Archiv für März, 2014

Mir schmerzt

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , , , on 25. März 2014 by arnarscho

Wenn ich mir anschaue, was in der Ukraine gerade so abläuft, und im Gegensatz dazu die offizielle, vom Propagandaministerium freigegebene Hetzerei Berichterstattung in den deutschen Medien lese, kriege ich Schmerzen, die sich fast schon physisch äußern.

In der Ukraine wurde jetzt mit freundlicher Unterstützung des werteorientierten Westens eine faschistische Regierung an die Macht geputscht, die auch noch hofiert wird, weil der Feind unseres Feindes (zur Erinnerung: die pösen Russen) ja wohl unser Freund sein muss.
Mit dem längerfristigen Ziel der NATO, in Sewastopol einen Schutzschirm gegen iranische Atomraketen, die genauso realistisch sind wie irakische Massenvernichtungswaffen, zu installieren.

Russland wurde im letzten Jahrhundert zweimal vom Westen angegriffen und sieht jetzt schon wieder die Raketen näherrücken.
Dass es das im eigenen Interesse nicht zulassen kann, und deshalb irgendwann reagieren muss, war in diesem Spiel von vorneherein eingeplant, wurde uns aber nicht explizit mitgeteilt.
Geplant war wahrscheinlich massives Blutvergießen, welches dann ein Einschreiten der westlichen Wertegemeinschaft rechtfertigt hätte.
So wie damals im Kosovo.

Eindeutig nicht geplant war hingegen, dass sich Putin innerhalb eines Wochenendes mal schnell die Krim schnappt, und zwar mit Zustimmung des Volkes und ohne großes Blutvergießen.
Weshalb jetzt alle vor Wut schäumen.

Tempogewinn nennt man das im Schachspiel, wenn der Gegner bei der Eröffnung einen Fehler macht, den man dann für die eigene Entwicklung nutzen kann.
Der Fehler in der Eröffnung bestand darin, die Faschisten in die sog. Übergangsregierung zu holen, die dann als erstes mal nichts Wichtigeres zu tun hatten, als die russische Sprache als zweite Amtssprache zu verbieten.
Ja, ich weiß, sie wurden von ihren Sponsoren zwar zurückgepfiffen, aber nicht abgesetzt.

Weil sie noch benötigt werden.

Hat sich schon mal jemand Gedanken gemacht, wie diese sog. Übergangsregierung eigentlich zustande kam?
Interessanterweise entspricht sie genau dem, was Victoria („Fuck the EU“) Nuland neulich mit ihrem Botschafter besprochen hat: Jazenjuk wird Premier, Klitschko bleibt außen vor und die EU wird gef!ckt, weil sie, und nicht Amerika, unter den Folgen zu leiden haben wird.

Unter den Folgen, dass jetzt wieder eine Regierung mit faschistischer Beteiligung in Europa an der Macht ist. Denn die Faschos haben die Drecksarbeit die ganze Zeit ja nicht umsonst gemacht.
Und erhalten als Dank u.a. das Verteidigungsministerium, die Geheimdienste und die Generalstaatsanwaltschaft. Drei unsensible Bereiche, die man ruhig den Faschos überlassen kann. Da können sie nichts groß anstellen.

Dann haben sie auch noch einen Vertreter im Ausschuss für Pressefreiheit, der ja mittlerweile eine gewisse Bekanntheit erlangt hat, weil er Pressefreiheit als „Fresse breit hau“ verstanden hat, und auch noch so dumm war, das auf YouTube hochzuladen.
Als Beweis seiner grenzenlosen Dummheit.

Aber wirklich fassungslos macht mich unsere Qualitätsjournallie, die statt aufzuschreien – schließlich wurde ja ein Journalist verprügelt – den Fall auch noch verharmlost.
Besonders perfide war der Bericht im SPON, in dem es am Ende heißt:

Gäbe es ihn nicht schon – der Kreml müsste einen Mann wie Miroschnitschenko erfinden.

Statt gegen die Faschos anzuschreiben, wird hier unterschwellig noch mal eben schnell Putin diffamiert.

Und wozu brauchen wir jetzt diese Faschisten?

Ganz einfach, weil sie russenfeindlich sind. Sie sollen in der Ukraine eine Progrom-Stimmung hervorrufen, bis es zum Blutbad kommt, die der Westen ja immer gerne inszeniert.
Dann muss Russland zwangsläufig im Osten der Ukraine einschreiten, sprich einmarschieren, eine „unglaubliche“ „Aggression“, auf die die westliche „Wertegemeinschaft“ „entschlossen“ und „glaubhaft“ reagieren muss.
Und Uschi, die es ja anscheinend kaum erwarten kann, darf dann ihre Kinder marschieren lassen. Praktischerweise können ja die Truppen, die wir demnächst aus Afghanistan abziehen, in der Ukraine eine Zwischenlandung machen.

Und dann gibt es noch folgendes, nicht sonderlich originelle, aber immer wieder bewährte Szenario:

Diese Übergangsregierung ist ja von niemandem außer von Frau Nuland und ihren dunklen Hintermännern ausgehandelt worden.
Faschisten sind aber meist nicht sonderlich demokratisch eingestellt und geben ihre Macht nur ungern ab. Wahlen mögen sie auch nicht wirklich.
Wie also verhindern, dass sie demnächst abgewählt werden?
Ganz einfach: indem gar nicht mehr gewählt wird.

Dazu braucht man nur so etwas wie einen Reichtagsbrand zu inszenieren, woraufhin der nationale Notstand ausgerufen wird, während dieser Zeit, die mitunter sehr lange dauern kann, verfassungsgemäß keine Wahlen stattfinden.

Dann haben es die Friedensnobelpreisträger Obama und EU mit geeinter Kraft geschafft, Faschismus und Krieg zurück nach Europa zu bringen. Und ganz vorn wieder mit dabei: mir schmerzt bei dem Gedanke.

Soweit meine bescheidene Meinung.

Aus Gründen der political correctness möchte ich aber auch noch die andere Seite zu Wort kommen lassen: Ewald Stadler, ein stramm konservativer, also keiner kommunistischen Umtriebe verdächtiger, österreichischer Abgeordneter im EU-Parlament, der als Wahlbeobachter neulich auf der Krim war.

Sehr empfehlenswert, der Mann scheint zu wissen, wovon er spricht:

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