Archiv für Juni, 2012

Endspiel der Pleitestaaten

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , on 30. Juni 2012 by arnarscho

Hurra, der Euro lebt noch, aber was macht Merkel? Hat sie sich schon das Leben genommen, wie sie vor zwei Tagen noch hoch und heilig versprochen hat? Denn auf dem EU-Gipfel wurde genau das beschlossen, was sie neulich kategorisch abgelehnt hat: die gemeinsame Haftung für Schulden.
Damit wird die Halbwertszeit der gebrochenen Versprechen Merkels immer kürzer.

Stützungsaktionen für Staatsanleihen halte ich dabei ja durchaus für sinnvoll, um die Staatsfinanzierung notfalls von den (nicht immer rationalen) Märkten zu entkoppeln. Das hat die EZB ja auch schon in der Vergangenheit getan und damit den Zusammenbruch des Euro bisher verhindert.
Ich würde sogar noch einen Schritt weitergehen und der EZB erlauben, Anleihen direkt am Primärmarkt zu kaufen. Denn ob die Zentralbank den Banken Geld zu 1% verleiht, die damit Staatsanleihen zu 7% erwerben und dann bei der EZB als Sicherheit hinterlegen, oder ob die Zentralbank die Anleihen direkt kauft, macht für die Haftungsfrage keinen Unterschied, wir haften in beiden Fällen gemeinsam. In letzterem Fall kämen jedoch auch die Zinsen der Gemeinschaft zugute und es wäre ein erster Schritt zu einem Vollgeldsystem, bei dem die Geldschöpfung nur der Zentralbank obläge.

Ich gehe dabei aber von der illusorischen Prämisse aus, wir hätten Demokratie und die Politiker handelten im Sinne des Volkes und nicht der Märkte.

Weit gefährlicher sehe ich deshalb die direkte Finanzierung der Banken durch den ESM. Die europäischen Banken haben nämlich weit mehr Schulden angehäuft als die Staaten, konservative Schätzungen gehen von 9 Billionen aus, es könnten aber auch ein paar mehr sein.
Die sind nicht mehr zu retten.

Dass das im ESM, der gestern beschlossen wurde, so auch gar nicht vorgesehen ist, stellt ebenfalls ein Novum dar: Gesetze werden jetzt also schon gebrochen, bevor sie überhaupt ratifiziert worden sind.

Das nennt sich marktkonforme Demokratie und erweckt natürlich das Vertrauen der Märkte, wodurch der Euro nochmal ein bisschen Zeit gewonnen hat. Die Märkte können sich nun dem Dollar oder dem Pfund zuwenden. Dort sieht es nämlich genauso aus.

Die spannende Frage in diesem Endspiel wird deshalb sein: Wer erhält die Medaille, d.h. welche Währung geht als letzte bankrott?
Wetten werden noch entgegengenommen.

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Merkel spielt mit ihrem Leben

Posted in Politik with tags , on 27. Juni 2012 by arnarscho

„Keine Eurobonds, solange ich lebe“, soll sie gesagt haben. Da sollte sie mal aufpassen, die italienische Mafia hat nämlich verständlicherweise auch Interesse an Eurobonds. Und die Infrastruktur, im Weg stehende Politiker zu beseitigen.

Im übrigen, wollte Merkel damit etwa sagen, dass sie bis an ihr Ende Bundeskanzlerin bleiben will? Dann tritt aber GG Art. 20, Absatz 4 in Kraft („wenn andere Abhilfe nicht möglich ist“), um diese Zeit zu verkürzen.
Oder wollte sie ausdrücken, dass sie sich das Leben nimmt, wenn wir sie nicht mehr wählen?
Das wäre allerdings DIE Chance für eine Endlösung des Problems Merkel.

Mal sehen, ob sie wenigstens dieses eine Mal hält, was sie verspricht.

Das deutsche Geschäftsmodell

Posted in Gesellschaft, Wirtschaft with tags , , , , , on 25. Juni 2012 by arnarscho

Das deutsche Geschäftsmodell beruht ja bekanntermaßen auf Exportüberschüssen. Also wir verkaufen der Welt mehr, als wir selber einkaufen. Oder auf gut deutsch: wir leben davon, dass andere Schulden machen und bei uns einkaufen. Man könnte jetzt einwenden, dass die ja keine Schulden machen müssten, sind ja selber schuld! Zum einen könnten sie dann aber nicht so viel bei uns einkaufen, zum andern – und das ist viel wichtiger – entstehen bei internationalen Geschäften immer Schulden.

Nehmen wir mal an, ich will mir einen VW Golf kaufen. Kostet 20.000€. Weil ich die bereits gespart habe, überweise ich das Geld an VW, erhalte meinen Golf und wir sind quitt.
Jetzt will aber ein Amerikaner einen Golf in Deutschland kaufen, und hat das Geld – umgerechnet 25.000$ – ebenfalls gespart. Seine Bank überweist dann die Dollars an eine deutsche Bank, die sie in Euro umtauscht und an VW weiterleitet.
VW erhält somit die 20.000€, der Kunde sein Auto und beide sind ebenfalls quitt, aber zusätzlich hat diese deutsche Bank jetzt noch eine Forderung von 25.000$ an die USA, die Amis haben damit Schulden bei uns, obwohl der Käufer des Wagens gar keinen Kredit aufgenommen hat.
Wir, die wir angeblich so gegen das Schuldenmachen sind, leben also davon, dass andere bei uns Schulden machen.

Dadurch verdienen wir Deutschen eine Menge Geld.
Alle Deutschen? Nein!

Das ist ja gerade der Erfolg dieses Geschäftsmodells. Er beruht darauf, dass der deutsche Arbeiter nicht mehr verdient als ein chinesischer Wanderarbeiter und der Binnenmarkt dadurch schwach bleibt. Wenn aber im Inland nichts zu investieren ist, muss das ganze eingenommene Geld wieder im Ausland investiert werden – meist als Kredit. Dadurch können wir doppelt verdienen.
An den Griechen zum Beispiel, die deshalb jetzt „Pleite-Griechen“ genannt werden.

Bei diesem Spielchen sind die Lasten klar verteilt, wie man sieht: die einen verdienen, die andern bezahlen. Und die Dummen erarbeiten das Ganze. (Ich muss jetzt nicht extra erwähnen, wer die Dummen sind?)

Ich tu’s trotzdem: die Dummen sind die, die glauben, Exportweltmeister wäre so etwas wie Fußballweltmeister, ein Titel, den man stolz vor sich her tragen könnte.

Dabei ist es genau umgekehrt: andauernde Exportüberschüsse sind so ziemlich das Dümmste, was eine Volkswirtschaft anstellen kann.

Keine Gesellschaft braucht nämlich Exportüberschüsse. Exportieren muss man zwar schon, das ist klar, man will ja auch importieren, z.B. Erdöl oder Olivenöl.
Idealerweise exportiert eine Gesellschaft deshalb genau so viel, wie sie auch importieren will oder muss, die sogenannte ausgeglichene Handelsbilanz. Das sollte sogar die viel zitierte schwäbische Hausfrau kapieren.

Wenn man unter dieser Voraussetzung aber mehr exportiert als importiert, heißt das ja, dass man seine Ware unter Preis verkauft und unter seinen Verhältnissen lebt. Keine schwäbische Hausfrau würde das tun.

Exportüberschüsse sind deshalb ein sicheres Zeichen, dass die Arbeiter zu wenig verdienen, und nicht, wie Merkel behauptet, dass alle anderen auf der Welt – China natürlich ausgenommen – zuviel verdienen. Zu ihrer Verteidigung sei aber berücksichtigt, dass Merkel im real existierenden Sozialismus sozialisiert wurde und es somit als Teil der Staatsräson empfindet, dass Menschen nicht viel verdienen. Daher übrigens auch ihr Vorbild China, das Land, das uns den Weltmeistertitel abgenommen hat.

Aber es ist doch gut, wenn wir dauerhaft mehr exportieren? Dann sind die andern zwar irgendwann arm, aber wir sind reich, oder?

Dazu hätte ich zwei Gegenfragen: Wollen wir wirklich, dass unsere Kunden auf Dauer verarmen und sich unsere Produkte nicht mehr leisten können?
Und wer genau wird reich hierzulande, die Arbeiter sind es ja offensichtlich nicht?

Und was passiert eigentlich mit dem vielen Geld, das „wir“ da verdienen?

Nun, diese Frage ist ganz einfach zu beantworten: es fließt ins Ausland, um dort unsere Rente zu sichern. Wenn das Ausland nämlich viel bei uns kauft, braucht es auch viel Geld und deshalb wandert unser (nicht) eingenommenes Geld dorthin, wo es nachgefragt wird, also wo Schulden gemacht werden. Nach Griechenland, Spanien, usw, na, Sie wissen schon, all die Länder, die mit uns gehandelt haben und jetzt bankrott sind.

Dort sichern wir unsere Altersvorsorge! Das ist jetzt ausnahmsweise mal kein schlechter Witz von mir, sondern von solchen Starökonomen wie Hans-Werner Sinn, die es tatsächlich für sinnvoll erachten, dass wir unsere Rente im Ausland anlegen, weil wir eine schrumpfende Gesellschaft sind. Deutschland schafft sich ab, und so. Als gäbe es keinen Produktivitätszuwachs und als wäre die nächste Generation nicht in der Lage, für alle in der Gesellschaft zu sorgen, so wie es schon seit Jahrtausenden der Fall ist.
Die Sichtweise des Herrn Sinn macht nur Sinn unter der Voraussetzung, dass der Produktivitätszuwachs der nächsten Jahrzehnte nicht der Bevölkerung zugute kommt, wenn es also weitergeht wie bisher.

Die Zahlungsbilanz für den deutschen Arbeiter sieht damit so aus: der angemessene Lohn, auf den er im Sinne der Exportindustrie verzichtet, wandert ins Ausland und wird dort u.a. in seinen Lebens- und Rentenversicherungen angelegt.
In das gleiche Ausland, das wir durch unsere andauernden Exportüberschüsse in den Bankrott treiben.
Dass das auf Dauer nicht gut endet, sollte jedem klar sein. Und jetzt haben wir den Salat. Jetzt müssen wir halb Europa retten, sonst wird das nichts mit unserer Rente. Und nachdem wir halb Europa „gerettet“ haben – vor allem in der Art und Weise, wie wir das gerade tun – ist die Rente auch pfutsch.

Das ist ja gerade das Bestechende an dem deutschen Geschäftsmodell: die Rente ist auf jeden Fall weg, woanders halt. Aber nicht bei den Griechen, die haben nämlich in unserm Sinne alles richtig gemacht und fleißig bei uns eingekauft.

Die guten Griechen

Posted in Gesellschaft, Politik, Wirtschaft with tags , , on 18. Juni 2012 by arnarscho

Schon erstaunlich, wenn man heute morgen so die Schlagzeilen liest. „Lob aus Europa“ heißt es da, und „Erleichterung an den Märkten“. Denn eigentlich müssten die Schlagzeilen doch lauten: „Faule Griechen machen weiter wie bisher“.
Sie haben wieder die alten, korrupten Parteien an die Macht gewählt, mit dem einzigen Unterschied, dass der neue designierte Ministerpräsident vor ein paar Monaten noch gegen die Sparpakete war.
Ein klassischer Wendehals also, aber mit solchen Leuten können unsere Politiker vertrauensvoll zusammenarbeiten. Deshalb geht plötzlich ja auch, was letzte Woche noch sozialistisches Teufelszeug war: dass den Griechen erlaubt wird, die Reformen zeitlich zu strecken.

Was so ein linkes Schreckgespenst doch alles erreichen kann.

Aber nun wird alles gut – vorausgesetzt, Griechenland verliert im Viertelfinale gegen Deutschland, denn es kann ja wohl kaum sein, dass wir für Griechenland zahlen und die uns aus der EM rauswerfen. Könnte da Merkel vielleicht nochmal intervenieren? Man könnte ja von den Rettungsmilliarden ein paar Milliönchen für die griechischen Spieler abzweigen.
So faul und korrupt wie die sind, müsste da doch was zu machen sein.

Politiker aller Länder: verpisst euch

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , on 17. Juni 2012 by arnarscho

Alle Welt starrt heute gebannt auf Griechenland, als ob dieses kleine Land der wichtigste Faktor in der Weltwirtschaft wäre. Als ob dieser Wahlausgang wichtiger als die nächste Präsidentschaftswahl in den USA wäre.
Dabei könnten die meisten, die da weltweit starren, das Land auf dem Globus ohne Hilfe von Google-Earth wahrscheinlich noch nicht einmal identifizieren. Irgendwo in Europa, das hat sich mittlerweile herumgesprochen.

Für die Finanzelite steht auch schon fest, wer die Wahl gewinnen muss: die etablierten, korrupten Parteien, da sie immerhin in der Vergangenheit bewiesen haben, dass man mit ihnen gute Geschäfte machen kann. Denn Zuverlässigkeit ist wichtig in diesen stürmischen Zeiten.

Aber für alle Fälle wird Griechenland schon mal als Sündenbock hochstilisiert, denn irgendjemand muss ja für die sich abzeichnende Weltwirtschaftskrise verantwortlich sein.

Politiker aus den andern Ländern haben nämlich alles richtig gemacht, z.B. bei der Spanien-Rettung. Erst hat die EZB eine Billion billiger Kredite an die europäischen Banken vergeben, damit sie Staatsanleihen ihrer jeweiligen Länder kaufen, die jetzt aber leider nichts mehr wert sind, weshalb nun die bankrotten Staaten ihre bankrotten Banken retten müssen, damit die wieder faule Staatsanleihen kaufen können.

Das nennt sich dann sinnvolle Politik zum Wohle des Steuerzahlers.

Ich kann daraus nur einen Schluss ziehen: kompletten Realitätsverlust seitens der Politik. Weltweit.
Die Welt ist deshalb nur noch zu retten, wenn alle Politiker gemeinsam abdanken.
Und zwar weltweit.

Wieso der Euro nicht aus Griechenland austreten kann

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , on 10. Juni 2012 by arnarscho

Jetzt mal fern ab von allen ökonomischen Betrachtungen ist mir das gestern beim Einkaufen aufgefallen, als ich mit einem 20-Euro-Schein bezahlte.
Schaut euch mal einen Euro-Schein an.

Außer der Währungsbezeichnung „EURO“ ist dort auch noch „EYPO“ aufgedruckt. Das ist Griechisch!
Wenn wir jetzt aber Griechenland aus dem Euro rausekeln, wird der Euro das einzige Zahlungsmittel sein, das je existiert hat, das seine Währung in einer fremden Sprache kennzeichnet.

Ein geradezu lächerlicher Zustand, der, weil er den zerrissenen Zustand der Europäischen Union offenbart, so nicht erhalten bleiben dürfte.
Also müssten neue Geldscheine her.

Natürlich könnte die Korrektur minimal ausfallen, aber neue Geldscheine kann man nicht einfach so unter der Hand einführen.
Dazu müssen Staatsverträge geändert werden, die EZB müsste die neuen Geldscheine als offizielles Zahlungsmittel ausrufen, Banken müssten Broschüren auslegen und Zeitungen die neuen Scheine abdrucken.

Es müsste also ein Riesenaufwand getrieben werden, nachdem man ein kleines Land aus dem Euro geworfen hat. Könnte aber auch sein, dass der Aufwand dann gar nicht mehr nötig wird.