Wenn der Linke plötzlich der Gute ist

Ich lach mich schlapp.
Angesichts der illustren Truppe, die sich heute in Italien um das Amt des Premierministers bewirbt, ist ja eine gewisse Panik in Europa zu verzeichnen.
Da Monti Goldman Sachs keine Chancen hat, hoffen jetzt alle, dass der Sozialist, ääh, pardon, Sozialdemokrat Bersani das Rennen macht.
Das muss man sich auf der Zunge zergehen lassen: ein Sozi ist die letzte Hoffnung der Euro-Zone. Neulich bei den Wahlen in Frankreich klang das noch ganz anders.
Hoch die internationale Solidarität!

Möglich gemacht hat das die Ex-Sozialistin Merkel mit ihrer Kahlschlagpolitik. Allerdings scheint es einige in ihrem Kabinett zu geben, die die Sozis verhindern wollen und sich lieber wieder Berlusconi an der Spitze wünschen. Anders kann ich mir das nicht vorstellen, dass z.B. Schäuble und Westerwelle Wahlempfehlungen an die Italiener richten. Oder sind die wirklich so bescheuert, dass sie glauben, die Italiener würden die Empfehlungen ihrer Folterknechte mit Begeisterung annehmen?
Das Gegenteil dürfte doch eher der Fall sein.

Merkel scheint sich ja diesbezüglich etwas zurückzuhalten, offensichtlich hat sie aus der Frankreichwahl gelernt.

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7 Antworten to “Wenn der Linke plötzlich der Gute ist”

  1. Die ARD sagt, ich und Europa würden mit Monti zittern. Für Europa kann ich nicht urteilen, aber ich zittere sicher nicht. Eigentlich wünsche ich mir den Berlusconi zurück. Nicht nur weil wir dann wieder was zum lachen und aufregen haben, sondern auch um den Zusammenbruch zu beschleunigen.

    So ein Mafia-Präsident mit kurzen Schw*** und übergroßen Ego ist geradezu prädestiniert, den ökonomischen und sozialen Kartenhäusern unserer Gesellschaften genau den Kick zu geben, der sie endgültig einstürzen lässt. Wackeln tun sie ja schon längst.

    • Wie, du zitterst nicht?
      Ach so, Dänemark ist ja nicht im Euroland!

      Also ich bin eher für den Grillo (lat.: ich grille), der bringt vielleicht mal ein paar neue Späße in die Politik, schließlich ist er Profi auf seinem Gebiet. Denn die abgedroschenen Sprüche von Brüderle Berlusconi kennen wir ja nun schon zu Genüge.

      Und auf den Euro dürfte er den gleichen Einfluss haben. Denn eines ist klar: der Merkel-Euro hat keine Zukunft, oder wenn, dann nur eine faschistische.
      Und wenn man nach Griechenland oder Spanien blickt, kann keiner behaupten, das hätte man nicht kommen sehen.

      Schade eigentlich, mit ein bisschen ökonomischem Sachverstand in Deutschland hätte es auch anders laufen können.

      • Na ja, die Dänische Krone ist wohl an den Euro gekoppelt. Wenn es knallt kommen auch die Nachfahren der Wikinger und ich nicht ungeschoren davon.

        Ich lese da immer so einen Newsletter von einem europäischen Think Tank (Link am Ende) und die glauben, dass der Dollar baden geht, seinen Status als globale Leitwährung verliert und der Euro seinen Platz einnimmt. Sie sagen, dass das noch in diesem Jahr passiert, weil da einiges darauf hindeutet. Ich fasse mal kurz zusammen, was die so von sich geben.

        Weder politisch noch wirtschaftlich sind die USA stark genug, dem Dollar weiterhin die Rolle als globale Leitwährung zu sichern. Immer öfter wird versucht, den Dollar von Öllieferungen abzukoppeln, was die Amis vehement zu verhindern versuchen. Obendrauf kommt die enorme Verschuldung des Landes, die Fiskalklippe im März und die Unfähigkeit der Politik, notwendige und radikale Reformen anzugehen. Spätestens im März, wenn die Fiskalklippe kommt, werden die Amis Probleme bekommen, ihre Staatsanleihen zu verscherbeln. Das hätte eine Zinsanhebung und ein Hochschnellen der Verschuldung zur Folge, die realistisch betrachtet niemals wieder zurückgezahlt werden kann. Der Dollar muss zusammenbrechen, weil die Amerikaner sonst nie und nimmer ihre Schulden los werden. Die Frage wird nur sein, ob sie einen kontrollierten Zusammenbruch hinbekommen oder nicht.

        Die von den USA abhängingen Länder verusuchen die Amis (noch) zu stützen, weil ein Zusammenbruch der USA auch massive Folgen für sie selbst hätte. Aber längst arbeiten sie an Alternativen und Strategien, um sich im Moment des Zusammenbruchs von den alten Abhängigkeiten zu lösen und selbst den Supermachtstatus zu übernehmen. Alle, Politik, Gläubiger und Spekulanten warten auf den bestmöglichen Absprungszeitpunkt.
        Euroland nutzt die Zeit zur institutionellen Festigung, während China seine Dollarreserven in die Infrastruktur anderer Länder steckt, die sicherlich einen größeren Wert repräsentieren werden als die Dollarscheine, wenn der Dollar erst zusammen gebrochen sein wird.

        Lieber Arno, Du siehst an der Länge des Textes, dass ich heute einen freien Tag habe. Ich könnte noch 12 Absätze zusammenfassen, aber ich mag nicht mehr. Die „Think Tanker“ führen noch aus, welche anderen Probleme (z.B. Großbritannien und Japan) das Pulverfass entzünden könnten und wer welche Chancen nutzen wird. Lies es Dir einfach mal durch, es ist in höchstem Maße interessant.

        Ich selbst möchte noch anmerken, dass ich glaube, dass die Amerikaner durch den Zusammenbruch einen sehr gewaltvollen Bürgerkrieg erleben werden. Jedes Arschloch hat eine Waffe oder ein ganzes Arsenal, die Behörden rüsten auf und wie Fefe verlinkte, haben die nicht nur jede Menge Gewehre gekauft, sondern auch xy Milliarden Schuss Munition, sodass auf jeden Amerikaner 5 Patronen kommen. Das Land ist gesellschaftlich tief gespalten und die An- und Weltsichten seiner Bürger sind beinahe durchweg recht einfach gestrickt. Es ist genau diese Mischung, die Kriege macht.

        Und nochmal zurück zum Berlusconi, wenn ich grad einmal am Nachdenken bin. Der Typ wird, sollten die Italiener so doof sein ihn schon wieder zu wählen, zur politischen und gesellschaftlichen Lachnummer. Im Zweifel wird Euroland seine Kosten-Nutzen-Analyse hervorholen und Italien aus dem Euro-Raum rausschmeißen. Das wäre natürlich katastrophal für Italien (oder eine Chance mit abgewerteter Lira?), aber wie eine alte Investorenweisheit sagt, ist es besser einen Verlust zu realisieren und hinzunehmen, als ihn weiter zu erhöhen, indem man gutes Geld schlechtem Geld hinterher wirft.

        Wie dem auch sei, es wird spannend. Aber ich habe Hoffnung, dass wir hier in Nordeuropa (da zähle ich Deutschland mit dazu) recht ungeschoren davon kommen und keine unmittelbare Gewalt erleben werden. Ich hoffe das sehr, auch wenn ich mir dabei wie ein Egoschwein vorkomme.

        http://www.leap2020.eu/GEAB-N-71-ist-angekommen-USA-Marz-bis-Juni-2013-Ende-der-lebenserhaltenden-MaSnahmen-für-den-kranken-Mann-der-Welt_a13071.html

        Arno, ich wünsch Dir was! Und freue mich, dass Du wieder schreibst. ;o)

  2. Noch ein kleiner Nachtrag zur us-amerikanischen Rezeptur für einen Bürgerkrieg.

    http://m.heise.de/tp/artikel/38/38624/1.html?from-classic=1

    Da fällt mir echt nix mehr ein…. ;o(

    • Hallo Olaf,

      ich muss leider arbeiten heute, deshalb kann ich nicht soooo viel schreiben. Die monatlichen Newsletter des LEAP verfolge ich auch seit einiger Zeit und war erst mal überrascht von der Deutlichkeit, mit der die schreiben. Allerdings finde ich sie bzgl. Europa etwas unkritisch. Na ja, ist halt ein europäischer Think Tank. Bin mal gespannt, ob sie recht behalten.

      Die USA bereiten sich anscheinend tatsächlich auf einen Bürgerkrieg vor, dazu passt auch die folgende Nachricht, dass die FEMA landesweit Lager einrichten lässt, Millionen Essensrationen und eine unbekannte Anzahl Leichensäcke bestellt hat.

      Siehe hier: http://www.luftpost-kl.de/luftpost-archiv/LP_11/LP24111_191211.pdf

      • Macht nix, Arno, heute musste ich auch schon wieder… ;o)

        Das mit den Lagern erschüttert mich dann doch noch ganz ordentlich. Aber nüchtern betrachtet ist es nur die logische Konsequenz.

        Ich bin auch gespannt ob die von LEAP recht behalten oder nicht. Wie schon gesagt, ich hoffe es für uns. Aber irgendwer wird die Rechnung bezahlen und ins Gras beissen müssen.

  3. Meine Hoffnung gründet sich u.a. darauf, dass die Behörden im entscheidenden Moment versagen. Du weißt ja, dort arbeiten die BESTEN der BESTEN der BESTEN!!1!

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