Jetzt reicht’s auch einmal

Ich kann’s nicht mehr glauben.

Da sendet also ein (mittlerweile ehemaliger) technischer Mitarbeiter des BND von seinem Privat-Computer per Google-Mail ein „Bewerbungsschreiben“ an die russische Botschaft in München und hängt als Referenz auch gleich drei als „geheim“ eingestufte Dokumente im PDF-Format an.
Alles unverschlüsselt. Als technischer Mitarbeiter, der sich in solchen Fragen eigentlich auskennen sollte???

Nun gut, wir lassen mal durchgehen, dass er etwas „naiv“ war, wie seine Kollegen behaupten.
Bleiben trotzdem ein paar Fragen:

  1. Der Verfassungsschutz (nicht der NSA!) hat diese eMail abgefangen.
    Interessant.
    Würde mich mal interessieren, ob die auch den gesamten Internetverkehr abhören, oder nur bestimmte, verdächtige Domains wie z.B. „russische-botschaft.de“?
  2. Angeblich wurde die betreffende eMail nicht an die russische Botschaft weitergeleitet.
    Interessant.
    Der Verfassungsschutz hört also nicht nur fleißig mit, sondern betreibt auch ein operatives Zentrum, in dem eMails freigeschaltet werden müssen, bevor sie zum Empfänger weitergeleitet werden.
  3. Der Verfassungsschutz wendet sich an die amerikanischen Geheimdienste, um die Identität des GMail-Benutzers abzufragen.
    Interessant.
    Der Musikindustrie genügt die IP-Adresse, um einen „Terroristen“ ausfindig zu machen, aber der Verfassungsschutz kann das nicht?
    Oder war diese „Anfrage“ eher ein verdeckter Warnhinweis eines anderen Maulwurfs, dass eine Enttarnung kurz bevorsteht?
    Denn:
  4. Das GMail-Konto wurde kurz darauf gelöscht.
    Interessant.
    Weil sowohl der naive Mitarbeiter, als auch die amerikanischen Geheimdienste wissen, dass damit gar nichts gelöscht wird, sondern nur ein Eintrag („Deleted“) in einer Datenbank erfolgt. Zumal der NSA sowieso auch noch eine Sicherheitskopie von allem hat.
    Interessanter finde ich hingegen die Frage, woher der Verfassungsschutz weiß, dass das Konto gelöscht wurde. Eine Rundmail von Google gibt es dazu ja nicht.
    Müssen sie also wohl versucht haben, Kontakt mit ihm aufzunehmen, nachdem der erste Versuch gescheitert war, vielleicht auch, weil der eine Maulwurf von einem weiteren Maulwurf gewarnt wurde?
  5. Dann haben sie ihn ja trotzdem noch geschnappt.
    Interessant.
    Wahrscheinlich haben sie bei der Musikindustrie nachgefragt, wie man aus der IP-Adresse deren Inhaber ermitteln kann.
    Der hatte zwar seinen GMail-Account gelöscht, dummerweise jedoch nicht seine Festplatte, auf der die Ermittler dann erwartungsgemäß professionelle Geheimdienstsoftware fanden, getarnt als Wetter-App mit dem geheimen Zugangscode „New York“, nebst einer „Notrufnummer“ beim CIA.

Und das soll ich jetzt alles so schlucken!?
Das ist ja dümmer als James Bond erlaubt!

Ich kann daraus nämlich nur folgern, dass wir entweder total inkompetente Geheimdienste haben, was ja noch erfreulich wäre, oder aber, dass wir gerade (mal wieder) ziemlich verarscht werden.

Oder beides.

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