Archiv für April, 2012

Schrecklich: Bayern veröffentlicht „Mein Kampf“

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , on 25. April 2012 by arnarscho

Nachdem ich grade meinen Artikel über die Piraten und die NSDAP geschrieben habe, lese ich im SPON, dass Bayern jetzt tatsächlich plant, eine kommentierte Ausgabe von „Mein Kampf“ herauszugeben. Darüber regt sich natürlich keiner auf, außer mir. Sie machen das nämlich auch nur, weil ihre Urheberrechte 70 Jahre nach Tod des Künstlers, also Ende 2015 ablaufen.

Ja, Bayern hat das Vermögen Hitlers geerbt, eine Tatsache, die sich nur schwerlich leugnen lässt.

Dass sie aber erst jetzt, und nicht schon vor 60 Jahren, ein Schulbuch herausbringen wollen, verwundert schon.
Ich wollte das Werk (unkommentierte Originalausgabe) auch mal lesen, bin aber bereits nach wenigen Seiten gescheitert, weil ich mir diesen geistigen Dünnschiss nicht mehr antun konnte. Das war schlimmer als 1000 Piraten im Vollsuff.

Und so frage ich mich natürlich, warum dieses entlarvende Werk nach Kriegsende nicht mehr veröffentlicht wurde.
Und wie es überhaupt sein kann, dass ein solches Buch von einem, der die ganze Welt ins Verderben gestürzt hat, der Öffentlichkeit vorenthalten werden kann.
Es handelt sich dabei schließlich um ein Zeugnis der Weltgeschichte, wenn auch nicht gerade des schönsten Kapitels.

Auch aus solchen Gründen ist die Reform des Urheberrechts dringend notwendig.
Und mehr Ehrlichkeit im Umgang mit der Geschichte sowieso.

Schrecklich: Piraten entern NSDAP

Posted in Politik with tags , on 24. April 2012 by arnarscho

Da hat der arme Delius mit seinem NSDAP-Vergleich zwar statistisch richtig gelegen, aber politisch leider vollkommen inkorrekt.

Na und?
Zeugt der Vergleich doch von einem wesentlich unverkrampfteren Umgang mit der deutschen Geschichte, als er uns noch eingetrichtert wurde: Das war damals das Böse, das wie eine dunkle Macht über uns gekommen und genauso plötzlich wieder verschwunden ist. Und jetzt schweig!
Für die jüngere Generation ist Hitler eben nicht mehr der Lord Voldemort der deutschen Geschichte, dessen Name nicht genannt werden darf.

Und das ist auch gut so, denn wie wollen wir denn je die Geschichte aufarbeiten, wenn wir nicht darüber reden dürfen? Noch nicht mal diese Frage zu stellen ist ja erlaubt, wie auch schon Martin Walser in den heftigen Reaktionen auf seine „Moralkeulen“-Rede 1998 erfahren musste.

Der Zentralrat der Juden und andere reaktionäre Kräfte scheinen alles daran zu setzen, zu verhindern, dass wir aus der Geschichte jemals etwas lernen, indem sie jeden Vergleich niederbomben.

Dabei liegt Martin Delius mit seinem Vergleich noch gar nicht mal so daneben. Gegen Ende der Weimarer Republik war das Volk mit Parlament und Regierung, die sich nur noch stritten, äußerst unzufrieden.
Aber wer jetzt Parallelen zur Politik von heute zieht, relativiert den Holocaust! Jawoll! Das ist die Vorstufe seiner Leugnung! Thermonuklearer Medienkrieg!

Vielleicht gefällt den Damen und Herren Reaktionären ja auch nicht, dass sich die Deutschen nicht mehr von rechten Parolen aufhetzen lassen, sondern aus Protest stattdessen einfach mal eine unprofessionelle, bunte Truppe mit neuen Denkansätzen wählen.
Vollkommen undeutsch, sowas!

Der Parkett-Wutbürger

Posted in Politik with tags , on 19. April 2012 by arnarscho

Dirk Müller, auch bekannt als Mr. DAX, brauch ich hier ja nicht wirklich vorzustellen. Man kennt ihn als adretten, sachlichen Herrn, der durch die Klarheit seiner Analysen besticht und der sich als Börsianer in die allgemeine Diskussion einmischt, wenn auch anders als man es von seiner Zunft erwartete.

Aber auch diesem netten Herrn scheint manchmal der Kragen zu platzen, doch seht selbst, sein Börsenausblick auf den 27.3.2012, nebst Kritik an Politikern, Rettungsschirmen und dem Swift-Abkommen:

http://www.youtube.com/watch?v=wqsbgFD04Vw

 

Und da wundern sich unsere Politiker, wieso die Märkte ihnen nicht mehr vertrauen?

Genetisch degenerierte Parlamentarier

Posted in Politik with tags , on 10. April 2012 by arnarscho

Eigentlich sollte man ja meinen, dass die Lust am Reden und Debattieren bei einem Parlamentarier bereits in den Genen liegen, und dass jede geplante Einschränkung seiner Redefreiheit – seines ureigenen Rechts – zu tumultartigen Aufständen im Parlament führen müsste.
Nicht so in der Bananen-Republik Deutschland.

Hier wird still und heimlich, fraktionsübergreifend, eine Änderung der Geschäftsordnung des Bundestages ins Auge gefasst, das die Rederechte von Abweichlern der offiziellen Fraktionsmeinung einschränken soll.
Und kein Aufschrei geht durch den Bundestag. Wissen die Damen und Herren Hinterbänkler eigentlich, wozu sie überhaupt im Parlament sitzen?
Als Stimmvieh?

Konsequenterweise müssten alle Abgeordnete, die ihrer eigenen Entmachtung zustimmen, auch gleich ihren Platz räumen. Denn ein Parlamentarier, der immer der gleichen Meinung wie sein Fraktionschef ist, oder, im anderen Fall, keine Lust hat zu debattieren, hat seinen Beruf verfehlt und ist überflüssig. Normalerweise nennt man das Arbeitsverweigerung.

Aber wir sind hier ja in Deutschland, da macht der Hinterbänkler keinen Aufstand, der ist sogar dafür, denn wo kämen wir denn hin, wenn jeder eine eigene Meinung hätte und die auch noch äußern dürfte?
Wenn man hierzulande tumultartige Aufstände im Parlament provozieren wollte, müsste man schon statt der Redefreiheit den Gebrauch des Dienstwagens einschränken.

Nur einer im Bundestag scheint eine eigene Meinung zu besitzen: der übliche Verdächtige Peter Gauweiler. Er will notfalls gegen diese Änderung nach Karlsruhe ziehen, damit das Hohe Gericht den Damen und Herren Abgeordneten zum wiederholten mal erklärt, wozu sie überhaupt im Bundestag sitzen: um Politik mitzugestalten.

Was nicht gesagt werden darf

Posted in Gesellschaft with tags , , , on 6. April 2012 by arnarscho

Es ist zwar ganz offensichtlich, dass Israel einen völkerrechtswidrigen Angriffskrieg gegen den Iran vorbereitet, aber sagen darf man das nicht, sonst ist man Antisemit.
Man mag ja über die literarischen Qualitäten des jüngsten Gedichtes von Günter Grass streiten, Weltliteratur ist es garantiert nicht, selbst wenn jetzt die ganze Welt darüber redet. Aber die Sorge vor einem dritten Weltkrieg, die ihn umtreibt, ist mehr als berechtigt und geht bei der ganzen Diskussion um Fakten oder Dichtung vollkommen unter.

In bester Erbsenzählermanier arbeiten sich die Kommentatoren an den Fehlern und Ungenauigkeiten in seinem Gedicht ab, aber die Wahrheit dahinter unterschlagen sie.

Deshalb will ich jetzt auch mal die Fakten festhalten, die mir bekannt sind.

Der Iran betreibt Urananreicherung, das darf er auch, weil er – im Gegensatz zu Israel – den Atomwaffensperrvertrag unterzeichnet hat. Wie aus gewöhnlich gut unterrichteten Kreisen, nämlich dem CIA, neulich berichtet wurde, haben sie ihr Atomwaffenprogramm jedoch schon vor Jahren auf Eis gelegt.
In dem Fall glaube ich dem CIA sogar, weil diese Aussage nicht dem entspricht, was politisch korrekt wäre.

Der Iran hat einen Maulhelden als Präsident, der – weil er Politiker ist – gerne lauthals herumpoltert. Das ist völkerrechtlich erlaubt.
Der unter vollkommenen Realitätsverlust – oder vielleicht auch rein provokativ – den Holocaust leugnet. Das ist zwar in Deutschland verboten, im Iran jedoch nicht.

Der Iran hat in den letzten Jahrzehnten kein einziges Land angegriffen, was man von Israel so nicht ohne weiteres behaupten kann.
Gewiss, sie liefern zwar Waffen an ihre Freunde, wie die Hisbollah, aber das machen doch alle, allein schon wegen der Profite. Wir gehen sogar so weit, dass wir Waffen an unsere Freunde verschenken, und zwar atomwaffentaugliche U-Boote, made in Germany. Das ist ein anderes Kaliber als Kalaschnikows und Mörser.

Es gibt kein Völkerrecht auf einen Präventivkrieg zur Verhinderung eines Krieges, denn sonst könnte jedes Land – mit irgendwelchen fadenscheinigen Argumenten – jederzeit jedes andere Land angreifen.

In genau dieser Situation befinden wir uns jetzt.

Dass das Argument, der Iran strebe nach Atomwaffen, um Israel auszulöschen, fadenscheinig ist, kann sich jeder, der noch über ein Resthirn verfügt, selbst überlegen.
Nehmen wir mal den schlimmsten Fall an, dass unser Maulheld morgen verkündet, der Iran besäße jetzt Atomwaffen und das auch beweisen könnte.
Ja, glaubt denn irgendjemand, der noch bei Verstand ist, die würden übermorgen ihre Atomraketen Richtung Israel abschießen, in der Gewissheit, innerhalb weniger Minuten die zehnfache Menge zurückzubekommen?
Nein, kein Land – außer den USA – hat jemals Atomwaffen eingesetzt, selbst so durchgeknallte Regimes wie in Nordkorea nicht.

Ich bin ja kein Freund von Atomwaffen, aber tatsächlich wäre dieser schlimmste Fall der beste Fall, der eintreten könnte, weil er Israel definitiv von einem Angriff abhalten würde.

Amerikanische Planspiele haben ergeben, dass es im Fall eines Krieges Hunderte von getöteten Amerikanern geben könnte.
Oh, doch so viele?

Diese Witzbolde!
Es wird zu einem Flächenbrand kommen. Iran wird ja der Zerstörung seiner Atomkraftwerke nicht tatenlos zusehen, sondern sie werden zurückschießen, und schon haben wir einen Krieg. Echte oder gefälschte Bilder – das spielt im Krieg keine Rolle mehr – von getöteten Frauen und Kindern werden um die Welt gehen, andere Völker werden sich empören und sich einmischen. Schließlich werden die USA den Israelis zu Hilfe eilen müssen, was dann wiederum Russland und China auf den Plan ruft.

Vielleicht auch umgekehrt herum, das Ergebnis wird das gleiche sein: der dritte Weltkrieg mit unvorstellbaren Folgen.

Zugegebenermaßen ist das das Worst-Case-Szenario, aber zwei Faktoren könnten hier noch eine Rolle spielen: die internationalen Beziehungen – speziell zwischen Ost und West – sind auf einem Tiefpunkt, und die offenen oder verdeckten wirtschaftlichen Probleme, unter denen viele Länder leiden.
Das ist der Stoff, aus dem Kriege gemacht werden, ich verweise auf die Geschichte.

Und glaube keiner, dass wir davon nicht betroffen wären, ich erinnere nur an den Benzinpreis. Wir werden uns nach 1,70€ zurücksehnen, die Wirtschaft – mit Ausnahme der Rüstungsindustrie – wird vollkommen zusammenbrechen und schließlich werden die Rufe laut, dass Merkel etwas unternehmen muss.
Was wohl? Unsere Freiheit auf Benzin verteidigen!

Weil ich das alles nicht will, lasse ich mich jetzt lieber als Antisemit beschimpfen.
Das wird man ja wohl noch sagen dürfen!

Die x-Beliebigkeit der sonstigen Parteien

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , , on 4. April 2012 by arnarscho

Seit die Piraten im beschaulichen Saarland, das in weiten Teilen eine eher Internet-befreite Zone ist, in den Landtag gezogen sind und in der jüngsten bundesweiten Umfrage astronomische 12% erreicht haben, macht sich eine gewisse Panik unter den sonstigen Parteien bemerkbar.

Jetzt hacken alle auf dem noch recht bescheidenen Parteiprogramm herum und verweisen auf ihre Programme, die angeblich Aussagen zu den Werten und Zielen der sonstigen Parteien enthalten, in Wahrheit aber nur eine Ansammlung von schönen Floskeln sind, die keinerlei Auswirkungen auf die Politik haben.

Z.B. das Programm der CDU, das ich glatt zu 90% unterschreiben könnte.

Aber was ist denn an der CxU-Politik christlich? Welche christlichen Werte vertreten die denn? Doch die der Inquisition und der Kreuzzüge!
Ich weiß, wovon ich schreibe, ich war selber jahrzehntelang Christ und habe im Religionsunterricht ganz andere Dinge gelernt. Toleranz, Nächstenliebe und Achtung der Menschenwürde sind in der Politik der CxU noch nicht mal ansatzweise vorhanden. Wer ein Gegenbeispiel dazu kennt, das mir entgangen sein muss, kann das ja bitte gern in den Kommentaren aufführen, ich bin lernfähig.
Oder die Familienpolitik: „Die Vereinbarkeit von Familie und Beruf ist ein Kernbestandteil christlich demokratischer Politik“, schreiben sie dort.
Wie sich das mit Minilöhnen, Leiharbeitern und Zeitverträgen vereinbart, schreiben sie dort nicht.
Und so geht das auf über 100 Seiten munter weiter.

Oder die FDP.
Letzte Woche hat Rösler mit geschwollener Brust stolz verkündet, dass sich die FDP wenigstens dieses eine Mal an ihre Prinzipien gehalten hat und die 11.000 Schlecker-Frauen in die Wiederverwertung Anschlussverwendung geschickt.
Wahrscheinlich, weil die nicht zur typischen Wählerschicht der FDP gehören.
Aber diese Woche ist es schon wieder rum mit der Prinzipientreue, denn der Benzinpreis steigt und es ist Wahlkampf. Also wird mal fröhlich eine Erhöhung der Pendlerpauschale gefordert, obwohl die als staatliche Subvention ihren Prinzipien ja klar zuwiderläuft.
Aber, was soll’s, es ist Wahlkampf und nach der Wahl wird sich herausstellen, dass eh kein Geld dafür vorhanden ist.

Über die SPD brauch ich ja gar nichts mehr zu sagen, die haben alle eigenen Prinzipien aufgegeben und wollen nur noch in den Schoß von Mutti hüpfen.

Und dann wundern sich diese Parteien auch noch, dass sich immer mehr Wähler von ihnen abwenden und stattdessen mal die Piraten wählen. Jetzt machen sie alle ganz hektisch Internet und glauben, damit irgendwelche Wähler zurückzugewinnen.
Sehr überzeugend.

Dabei ist der Höhenflug der Piraten meiner Meinung nach gar nicht auf die Internetaffinen zurückzuführen, sondern eher auf die Protestwähler. Wie in Berlin haben sie auch im Saarland viele Nichtwähler mobilisiert, die wahrscheinlich nur deshalb zur Wahl gegangen sind, weil sie erstmals die Chance sahen, den andern Parteien eins auszuwischen.

Das nennt sich dann „Tyrannei der Massen“.