Archiv für Grundeinkommen

Wer Statistiken fälscht, oder gefälschte Statistiken in Umlauf bringt…

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , on 29. September 2010 by arnarscho

…sollte mit Hartz 4 nicht unter 4 Jahren bestraft werden.

Ist schon klar, welche gemeint ist.

Aber jetzt muss ich sogar mal dem Bundesverfassungsgericht widersprechen, und zwar in einem entscheidenden Punkt: der Berechnungsgrundlage für die Hartz-Sätze. Das BVerfG hält es für angemessen, die unteren 20% der „Einkommen“ als Berechnungsgrundlage zu nehmen, sofern man die reinen Hartz-Bezieher herausrechnet.

Ich nicht.
Und zwar aus einem einfachen Grund: die unteren 20% haben nicht wesentlich mehr als Hartz 4. Die in spätrömischer Dekadenz lebende Bourgeoisie dieser Bevölkerungsgruppe sind die 400€-Jobber. Deshalb darf der Hartz-Satz auch keinesfalls in diese Regionen aufsteigen.
Die Karlsruher Richter haben nämlich versäumt zu hinterfragen, ob die unteren 20% trotz ihres „Einkommens“ überhaupt noch ein menschenwürdiges Leben in einem der reichsten Länder der Welt führen können.

Welche Anteile davon man jetzt statistisch herausrechnet, ist deshalb vollkommen irrelevant, das Ergebnis bleibt stets das gleiche: deutlich unter 400€.
Durch diesen miesen Trick werden die unteren 20% der Bevölkerung auf Dauer abgehängt.

Wenn ich ein würdiges Leben in einer Gesellschaft definieren will, muss ich in meiner Statistik doch die gesamte Bevölkerung aufnehmen, oder sehe ich das jetzt so verkehrt? Streng genommen müsste man die unteren 20% sogar herausrechnen, um Rekursionen zu vermeiden, aber das lassen wir jetzt mal.
Dann könnte man auf die ganzen nervigen und komplizierten Verbrauchsstatistiken verzichten und eine ganz einfache, bekannte Größe nehmen: das BIP. Das gibt immer an, was wir ausgeben.

Geteilt durch soundsoviel hätte dann jeder Hartzler auch Anrecht auf 1g Kaviar pro Jahr, eine Flasche (alkoholfreien) Champagner und 0,0001% Segeljacht. Wäre unsere Gesellschaft damit echt überfordert?

Falls ja, sollten wir uns beim Organisationskomitee beschweren.

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Alles so schön billig hier

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , on 27. September 2010 by arnarscho

Heute im Angebot von Discounter „von der Leyen“:

Internetanschluss für sage und schreibe 2,28€. Ich glaub, ich sollte mal meinen Anbieter wechseln.

Bildung gibt’s sogar für 1,39 pro Monat. Jetzt verstehe ich das auch mit dem lebenslangen Lernen. Bei diesem Budget braucht man tatsächlich ein ganzes Leben, um überhaupt irgendetwas zu lernen.

Essen und Trinken für ca. 4€ pro Tag – all inclusive – vom Frühstücksbrötchen bis zum Abendessen, wo bekommen Sie das sonst noch geboten?

Freizeit, Unterhaltung und Kultur für ca. 1,33€ pro Tag. Da soll noch einer behaupten, wir wären ein kulturloses Land.

Blumen, Haustiere und Garten braucht man dagegen überhaupt nicht, und so verwundert es dann auch nicht weiter, dass man für ein Leben in Würde light lediglich 364€ benötigt.
Ja Leute, soviel ist eurer Regierung eure Würde wert!

Interessant ist aber auch, dass dieser Betrag exakt dem entspricht, den das Bundesfinanzministerium bereits 2008 als das steuerfreie Existenzminimum für 2010 ermittelt hat (S. 3, unten).
Na, so ein Zufall.

Deshalb musste Uschi auch so lange rechnen, bis diese Zahl herauskam. Ob das der Transparenz entspricht, die das Verfassungsgericht gefordert hatte, darf es wohl selbst entscheiden.

Agenda 2010: Die Chance für die SPD

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , on 3. Oktober 2009 by arnarscho

Da die Agenda von Schröder von vornherein nur bis 2010 ausgelegt war und somit nächstes Jahr der TÜV abläuft, bietet sich für die SPD die einmalige Chance, diese Agenda abzuwracken und gegen ein modernes Sozialrecht, das der Tatsache gerecht wird, dass es schon seit Jahrzehnten nicht mehr genug Arbeit für alle gibt, einzutauschen.

Dieses ewige „Mehr Arbeit für alle“ kann ich nicht mehr hören.

Wir – die arbeitende Bevölkerung („Leistungsträger“) – fordern:

  • Weniger Arbeit für alle – bei vollem Lohnausgleich, versteht sich, wir haben ja schließlich Familien zu ernähren.
  • Rente ab 60, um den Jüngeren Platz zu machen – bei voller Rentengarantie, versteht sich, wir sind ja schließlich produktiver geworden.
  • Bedingungsloses Grundeinkommen für alle, die dann immer noch keine Arbeit haben – und zwar ausreichend, versteht sich, wir sind ja schließlich keine Sklavenhaltergesellschaft.

Vorwärts in die Steinmeierzeit

Posted in Politik with tags , on 3. August 2009 by arnarscho

Ich lach mich schlapp: SPD-Kandidat Frank-Walter Steinmeier will bis 2020 (geheime Agenda 2020?) 4 Millionen (in Worten: 4.000.000) Arbeitsplätze in Deutschland schaffen.

Meine erste Frage war natürlich: haben wir dazu überhaupt genügend Arbeitslose?
Und die zweite Frage: sind die auch qualifiziert genug für die Art von Jobs, die dem Steinmeier da vorschweben?
Falls nein, wer kümmert sich darum und finanziert die Ausbildung?
Falls ja, um welche Art von Jobs soll es sich dabei handeln?

Realistischerweise sollten wir eher davon ausgehen, dass aufgrund fortschreitender Arbeitsteilung und Automatisierung bis 2020 mehrere Millionen weitere Arbeitsplätze wegfallen.

In diesem Umfeld zusätzlich 4 Millionen Arbeitsplätze zu schaffen, erfordert schon spezielle Maßnahmen:

  • Wiedereinführung des Faustkeils als einzig erlaubtes Arbeitsmittel,
  • Arbeitslager zur Durchsetzung dieser Forderung.

Und damit will die SPD Wähler gewinnen?
Mein Gott, Frank-Walter, die Zeiten haben sich in den letzten hundert Jahren geändert: wir wollen nicht mehr Arbeit, wir wollen mehr Freizeit!
Und zwar gutbezahlte!
Wie die Manager!

Bald Grundeinkommen für alle?

Posted in Gesellschaft, Politik with tags on 15. Juli 2009 by arnarscho

Ich weiß, ich übertreibe schon mal gerne, aber als ich diese Zahlen heute im SPON laß, hat's mir die Sprache verschlagen:

Demnach fließt fast ein Drittel aller in Deutschland erwirtschafteten Gelder in soziale Leistungen. 2008 wurden rund 720 Milliarden Euro für soziale Zwecke ausgegeben.

Kurz dividiert, ergibt ca. 731,70 Euronen pro Einwohner und Monat.
Bar auf die Hand, für jede/n!
Ein bisschen gerecht verteilt, wäre damit ein komfortables Grundeinkommen für die gesamte Bevölkerung doch locker zu finanzieren.
Aber irgendetwas läuft da schief!