Das deutsche Geschäftsmodell

Das deutsche Geschäftsmodell beruht ja bekanntermaßen auf Exportüberschüssen. Also wir verkaufen der Welt mehr, als wir selber einkaufen. Oder auf gut deutsch: wir leben davon, dass andere Schulden machen und bei uns einkaufen. Man könnte jetzt einwenden, dass die ja keine Schulden machen müssten, sind ja selber schuld! Zum einen könnten sie dann aber nicht so viel bei uns einkaufen, zum andern – und das ist viel wichtiger – entstehen bei internationalen Geschäften immer Schulden.

Nehmen wir mal an, ich will mir einen VW Golf kaufen. Kostet 20.000€. Weil ich die bereits gespart habe, überweise ich das Geld an VW, erhalte meinen Golf und wir sind quitt.
Jetzt will aber ein Amerikaner einen Golf in Deutschland kaufen, und hat das Geld – umgerechnet 25.000$ – ebenfalls gespart. Seine Bank überweist dann die Dollars an eine deutsche Bank, die sie in Euro umtauscht und an VW weiterleitet.
VW erhält somit die 20.000€, der Kunde sein Auto und beide sind ebenfalls quitt, aber zusätzlich hat diese deutsche Bank jetzt noch eine Forderung von 25.000$ an die USA, die Amis haben damit Schulden bei uns, obwohl der Käufer des Wagens gar keinen Kredit aufgenommen hat.
Wir, die wir angeblich so gegen das Schuldenmachen sind, leben also davon, dass andere bei uns Schulden machen.

Dadurch verdienen wir Deutschen eine Menge Geld.
Alle Deutschen? Nein!

Das ist ja gerade der Erfolg dieses Geschäftsmodells. Er beruht darauf, dass der deutsche Arbeiter nicht mehr verdient als ein chinesischer Wanderarbeiter und der Binnenmarkt dadurch schwach bleibt. Wenn aber im Inland nichts zu investieren ist, muss das ganze eingenommene Geld wieder im Ausland investiert werden – meist als Kredit. Dadurch können wir doppelt verdienen.
An den Griechen zum Beispiel, die deshalb jetzt „Pleite-Griechen“ genannt werden.

Bei diesem Spielchen sind die Lasten klar verteilt, wie man sieht: die einen verdienen, die andern bezahlen. Und die Dummen erarbeiten das Ganze. (Ich muss jetzt nicht extra erwähnen, wer die Dummen sind?)

Ich tu’s trotzdem: die Dummen sind die, die glauben, Exportweltmeister wäre so etwas wie Fußballweltmeister, ein Titel, den man stolz vor sich her tragen könnte.

Dabei ist es genau umgekehrt: andauernde Exportüberschüsse sind so ziemlich das Dümmste, was eine Volkswirtschaft anstellen kann.

Keine Gesellschaft braucht nämlich Exportüberschüsse. Exportieren muss man zwar schon, das ist klar, man will ja auch importieren, z.B. Erdöl oder Olivenöl.
Idealerweise exportiert eine Gesellschaft deshalb genau so viel, wie sie auch importieren will oder muss, die sogenannte ausgeglichene Handelsbilanz. Das sollte sogar die viel zitierte schwäbische Hausfrau kapieren.

Wenn man unter dieser Voraussetzung aber mehr exportiert als importiert, heißt das ja, dass man seine Ware unter Preis verkauft und unter seinen Verhältnissen lebt. Keine schwäbische Hausfrau würde das tun.

Exportüberschüsse sind deshalb ein sicheres Zeichen, dass die Arbeiter zu wenig verdienen, und nicht, wie Merkel behauptet, dass alle anderen auf der Welt – China natürlich ausgenommen – zuviel verdienen. Zu ihrer Verteidigung sei aber berücksichtigt, dass Merkel im real existierenden Sozialismus sozialisiert wurde und es somit als Teil der Staatsräson empfindet, dass Menschen nicht viel verdienen. Daher übrigens auch ihr Vorbild China, das Land, das uns den Weltmeistertitel abgenommen hat.

Aber es ist doch gut, wenn wir dauerhaft mehr exportieren? Dann sind die andern zwar irgendwann arm, aber wir sind reich, oder?

Dazu hätte ich zwei Gegenfragen: Wollen wir wirklich, dass unsere Kunden auf Dauer verarmen und sich unsere Produkte nicht mehr leisten können?
Und wer genau wird reich hierzulande, die Arbeiter sind es ja offensichtlich nicht?

Und was passiert eigentlich mit dem vielen Geld, das „wir“ da verdienen?

Nun, diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: es fließt ins Ausland, um dort unsere Rente zu sichern. Wenn das Ausland nämlich viel bei uns kauft, braucht es auch viel Geld und deshalb wandert unser (nicht) eingenommenes Geld dorthin, wo es nachgefragt wird, also wo Schulden gemacht werden. Nach Griechenland, Spanien, usw, na, Sie wissen schon, all die Länder, die mit uns gehandelt haben und jetzt bankrott sind.

Dort sichern wir unsere Altersvorsorge! Das ist jetzt ausnahmsweise mal kein schlechter Witz von mir, sondern von solchen Starökonomen wie Hans-Werner Sinn, die es tatsächlich für sinnvoll erachten, dass wir unsere Rente im Ausland anlegen, weil wir eine schrumpfende Gesellschaft sind. Deutschland schafft sich ab, und so. Als gäbe es keinen Produktivitätszuwachs und als wäre die nächste Generation nicht in der Lage, für alle in der Gesellschaft zu sorgen, so wie es schon seit Jahrtausenden der Fall ist.
Die Sichtweise des Herrn Sinn macht nur Sinn unter der Voraussetzung, dass der Produktivitätszuwachs der nächsten Jahrzehnte nicht der Bevölkerung zugute kommt, wenn es also weitergeht wie bisher.

Die Zahlungsbilanz für den deutschen Arbeiter sieht damit so aus: der angemessene Lohn, auf den er im Sinne der Exportindustrie verzichtet, wandert ins Ausland und wird dort u.a. in seinen Lebens- und Rentenversicherungen angelegt.
In das gleiche Ausland, das wir durch unsere andauernden Exportüberschüsse in den Bankrott treiben.
Dass das auf Dauer nicht gut endet, sollte jedem klar sein. Und jetzt haben wir den Salat. Jetzt müssen wir halb Europa retten, sonst wird das nichts mit unserer Rente. Und nachdem wir halb Europa „gerettet“ haben – vor allem in der Art und Weise, wie wir das gerade tun – ist die Rente auch pfutsch.

Das ist ja gerade das Bestechende an dem deutschen Geschäftsmodell: die Rente ist auf jeden Fall weg, woanders halt. Aber nicht bei den Griechen, die haben nämlich in unserm Sinne alles richtig gemacht und fleißig bei uns eingekauft.

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