustrie verzichtet, wandert ins Ausland und wird dort u.a. in seinen Lebens- und Rentenversicherungen angelegt.
In das gleiche Ausland, das wir durch unsere andauernden Exportüberschüsse in den Bankrott treiben.
Dass das auf Dauer nicht gut endet, sollte jedem klar sein. Und jetzt haben wir den Salat. Jetzt müssen wir halb Europa retten, sonst wird das nichts mit unserer Rente. Und nachdem wir halb Europa „gerettet“ haben – vor allem in der Art und Weise, wie wir das gerade tun – ist die Rente auch pfutsch.

Das ist ja gerade das Bestechende an dem deutschen Geschäftsmodell: die Rente ist auf jeden Fall weg, woanders halt. Aber nicht bei den Griechen, die haben nämlich in unserm Sinne alles richtig gemacht und fleißig bei uns eingekauft.

Beim Geld hört die Freundschaft auf

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , , on 28. November 2010 by arnarscho

Kohl hat den Euro eingeführt, Merkel schafft ihn wieder ab. Oder versucht es zumindest.
Diese Frau hat schon Macht: immer, wenn sie auf der europäischen Bühne auftritt und die geistigen Ergüsse der uckermärkischen Hausfrau zur internationalen Finanzpolitik offenbart, geht hinterher ein Land Pleite, das wir dann retten müssen.
Dass sie uns mit ihren Auftritten im Ausland keine Freunde schafft und den Zusammenhalt der Euro-Zone massiv gefährdet, nimmt sie entweder nicht wahr, oder in Kauf.

Da muss man sich schon Sorgen machen, mit welchem Sachverstand hier Finanzpolitik mit unserm Geld betrieben wird. Gut, man kann Merkel zugute halten, dass sie im ehemaligen Ostblock als Tochter eines strammen Partei-Pfaffen sozialisiert wurde und von daher naturgemäß ein gestörtes Verhältnis zum Geld hat, denn sonst wüsste sie: über Geld redet man nicht.

Man handelt, und zwar überfallartig, alternativlos, eine Technik, die sie im Bundestag ja auch beherrscht. Mit den Abgeordneten kann sie das auch machen, aber nicht mit Ackermann, der mag das nicht. Beteiligung privater Gläubiger ja, aber bitte keine deutschen.

Deshalb müssen jetzt erstmal Irlands Banken gerettet werden, indem das Volk ausgepresst wird, während Ackermann & Amigos drei Jahre Zeit haben, ihre Investitionen dort in Sicherheit zu bringen.

Worin unterscheidet sich eigentlich die „Rettung“ eines Landes von seinem Untergang?

Zunächst mal gar nicht: In beiden Fällen gibt es steigende Arbeitslosigkeit, rückläufige Staatseinnahmen, Kürzungen der Sozialleistungen, höhere Steuern (für Geringverdiener) und grassierende Armut.
Der einzige Unterschied besteht darin, dass nach einem Konkurs umgeschuldet wird und das Land danach nur noch einen Teil seiner Schulden zu tragen hat, während es bei seiner „Rettung“ auf dem vollen Schuldenberg sitzenbleibt.

Da der Schuldenberg, den die irischen Banken aufgetürmt haben, aber so hoch ist, dass er von dem kleinen Land nicht mehr zurückgezahlt werden kann, sondern zwangsläufig weiter steigt, wird man nach drei Jahren „Rettung“ überrascht feststellen, dass Irland Pleite und eine Umschuldung „alternativlos“ ist. Der einzige noch verbliebene Gläubiger ist dann aber der EU-Rettungsschirm, also die EU-Steuerzahler.

Das ist ein originelles Geschäftsmodell, nennt sich Insolvenzverschleppung.

Mehr Griechenland, bitte

Posted in Politik, Wirtschaft with tags , , on 13. Oktober 2010 by arnarscho

Cyberwar war gestern, jetzt herrscht Währungskrieg.

Die USA drucken Geld ohne Ende, was den Dollar drückt, was wiederum China freut, weil damit auch der Yuan fällt und im Gegenzug durch eine wohldosierte „Kräuterkur“ aufgewertet werden kann, ohne große negativen Folgen für die Exportwirtschaft befürchten zu müssen.
Japan verucht verzweifelt, den Yen abzuwerten, was aber irgendwie nicht gelingt und auch die Schwellenländer intervenieren im großen Stil, um ihre Währungen zu drücken, weil plötzlich alle exportieren wollen.

Hey, das geht nicht, das ist unser Geschäftsmodell!

Doch der Euro steigt seltsamerweise, obwohl die halbe Eurozone kurz vorm Kollaps steht. Wo bleiben denn die Währungsspekulanten, jetzt, wo man sie mal gebrauchen könnte?
Weil eine zu feste Notierung unserer Exportwirtschaft schadet, brauchen wir daher dringend noch mal ein Griechenland, um den Investoren in aller Deutlichkeit klarzumachen, dass auch der Euro kein sicherer Hafen ist.

Vermögensverwalter Marc Faber sieht allerdings die USA diesen Krieg gewinnen:

Der Dollar wird auf Null fallen. Man erkennt schon einen internationalen Abwertungs-Wettlauf der Währungen, weil jeder seine Wirtschaft ankurbeln will. Sieger ist, wer am schnellsten bei Null ist. Die Amerikaner haben gute Chancen zu gewinnen.

Ziel erreicht: USA jetzt Entwicklungsland

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , on 20. August 2010 by arnarscho

Die USA sind uns mal wieder um einige Jahre voraus. Während wir noch über zu niedriege Löhne jammern, haben die Neocons in den USA das Land bereits erfolgreich umgebaut und fit gemacht für den Weltmarkt.
Ausländische Firmen investieren wieder.

Sogar indische Call Center wollen jetzt in die Staaten outsourcen, weil die Löhne dort endlich auf indischem Niveau angekommen sind, aber in Indien derzeit stark anziehen.

Also Leute, hört auf zu lamentieren und vergesst eure maßlosen Gehaltsvorstellungen, wenn ihr wollt, dass die Inder und Chinesen ihren Wohlstand auch nach Deutschland bringen.

Wohlstand für alle!