Was erlauben Putin? Und Schröder?

Als ich am Wochenende von der Festnahme der OSZE-Beobachter hörte, von denen sich später herausstellte, dass es gar keine wirklichen OSZE-, sondern Militärbeobachter waren – die Deutschen wieder ganz vorne mit dabei -, war mein erster Gedanke: daran ist Putin schuld.

Jetzt ohne Witz!
Schließlich hätte er ja schon im Vorfeld gewisse Geheimdiensterkenntnisse über einen getarnten OSZE-Besuch an die Aktivisten/Föderalisten/Separatisten/Putinisten/Putschisten/Terroristen (Nichtzutreffendes bitte streichen) weitergegeben haben.

Das entspräche genau dem Stil, den ich Putin zutrauen würde, durch gezielt gestreute Geheimdienstinformationen den Westen so richtig auffliegen zu lassen. Als ehemaliger Geheimdienstchefler weiß er, wo und wie Politik wirklich gemacht wird. Er kennt die dreckige Handarbeit, im Gegensatz zu Obama, der sich auf seine (dreckigen?) Berater verlassen muss.

Obwohl Putin ja sonst an allem schuld ist, was in der Ukraine passiert, war er ausgerechnet an dieser Festnahme aber scheinbar nicht schuld, zumindest habe ich nichts derartiges mitbekommen.

Etwa weil er nun helfen soll, die Geiseln wieder zu befreien? Ob er darauf unbedingt Bock hat, bin ich mir nach der ganzen beleidigenden, sämtliche diplomatischen Gepflogenheiten spottenden, Stammtisch-Rhetorik westlicher Politiker nicht so sicher. Wie groß Russlands Einfluss auf die Rebellen wirklich ist, weiß eh keiner so genau.

Interessanter finde ich hingegen, dass dieser seltsame Einsatz in der Mainstream-Presse überhaupt nicht thematisiert wird. Schließlich hat Mutti von der Leichen durch äußerst unprofessionelles Vorgehen deutsche Soldaten in Lebensgefahr gebracht.
Könnte man ja mal nachfragen, welchen Auftrag die dort genau hatten. Und welches Mandat.
Einen sachlichen Artikel dazu (und nebenbei auch guten Journalismus) findet man bei German-Foreign-Policy, während der Mainstream nichts wichtigeres zu tun hat, als über Schröders Geburtstagsparty zu hetzen, auf der – peinlich, peinlich – auch der CDU-Politiker und außenpolitische Sprecher der Bundestagsfraktion, Philipp Mißfelder war. Das wird seiner weiteren Karriere nicht sonderlich zuträglich sein, sagt mir ein Blick in die Glaskugel.

Aber zurück zu dem seltsamen Einsatz.
Das Wiener Dokument, auf das dabei immer verwiesen wird, beinhaltet Militärinspektionen als vertrauensbildende Maßnahmen, die im Einvernehmen mit *allen* beteiligten Konfliktparteien durchgeführt werden.
Davon kann ja wohl keine Rede sein. Vertrauensbildende Maßnahmen waren das sicherlich nicht, sondern eher eine weitere Eskalation, an der am Schluss Putin schuld sein wird, weil er sich nicht an die Genfer Abmachungen gehalten hat.

Trotzdem ist Putin z.Z. in einer äußerst komfortablen Lage: er braucht gar nichts zu machen, außer ein paar Geheimdienstinformationen geschickt zu nutzen. Für genügend Unruhe sorgt nämlich schon die sog. Übergangsregierung in Kiew und ihre Investoren aus den USA, die das Filet-Stück ihrer Investitionen, die Krim, durch – sagen wir mal – Fehlinvestitionen in unfähiges Personal, bereits verloren haben.

Durch die Faschos ist die Lage ja erst so weit eskaliert, dass eine Lösung ohne Russland jetzt nicht mehr möglich ist. Über so viel Dummheit freut sich natürlich Putin.

Und deshalb hat er an allem Schuld.

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