Was das Volk von Monopoly lernen könnte

Oder: Wieso ein Schuldenerlass den Wohlstand aller vermehrt.

Jeder, der schon mal Monopoly gespielt hat, kennt den typischen Spielverlauf: alle starten mit gleicher Kapitalausstattung, aber am Schluss bleibt nur einer übrig, die andern gehen nach und nach bankrott.
Das Spiel ist sozusagen ein Abbild des Kapitalismus.

Es gibt ein Startkapital und in jeder Runde erhält jeder Spieler zusätzlich 2000 Euro. Das ist im Prinzip das Wirtschaftswachstum. Bei vier Spielern erhöht sich also der allgemeine Wohlstand in jeder Runde um 8000 Euro.

Nachdem dann alle Ressourcen zwischen den Spielern aufgeteilt sind, kristallisiert sich auch schnell der erste Verlierer heraus: nämlich der, der die wenigsten Ressourcen ergattern konnte.
Nachdem er ausgeschieden ist, sozusagen Hartz4 bekommt, erhöht sich der Wohlstand der restlichen Spieler nur noch um 6000 Euro pro Runde.

Man kann das Spiel jedoch auch dahingehend abändern, dass die andern Spieler dem Pleitekandidaten einen Kredit vergeben, den er dann in jeder Runde von seinem Gehalt abstottert.
Aber warum sollten sie das tun, wo doch abzusehen ist, dass er demnächst wieder pleite geht, womöglich noch bevor er seinen Kredit komplett abbezahlt hat?
Nun ganz einfach: wenn er wieder pleite geht, haben die andern Spieler ihr Geld ja auch wieder zurück, evtl. etwas anders verteilt. Und nicht nur das, sie erhalten sogar mehr zurück, weil der Spieler ja in jeder Runde den allgemeinen Wohlstand um 2000 Euro erhöht.

Die drei andern Spieler können also ihren eigenen Wohlstand allein dadurch vermehren, dass sie den Pleitekandidaten mitspielen lassen und ihm regelmäßig nicht nur seine Restschulden erlassen, sondern ihm sogar wieder einen neuen Kredit vergeben, von dem sie genau wissen, dass er nie komplett abbezahlt wird.

Diese Sichtweise ist vollkommen konträr zur egoistischen Perspektive der schwäbischen Hausfrau und nennt sich Makroökonomie.

Probleme lösen durch Kooperation, statt Konfrontation, ist zum Vorteil aller. Aber für diese simple Erkenntnis bräuchte man nicht nur andere Politiker, sondern auch ein anderes Volk.
Erstere könnte man ja noch wählen, letzteres jedoch nicht!

Advertisements

5 Antworten to “Was das Volk von Monopoly lernen könnte”

  1. >Aber für diese simple Erkenntnis bräuchte man nicht nur andere Politiker, sondern auch ein anderes Volk.
    Erstere könnte man ja noch wählen, letzteres jedoch nicht!<

    Da letzteres nicht änderbar ist, wird sich politisch auch nichts ändern. Und Wahlen haben sowieso noch nie was geändert.

    Und somit bekommen Volk und Politik was sie verdienen – eine neue Runde Monopoly…

  2. fragt sich halt, wer „im echten Leben“ rundenweise neues Geld verteilt. Wenn das eine gelddruckende Bank wäre, würde das in die Inflation und keineswegs zu mehr Wohlstand führen…

    • Das haben wir ja heute schon. Die EZB „druckt“ immer soviel frisches Geld, wie benötigt wird. Das Problem ist ja, dass von diesem Geld nicht mehr so viel unten ankommt.
      Neulich habe ich gelesen, dass die Deutschen für ein Bier heute genauso lange arbeiten müssen wie 1990. Wenn man aber bedenkt, dass sich die Arbeitsproduktivität seitdem mindestens verdoppelt hat, müsste es heute eigentlich die halbe Zeit sein. Doch dieser Gewinn ist nie unten angekommen. Statt dass alle weniger arbeiten, haben wir heute die absurde Situation, dass einige noch mehr arbeiten, während andere nicht mehr mitspielen dürfen und staatlich zwangsverwaltet werden. Da die Produktivität aber weiter zunimmt, wird dieses Spiel früher oder später im Ruin enden, denn die Wirtschaft funktioniert nur, wenn das Geld am zirkulieren ist, also nicht nur nach oben wandert, sondern auch wieder nach unten.

      • Ich denke mir schon länger, das Geld mit Ablaufdatum massiv zur Lösung dieses Problems beitragen könnte. Die Hälfte deines Gehalts sowie 75% der Kapitalertragszinsen werden in einer zeitgebundenen Währung ausgezahlt, die nach 1 Jahr nur noch sagen wir 76% wert ist, nach 2 Jahren nur noch 50% etc.

        Damit MÜSSTE man dieses Geld so schnell wie möglich wieder dem Kreislauf zukommen lassen.

        Hach ja, manchmal habe ich auch meine utopischen Momente…

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s