Finde Die Partei

Als ich am Sonntag das Balkendiagramm der ersten Hochrechnung der Berlinwahlen sah, war ich zunächst etwas verwirrt, bis ich begriff, dass der dünne gelbe Strich der „Balken“ der FDP ist. Und der orange Turm nebendran der der Piraten.

Danke an den netten Herrn Rösler für diese geordnete Insolvenz. Denn Rösler meint es wirklich ehrlich, wenn er sagt, die deutsche Politik käme nicht ohne eine liberale Partei aus. Die Konsequenz, die daraus folgt, nämlich, dass er deshalb die FDP „abwickelt“, um Platz zu machen für eine moderne, liberale Partei, hätte ich ihm allerdings nicht zugetraut. Da habe ich ihn echt unterschätzt.
Und Dank natürlich auch an Westerwelle, Lindner, Brüderle und all die andern „mitfühlenden“ Liberalen, die uns unsägliche Freude beschert haben.
Nur um die Sabine, die mit dem langen Nachnamen, die bis zuletzt die liberale Fahne hochgehalten hat, tut’s mir leid.

Die Künast will jetzt genau analysieren, wieso so viele Wähler von den Grünen zu den Piraten übergelaufen sind. Da braucht sie doch nur in den Spiegel zu schauen. Bevor mich jetzt jemand falsch versteht: gemeint ist damit nicht das ehemalige Nachrichtenmagazin.

Sogar die Merkel hat schon mitgekriegt, dass auch CDU-Wähler zu den Piraten abgewandert sind, deshalb hat sie gesagt, will sie jetzt auch Internet machen, um Tante Hedwig davon zu überzeugen, doch lieber weiterhin die CDU statt den Piraten zu wählen.

Drollige Versuche, Wähler zu halten, oder gar zu gewinnen, vor allem unter den heißbegehrten jungen Gebildeten.
Die Internetausdrucker verstehen’s einfach nicht. Sie verstehen noch nicht mal, dass sie es nicht verstehen.

Es geht nämlich nicht ums Internet. Es geht um Freiheit, Transparenz, Offenheit, also um urbürgerliche und urdemokratische Werte, die alle unsere Parteien verraten haben.

Das Internet ist ein ideales Mittel, diese Werte wieder herzustellen, wenn man damit umgehen kann. Die Piraten sind anscheinend die einzige Partei, die das kann.
Daran ist aber nicht das Internet schuld.

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2 Antworten to “Finde Die Partei”

  1. >“Es geht um Freiheit, Transparenz, Offenheit, also um urbürgerliche und urdemokratische Werte, die alle unsere Parteien verraten haben.“<

    Ich befürchte, das werden die Piraten auch bald machen, sobald sie den Berliner Politdampfer geentert haben. Genauso wie die Grünen damals. Was hatte ich mich gefreut, Einzug in den Bundestag, oder als sie Hessen eroberten, aber dann nach und nach ihre Werte verrieten, bis zur Ernüchterung in Berlin. Und heute sind sie nur noch billige Abziehbildchen einer korrupten Adenauerära. Ein bisschen Rock'n Roll in den 60-80ern, aber letztendlich angekommen beim Establishment.

    Politik ist ein schmutziges, verlogenes Geschäft, da werden ganz schnell Ideale über Bord geworfen für ein paar Silberlinge…

    Ach ja, es geht schon los 😉

    http://www.shortnews.de/id/917512/Abgeordnetendasein-dokumentieren-Piratenpartei-streiten-ueber-eigene-Transparenz

    • Wahrscheinlich wird es so kommen, aber eine Chance sollte man ihnen schon geben. Denn es herrscht wieder Aufbruchstimmung, wie damals bei den Grünen.

      Und weil die etablierten Parteien nichts mehr fürchten, als eine neue Partei, werden wir uns die nächsten Monate daran erfreuen können, wie sie sich mit einem Thema herumquälen müssen, das sie noch nicht mal ansatzweise begreifen. Das kann noch lustig werden. Vorsichtshalber schon mal Popcorn-Vorräte auffüllen.

      Etwas geentert haben die Piraten jetzt schon: Man vergleiche nur die Berichterstattung der letzten Tage mit der vor zwei Jahren. Damals waren sie noch Spinner, heute sind sie junge Gebildete mit neuen Denkansätzen.

      Dass sie sich jetzt als erstes mal streiten, gehört ja zum Markenkern dieser Partei. Und die Diskussion, wieviel Transparenz die Fraktionssitzungen vertragen, ist wichtig. Denn auch einer Fraktion sollte man sowas wie eine Privatsphäre zugestehen. Wenn jeder Furz, den einer lässt, in den Medien breitgeschlagen wird, kann dort bald keine kreative Arbeit mehr stattfinden.

      Und schließlich haben sogar die Grünen langfristig etwas bewirkt: den Papst überzeugt, dass es durchaus Sinn macht, die Schöpfung seines Herrn zu bewahren.
      Die Demokratie ist halt langsam, das hängt auch mit der Massenträgheit zusammen.

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