Archiv für Internet

Die x-Beliebigkeit der sonstigen Parteien

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , , on 4. April 2012 by arnarscho

Seit die Piraten im beschaulichen Saarland, das in weiten Teilen eine eher Internet-befreite Zone ist, in den Landtag gezogen sind und in der jüngsten bundesweiten Umfrage astronomische 12% erreicht haben, macht sich eine gewisse Panik unter den sonstigen Parteien bemerkbar.

Jetzt hacken alle auf dem noch recht bescheidenen Parteiprogramm herum und verweisen auf ihre Programme, die angeblich Aussagen zu den Werten und Zielen der sonstigen Parteien enthalten, in Wahrheit aber nur eine Ansammlung von schönen Floskeln sind, die keinerlei Auswirkungen auf die Politik haben.

Z.B. das Programm der CDU, das ich glatt zu 90% unterschreiben könnte.

Aber was ist denn an der CxU-Politik christlich? Welche christlichen Werte vertreten die denn? Doch die der Inquisition und der Kreuzzüge!
Ich weiß, wovon ich schreibe, ich war selber jahrzehntelang Christ und habe im Religionsunterricht ganz andere Dinge gelernt. Toleranz, Nächstenliebe und Achtung der Menschenwürde sind in der Politik der CxU noch nicht mal ansatzweise vorhanden. Wer ein Gegenbeispiel dazu kennt, das mir entgangen sein muss, kann das ja bitte gern in den Kommentaren aufführen, ich bin lernfähig.
Oder die Familienpolitik: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Kernbestandteil christlich demokratischer Politik“, schreiben sie dort.
Wie sich das mit Minilöhnen, Leiharbeitern und Zeitverträgen vereinbart, schreiben sie dort nicht.
Und so geht das auf über 100 Seiten munter weiter.

Oder die FDP.
Letzte Woche hat Rösler mit geschwollener Brust stolz verkündet, dass sich die FDP wenigstens dieses eine Mal an ihre Prinzipien gehalten hat und die 11.000 Schlecker-Frauen in die Wiederverwertung Anschlussverwendung geschickt.
Wahrscheinlich, weil die nicht zur typischen Wählerschicht der FDP gehören.
Aber diese Woche ist es schon wieder rum mit der Prinzipientreue, denn der Benzinpreis steigt und es ist Wahlkampf. Also wird mal fröhlich eine Erhöhung der Pendlerpauschale gefordert, obwohl die als staatliche Subvention ihren Prinzipien ja klar zuwiderläuft.
Aber, was soll’s, es ist Wahlkampf und nach der Wahl wird sich herausstellen, dass eh kein Geld dafür vorhanden ist.

Über die SPD brauch ich ja gar nichts mehr zu sagen, die haben alle eigenen Prinzipien aufgegeben und wollen nur noch in den Schoß von Mutti hüpfen.

Und dann wundern sich diese Parteien auch noch, dass sich immer mehr Wähler von ihnen abwenden und stattdessen mal die Piraten wählen. Jetzt machen sie alle ganz hektisch Internet und glauben, damit irgendwelche Wähler zurückzugewinnen.
Sehr überzeugend.

Dabei ist der Höhenflug der Piraten meiner Meinung nach gar nicht auf die Internetaffinen zurückzuführen, sondern eher auf die Protestwähler. Wie in Berlin haben sie auch im Saarland viele Nichtwähler mobilisiert, die wahrscheinlich nur deshalb zur Wahl gegangen sind, weil sie erstmals die Chance sahen, den andern Parteien eins auszuwischen.

Das nennt sich dann „Tyrannei der Massen“.

Kontrollverlust im Nebel des Grauens

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , , on 14. April 2011 by arnarscho

Wie Abgeordnetenwatch berichtet, haben noch 6% der Wähler ein positives Bild von unseren Politikern.

Oh, doch noch so viele! Das müssen die ohne Internet sein.
Es reicht ja schon, die bekannten Nachrichtenportale halbwegs kritisch zu lesen, um zu erkennen, welche Lügen uns Politiker täglich auftischen. Wenn man dann noch in Blogs herumstöbert, findet man stellenweise auch ganz andere Aussagen, die in einem unachtsamen Moment gefallen sind und im Mainstream verschwiegen werden, bis es nicht mehr geht. Und dann dementiert werden, bis es nicht mehr geht.

Auch Constanze Kurz, die für den Chaos Computer Club in der Enquete-Kommission Internet sitzt, kann davon ein Lied singen:

Es gibt einen enormen Unterschied im Diskussionsniveau zwischen den geschlossenen Sitzungen und den offenen Debatten der Enquete. Da müssen sich die Damen und Herren schon fragen, ob das nicht auch ein Grund für die Politikverdrossenheit ist. Wenn jeder implizit weiß, dass in der Öffentlichkeit vor allem Phrasen verbreitet werden, warum soll ich mich dann noch beteiligen wollen?

Nein, da brauchen sie sich wirklich nicht zu wundern.
Es wundert auch nicht weiter, dass dieses Verhältnis auf Gegenseitigkeit beruht, wie Nikolaus Blome, der Leiter des Hauptstadtbüros der BILD, und damit ein ausgewiesener Kenner der Materie, in seinem neuen Buch „Der kleine Wählerhasser“ beschreibt.

Der Tenor: Das Wahlvolk ist undankbar und unberechenbar, aber weiterhin leicht zu verführen. Klartext kann man ihm selten zumuten. Die Frustration zieht sich durch alle Parteien, so Blome.

Das Buch sei die „Frucht von zehn Jahren zuhören“ in Hintergrundkreisen und auf öffentlichen Veranstaltungen, sagt Blome. „Der Wähler is a Sau“, „Das verstehen die Leute eh nicht“ oder „Das kann man nicht laut sagen“.

Die Politiker handeln also angeblich zum Wohle eines Volkes, das sie in Wirklichkeit ob seiner gefühlten Dummheit verachten!
Der Fehlschluss, den sie da aber ziehen, ist der, dass sie meinen, das Volk wäre noch dümmer als sie.

Früher, als das Leitmedium noch BILD hieß, mag das auch funktioniert haben, aber im Internetzeitalter ist das nicht mehr so einfach.
Unerhört, dass sich plötzlich jeder Bürger direkt an seine Politiker wenden und Fragen stellen kann und auch noch ehrliche Antworten erwartet! Das müssen doch extremistische Aktivisten sein! Deshalb bleiben die meisten Fragen auch unerhört.

Denn aus dem diffusen Nebel des Internets steigt das reine Grauen: der Souverän! Ein Monster mit Millionen Köpfen.

Alle Politiker befürchten Kontrollverlust, nur nicht Sabine, die macht gute Miene.

Zensursula geht vom Netz

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , on 7. April 2011 by arnarscho

Nach den alten Atommeilern soll jetzt auch das Zensursula-Gesetz endgültig vom Netz gehen, heißt es aus Koalitionskreisen.
Damit vollführt die Koalition in Anbetracht der miesen Umfragewerte eine erneute Kehrtwende. Neben den Ober-Grünen sind sie jetzt auch noch die Ober-Pädokriminellen.
Zumindest nach der Argumentation von Uschi, der Ober-Kinderhüterin.
Wir erinnern uns noch an die ganzen Beleidigungen und Unterstellungen, die kübelweise über jedem Kritiker ausgegossen wurden.

Aber wo ist sie jetzt, da ihr Gesetz in die Tonne getreten werden soll? Ich würde ja mal gern ein Interview mit ihr sehen.
Und was macht sie jetzt? Verteilt Gutscheine für den Sportverein, damit sich die Kinder dort von pädophilen Trainern begrapschen lassen können.

Wirklich an den Zuständen was geändert hat sie nämlich nicht, für die geschundenen Kinder waren es drei verpasste Jahre.

Etwas hat sie immerhin erreicht, wenn auch nicht in ihrem Sinne: den Netzbewohnern, die sich auskennen in diesem „widerwärtigen Geschäft“, ist schlagartig klar geworden, dass das Internet kein politikfreier Raum ist, sondern ganz im Gegenteil zur politischen Verfügungsmasse erklärt werden sollte, dem Bösen, wo man nach Belieben sperren und zensieren kann, wie es dem Wahlvolk gerade gefällt, weil dieses Netz nur eine gesellschaftliche Randgruppe repräsentiert: pädophile, killerspielende Raubkopierer. Nicht wahlentscheidend.

Hä, hä, gründlich getäuscht, das Netz ist aufgewacht und hat Spaß an der Politik gefunden, im wahrsten Sinne des Wortes.
Regieren muss seitdem echt ätzend sein.

Ilse, bleib bei deinen Eiern

Posted in Gesellschaft, Politik with tags on 12. Januar 2011 by arnarscho

Die Ilse, bekannt als Ministerin für faule Eier und arme Schweine, hat uns ja schon im vergangenen Jahr mit ihrem gefährlichen Halbwissen rund ums Internet erheitert und konnte es sich deshalb natürlich nicht nehmen lassen, zum 11.01.11 die digitale Karnevalssaison zu eröffnen.

Tusch!
Wolle ma ne roilasse: den Radiergummi fürs Netz? Wahnsinn ohne Verfallsdatum.

Da soll ich mir also freiwillig nicht nur für teuer Geld eine Software kaufen, um damit umständlich meine Bilder zu verschlüsseln, sondern mir auch noch überlegen, wielange die haltbar sein sollen, bevor ich sie hochlade, wo man sie dann aber nur mit Firefox betrachten kann, falls man das (ebenfalls kostenpflichtige) Add-on installiert hat und dann noch Bock hat, ein Captcha einzutippen.
Da kann ich mir das Hochladen auch gleich sparen.

Wissen die wirklich nicht, wie man Bilder bei Facebook oder Flickr wieder löschen kann?
Ilse, dann frag doch mal deine Sekretärin, die hat schließlich auch deinen Account bei Facebook gelöscht.

Wie wärs denn stattdessen mit einem Radiergummi für Dioxin? Der wäre viel sinnvoller, weil er das Verfallsdatum der Menschen verlängert.

Kraft- und Machtgeschichten

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , on 16. Dezember 2010 by arnarscho

In der Sendung mit der Laus erfahrt ihr heute, wie Politik gemacht wird.

* Freigegeben ab 6 Jahre *

Also, ganz einfach: Politik wird in Deutschland von Parteien gemacht. Davon gibt es gleich mehrere und damit man sie besser voneinander unterscheiden kann, tragen sie unterschiedliche Namen.
Politiker aus diesen Parteien treffen sich immer auf ihrem Bolzplatz, den nennen sie Parlament.
Dort spielen sie so ’ne Art Cowboy-und-Indiander: die einen sind an der Regierung und dürfen bestimmen, die andern sind in der Opposition und deshalb dagegen.

Richtig lustig wird es aber, wenn die Opposition in der Mehrheit ist und damit einen Vertrag, nennen wir ihn mal JMStV, verhindert, den sie selber, als sie noch an der Regierung war, angeleiert hat.
Versteht ihr doch sicher, oder? So ein Vertrag ist nämlich wie ein Spielzeug und der besagte JMStV war ja wohl das Spielzeug der Opposition, deshalb durfte sie es der Regierung auch wieder abnehmen.
Die fand das aber gemein und wollte dann auch nicht mehr mitspielen.

Und so haben euch diese heldenhaften Politiker vor ihren eigenen Verträgen bewahrt und ihr dürft weiterhin diesen Blog lesen.

EU-Politik 2.0

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , on 24. Oktober 2010 by arnarscho

Demnächst kann jeder EU-Bürger mitmischen in der Politik, graphisch und interaktiv auf einem Niveau, wie wir es von unseren Politikern auch gar nicht anders erwartet hätten:

Wir sehen hier einen typischen EU-Abgeordneten in seinem isometrischen Büro, das up-to-date war, als das aktuelle Betriebssystem noch DOS hieß (für die jüngeren unter den Lesern: das war vor ca. 20 Jahren), für EU-Politiker also das non-plus-ultra.
Selbst die SIMS leben schon seit Jahren komfortabler und man fragt sich ernsthaft, ob moderne Graphikkarten dieses Format überhaupt noch unterstützen.

Aber ok, die Graphik ist ja nur zweitrangig, wenn die Idee dahinter überzeugt:

Statt für das Töten von Monstern, bekommt man bei „Citzalia“ seine Erfahrungspunkte für eher bürokratische Quests wie das Übersetzen von EU-Texten, oder wenn man einen bei anderen Nutzern beliebten Gesetzesvorschlag macht. Und statt für mehr Kraft oder Ausdauer der Spielfigur tauscht man die Punkte dann gegen eine schöne Topfpflanze für sein Büro oder ein Ringelshirt für den Avatar.

Ob das die Community vom Hocker reißt?
Übrigens, mit Avatar ist dieses Legomännchen gemeint.

Und damit wollen die den Bürgern die EU-Politik näherbringen? Ähäm.
Vielleicht den Erstklässlern. Wir warten dann doch lieber auf das Erweiterungspaket „Bestechung, Korruption, Intrigen“, das es erlaubt, eine von drei Rollen einzunehmen:

  1. Lobbyist. Startet mit Säcken voller Geld und muss versuchen, dieses Geld möglichst gewinnbringend an Politiker zu verteilen, um sie von seinen hirnlosen Projekten zu überzeugen.
  2. Politiker. Startet mit relativ wenig Geld und muss versuchen, durch das Unterstützen von hirnlosen Projekten möglichst viel Geld einzusammeln, um damit Wahlkampf und Intrigen gegen andere Politiker zu finanzieren.
  3. Bürger. Startet mit noch weniger Geld und muss versuchen, Politiker durch Schreiben von Beiträgen in diversen Foren davon zu überzeugen, sein Geld nicht für hirnlose Projekte auszugeben.

Wie z.B. die Viertelmillion für dieses Spielzeug.

Ein Jahr Dumm-Dumm-Geschwätz

Posted in Gesellschaft with tags on 12. Juni 2010 by arnarscho

Auf einem Niveau jenseits von Gut und Böse.

Freibier für alle!
Mein Blog wird ein Jahr alt. Begonnen aus Ärger über Zensursula und ihren Kindesmissbrauch für Wahlkampfzwecke, hat sich in dem Jahr ja doch einiges verändert:

  • Zensursula wird nicht Bundespräsidentin. Dazu dürfte nicht zuletzt auch die freundliche Unterstützung durch die Netzgemeinde beigetragen haben.
  • Überhaupt wird die Netzgemeinde wahrgenommen in der Gesellschaft. Vor einem Jahr war das noch anders, da waren das noch bleich- und pickelgesichtige pubertierende Pöbler.
  • Die Blogosphäre ist in den Mainstream-Medien angelangt. Wie ich gestern erfahren habe, gibt es einen neuen Dienst namens Twingly, der Blogs nach Links durchsucht und bei den verlinkten Artikeln dann rückverlinkt. Deshalb ist mein Block nun im Handelsblatt zu finden. Au weia.
  • Die Bilderbürger gibt es jetzt wirklich.
  • Netzpolitik.org ist jugendgefährdend.
  • Wir sind dem Abgrund mindestens zwei Jahre näher.

Bis dahin werde ich aber noch genug zu lästern haben.
Leider bin ich kein Journalist, sondern Mathematiker und Programmierer, also von Natur aus schreibfaul. Deshalb tue ich es mir mit dem Schreiben etwas schwer. Meine Kreativität ist begrenzt, meine Zeit auch, und so schreibe ich an manchen Artikeln eine gefühlte Ewigkeit. Und oft gelingt es mir gar nicht, meine wirren Gedanken in Worte zu gießen.

Aber zum Glück bin ich ja nicht allein.
Prost Gemeinde, für jeden Leser ein Bier:
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