Archiv für Arbeitslosigkeit

Was das Volk von Monopoly lernen könnte

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , , , , , on 15. Juli 2012 by arnarscho

Oder: Wieso ein Schuldenerlass den Wohlstand aller vermehrt.

Jeder, der schon mal Monopoly gespielt hat, kennt den typischen Spielverlauf: alle starten mit gleicher Kapitalausstattung, aber am Schluss bleibt nur einer übrig, die andern gehen nach und nach bankrott.
Das Spiel ist sozusagen ein Abbild des Kapitalismus.

Es gibt ein Startkapital und in jeder Runde erhält jeder Spieler zusätzlich 2000 Euro. Das ist im Prinzip das Wirtschaftswachstum. Bei vier Spielern erhöht sich also der allgemeine Wohlstand in jeder Runde um 8000 Euro.

Nachdem dann alle Ressourcen zwischen den Spielern aufgeteilt sind, kristallisiert sich auch schnell der erste Verlierer heraus: nämlich der, der die wenigsten Ressourcen ergattern konnte.
Nachdem er ausgeschieden ist, sozusagen Hartz4 bekommt, erhöht sich der Wohlstand der restlichen Spieler nur noch um 6000 Euro pro Runde.

Man kann das Spiel jedoch auch dahingehend abändern, dass die andern Spieler dem Pleitekandidaten einen Kredit vergeben, den er dann in jeder Runde von seinem Gehalt abstottert.
Aber warum sollten sie das tun, wo doch abzusehen ist, dass er demnächst wieder pleite geht, womöglich noch bevor er seinen Kredit komplett abbezahlt hat?
Nun ganz einfach: wenn er wieder pleite geht, haben die andern Spieler ihr Geld ja auch wieder zurück, evtl. etwas anders verteilt. Und nicht nur das, sie erhalten sogar mehr zurück, weil der Spieler ja in jeder Runde den allgemeinen Wohlstand um 2000 Euro erhöht.

Die drei andern Spieler können also ihren eigenen Wohlstand allein dadurch vermehren, dass sie den Pleitekandidaten mitspielen lassen und ihm regelmäßig nicht nur seine Restschulden erlassen, sondern ihm sogar wieder einen neuen Kredit vergeben, von dem sie genau wissen, dass er nie komplett abbezahlt wird.

Diese Sichtweise ist vollkommen konträr zur egoistischen Perspektive der schwäbischen Hausfrau und nennt sich Makroökonomie.

Probleme lösen durch Kooperation, statt Konfrontation, ist zum Vorteil aller. Aber für diese simple Erkenntnis bräuchte man nicht nur andere Politiker, sondern auch ein anderes Volk.
Erstere könnte man ja noch wählen, letzteres jedoch nicht!

Dringend erforderlich: Konsum-Roboter

Posted in Gesellschaft, Wirtschaft with tags , , on 8. Juli 2012 by arnarscho

Leute, diesmal geht es wirklich um’s ganze: der Kapitalismus schwebt in höchster Lebensgefahr. Wenn wir nicht zulassen wollen, dass Karl Marx am Ende doch noch Recht behält, müssen wir uns was einfallen lassen.

Ökonomen und Politiker zerbrechen sich den Kopf um die hohe Jugendarbeitslosigkeit, die vor allem in Südeuropa grassiert.
Die Gründe hierfür sind vielfältig. Zum einen können ältere Arbeitnehmer wegen dem Kündigungsschutz nicht so einfach entlassen und durch jüngere ersetzt werden, zum andern können Firmen auf deren Berufserfahrung oft auch nicht verzichten.
Und sie einfach früher in Rente zu schicken, geht ja schon mal gar nicht, wie man den empörten Reaktionen auf Hollandes Gesetzesänderung, nach der die ca. 100.000 Franzosen, die über 40 Jahre in die Rentenversicherung eingezahlt haben, schon mit 60 in Rente gehen dürfen, entnehmen kann.

Doch den wahren Grund, warum so viele Jugendliche arbeitslos sind, nennt keiner: wegen der zunehmend automatisierten Fertigung brauchen wir sie einfach nicht mehr.
Dass das in Deutschland bisher noch kein Problem ist, hängt auch damit zusammen, dass Deutschland mal wieder alles richtig gemacht hat und sich abschafft: je weniger Kinder, desto weniger arbeitslose Jugendliche.

Aber auch uns wird diese Entwicklung früher oder später einholen. So hat der japanische Hersteller Canon vor einigen Wochen angekündigt, eine vollautomatisierte Kameraproduktion bis 2015 anzustreben. Das ist gut für Japan, weil dann keine Jobs mehr nach China ausgelagert werden müssen, da es keine mehr auszulagern gibt.
Auf der andern Seite ist das auch gut für die tausende Chinesen, die bisher unter sklavenähnlichen Bedingungen Kameras zu Hungerlöhnen montieren mussten und nun freigesetzt werden und hoffnungsvoll ihrer Anschlussverwertung entgegensehen können.
Umsatzeinbußen hat Canon dadurch übrigens nicht zu befürchten, da sich die dort beschäftigten Chinesen sowieso nie eine Canon hätten leisten können.
Eine klassische win-win-win-Situation also.

Der Siegeszug des Kapitalismus ist damit nicht mehr aufzuhalten. Und schon kündigt sich die nächste Revolution in der Produktionstechnik an: der sogenannte 3D-Druck. Von winzigen Maschinenteilchen bis zu ganzen Häusern können damit per Software hergestellt werden. Diese Technik ist noch revolutionärer als das Fließband seinerzeit, weil Menschen – also teure Arbeitskräfte – dazu kaum noch benötigt werden.

Um den Triumph des Kapitalismus perfekt zu machen, fehlt dann nur noch ein winziges Glied in der Kette: der Konsum-Roboter, der die ganzen automatisch produzierten Waren, die sich die arbeitslosen Menschen nicht mehr leisten können, automatisch aufkauft.

Aber – da bin ich mir sicher – auch das werden wir schaffen, allein schon, um Karl Marx, der genau diesen Zustand hat kommen sehen, endgültig zu widerlegen.

Der optimale Währungsalbtraum

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , , on 17. August 2011 by arnarscho

Bin da gerade per Zufall auf dem Blog des Liberalen Institus, dem „Think Tank“ der Friedrich-Naumann-Stiftung, gelandet (zur Erinnerung: das ist die FDP-nahe Stiftung) und lese dort unter dem Titel Griechenland und die Eurozone: Flexibler Arbeitsmarkt und Migration oder Austritt:

Die Grundlage für einen funktionsfähigen gemeinsamen Währungsraum ist ein flexibler Arbeitsmarkt und die Möglichkeit freier Migration. Die Löhne müssen schwanken können und die Menschen müssen dorthin gehen können, wo Arbeitskräfte gesucht werden. Dafür ist es notwendig, dass man auf Mindestlöhne, Flächentarife und Transferzahlungen weitgehend verzichtet und Barrieren für die Abwanderung abbaut.

Das besagt die Theorie optimaler Währungsräume und nennt sich Faktormobilität.
Theoretisch mag die sogar stimmen, wenn man den Menschen auf seine Arbeitskraft reduziert und wie ein Wirtschaftgut, also z.B. wie ein Stück Vieh behandelt.
In den Gleichungen der Ökonomen jedenfalls wird er so behandelt: eine Variable, wie viele andere auch.

Kann man jederzeit kaufen, „freisetzen“ und kreuz und quer durch Europa transportieren. Aber nur, wenn der Währungsraum optimal ist.

Der Preis der Variable „Arbeitskraft“ wird dabei ausschließlich über den Markt geregelt, d.h. in einer zunehmend automatisierten Produktion muss die Variable „Arbeitskraft“ ständig billiger arbeiten als die Variable „Roboter“.
Ob man damit leben und sich fortpflanzen kann, ist nicht Bestandteil der Theorie.

Was wäre also optimal?

„Die Menschen müssen dorthin gehen können, wo Arbeitskräfte gesucht werden“, sagt der „Think Tank“. Man beachte die Formulierung, die suggeriert, dass die Menschen förmlich nur darauf warten, dass sie endlich losziehen können, in den globalen Kampf gegen Mindestlöhne, Flächentarife und Roboter.

In unserem speziellen Fall hieße das, dass möglichst viele Griechen nach Deutschland kommen müssen, bzw. „wollen“, weil bei uns ein Facharbeitermangel ohne Ende herrscht. Aber wollen wir das wirklich?
Derweil ziehen unsere Arbeitslosen nach Spanien zur Tomatenernte, während die Spanier…?
Denn der Arbeiter 2000 ist ein freier Mann, kinderlos und spricht 17 Sprachen fließend.

Was aber, wenn sich die Griechen tatsächlich optimal verhalten und auf den deutschen Arbeitsmarkt strömen? Dann sinken hier die Löhne, mit der Folge, dass unsere Exporte noch billiger werden und weitere Staaten aus dem Euroland an die Wand fahren. Deren Arbeitskräfte kommen dann auch nach Deutschland, usw.

Der optimale Zustand ist schließlich erreicht, wenn die gesamte Produktion des Euroraums in Deutschland stattfindet, weil hier am effizientesten gearbeitet wird.
Uns droht Wohlstand ohne Ende!

Solche Theorien mögen ja grandios, elegant und nobelpreisverdächtig sein, aber leider fehlen ihnen einige Kleinigkeiten, wie z.B. der Wunsch der Variable Arbeitskraft nach Lebensplanung, familiäre oder soziale Bindungen, und zwar aus dem einfachen Grund, weil sich solche Faktoren nicht in Formeln ausdrücken lassen.
Und außerdem den optimalen Währungsraum behindern.

Im übrigen sieht man an den USA derzeit, dass das System auch bei hoher Faktormobilität nicht zwangsläufig funktioniert.

Von daher kann ich mit dem suboptimalen Zustand einer Transferunion, in der Gelder statt Menschen transferiert werden, besser leben.

Wir überweisen ein paar Milliarden an Griechenland, sozusagen als Würdigung dafür, dass sie jahrelang unsere Arbeitsplätze subventioniert haben, indem sie bei uns Autos, Panzer und U-Boote gekauft haben, die sie sich nicht leisten konnten und deshalb jetzt Pleite sind.
Die nötigen Milliarden hierfür können wir bei den Gutverdienern eintreiben, die von den Geschäften die ganzen Jahre profitiert haben.

Endlich wider soziale Gerechtigkeit

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , on 26. September 2010 by arnarscho

Da soll sich noch einer beschweren: satte 5 € mehr erhalten die Basisgeldberechtigten. Das ergibt bei 6,7 Millionen Basisgeldberechtigten den stattlichen Betrag von 33,5 Millionen Euro. Das ist immerhin mehr als die 25 Millionen, die die HRE-Manager für vorbildliche Staatsplünderung erhalten haben.

Braucht sich also keiner zu beschweren, dass hier mit verdeckten Karten gespielt würde, offensichtlicher kann es eine Regierung ja wohl nicht mehr treiben.

[Nachschlag]
Der passt, gerade beim König von Haunstetten gefunden:

Es gibt kein Bier für Hartz 4

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , on 25. September 2010 by arnarscho

Viel Feind, viel Ehr, muss sich Super-Uschi wohl gedacht haben, als sie beschloss, den Hartzlern Basisgeldberechtigten kurzerhand Alkohol und Tabak zu streichen und sie damit faktisch ihrer Lebensgrundlage zu berauben.
Ist nicht nur viel gesünder, sondern hat auch den praktischen Nebeneffekt, dass dann mehr Geld für gesunde Lebensmittel, Bildung und Kultur bleibt. Die gesellschaftliche Teilhabe, die das Bundesverfassungsgericht eingefordert hatte.
Na bitte, und alles ohne die Sätze wesentlich zu erhöhen.

Schluss mit dem Klischee vom Hartzler, der, weil er sein letztes Hemd versoffen hat, im Unterhemd mit der Pulle in der Hand vorm überquellenden Aschenbecher auf dem Sofa hängt und Prekariatsfernsehen glotzt.
Denn der Basisgeldberechtigte ist ein aufgeklärter Bürger, der im Designerhemd aus ökologisch und sozial verträglicher Fertigung am PC sitzt und sich im Internet, das ihm jetzt immerhin ja zusteht, informiert.

Uschi würde sich übrigens ganz schön wundern, wenn die tatsächlich alle aufhörten zu saufen und stattdessen auf die Straße gingen.

Aber wir lösen unsere sozialen Probleme ja anders: wir plündern die Gesellschaft, um das Geld den Millionären reinzuschieben. Die haben sich durch die Finanzkrise und die anschließenden Rettungsbillionen nämlich ganz schön vermehrt.
Wenn wir diesen Trend ausnutzen, vermehren sich die Millionäre stärker als der Rest der Bevölkerung und in ein paar Jahren haben wir nur noch Millionäre in Deutschland. Von wegen, Deutschland schafft sich ab.

Einen Champagner, bitte!

Ziel erreicht: USA jetzt Entwicklungsland

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , on 20. August 2010 by arnarscho

Die USA sind uns mal wieder um einige Jahre voraus. Während wir noch über zu niedriege Löhne jammern, haben die Neocons in den USA das Land bereits erfolgreich umgebaut und fit gemacht für den Weltmarkt.
Ausländische Firmen investieren wieder.

Sogar indische Call Center wollen jetzt in die Staaten outsourcen, weil die Löhne dort endlich auf indischem Niveau angekommen sind, aber in Indien derzeit stark anziehen.

Also Leute, hört auf zu lamentieren und vergesst eure maßlosen Gehaltsvorstellungen, wenn ihr wollt, dass die Inder und Chinesen ihren Wohlstand auch nach Deutschland bringen.

Wohlstand für alle!

Danke, liebe Arbeitslose

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , on 9. Juni 2010 by arnarscho

Was muss Deutschland doch für ein reiches Land sein, dass es sich leisten kann, die Haushaltskonsolidierung von den Arbeitslosen finanzieren zu lassen.
Wir sollten uns deshalb bei den Hartz-IV-Beziehern mal höflich dafür bedanken, dass sie sich hartnäckig weigern, die Millionen freier, gutbezahlter Jobs anzunehmen, denn sonst müssten wir, die noch Jobs haben, alles zahlen.

Sonst zahlt nämlich niemand.

Jedenfalls sind die Kürzungen bei Hartz-IV die einzigen konkreten Beschlüsse, die ich in dem Sparpaket finden konnte. Ach ja, noch das Stadtschloss.
Alles andere ist ziemliches Wischiwaschi:

Brennelementesteuer.
Glaubt Merkel im Ernst, dass sie auch nur einen einzigen Cent von den Energieriesen bekommt? Zur Not intervenieren die in Brüssel und die Steuer wird von der EU-Kommission wegen Wettbewerbsverzerrung wieder einkassiert. (Natürlich erst, nachdem die Laufzeitverlängerungen für die AKWs durch den Bundestag sind.)

Flugabgabe.
dito.

Finanzirgendwassteuer, Bankenabgabe.
Wie leidenschaftlich unsere Regierung dafür kämpft, haben wir ja erlebt. Entsprechend hoch dürften die zu erwartenden Einnahmen ausfallen.

Deshalb wird das eigentliche Problem, nämlich dass wir unter unseren Verhältnissen leben, damit nicht gelöst, sondern noch verschärft.
Seit Einführung des Euro hat Deutschland kumuliert fast eine Billion Euro an Überschüssen erwirtschaftet.
Macht für jeden deutschen Haushalt im Durchschnitt einen Überschuss von ca. 46.000 € in acht Jahren. Das wäre gemäß unseren Verhältnissen. So, jetzt schauen wir mal auf unser Konto. Wenn wir den Betrag dort nicht finden, hat ihn jemand anderes einkassiert.

Dieses Problem des Euroraums ist seit der Griechenlandkrise offensichtlich geworden und wird den Euro solange unter Druck setzen, bis es gelöst ist.
Das, was unsere Neoliberalen gerade planen, ist das genaue Gegenteil davon und wird dazu führen, dass wir in ein paar Jahren nur noch Griechenlands um uns herum haben.

Wenn das Merkel tatsächlich einen starken Euro will, hat sie keine Alternative: sie muss den deutschen Binnenmarkt stärken. Aber das geht nur ganz undeutsch: die Löhne müssen steigen und die Hartz-IV-Sätze auch.
Dann können sogar die Arbeitslosen ihren Beitrag zur Stabilisierung des Euro leisten, indem sie öfter mal eine Flasche Ouzo trinken, mit Feta und Oliven, voll dekadent.