Tax-Future schlägt DAX-Future

Beim Schreiben des letzten Artikels ist mir diese Idee gekommen. Warum nicht die aktuelle Krise mit finanzmarkttechnischen Mitteln lösen, so, dass alle Marktteilnehmer sich draufstürzen?

Wenn Warren Buffet höhere Steuern für Reiche fordert, geschieht das ja nicht ohne Eigennutz. Warren Buffet ist ein ausgebuffter Fuchs in Finanzfragen. Er weiß genau, dass er bald keine Geschäfte mehr machen kann, wenn die weltweiten Kaputtsparorgien so weitergehen.

Aber so einfach, wie sich unser FDP-Finanzexperte das vorstellt, ist es halt leider nicht:

Sie können dem Finanzministerium schon heute Geld überweisen, das in den Schuldenabbau fließt. Dazu braucht man keine neuen Steuern.

Das macht aber kein Reicher freiwillig, weil auch unter den Reichen Sozialneid herrscht. Jeder will halt ein bisschen reicher sein als sein Nachbar. Deshalb zahlt man keine Steuern freiwillig, solange sie der Nachbar nicht auch zahlen muss. Deshalb muss man auch jede Steuerlücke nutzen, weil der Nachbar das auch macht.

So erklärt sich auch der scheinbare Widerspruch, dass Warren Buffet zwar altruistische Sprüche hält, aber trotzdem Steuern hinterzieht, wo er nur kann. Er muss es einfach tun, weil er sonst vom sozialen Abstieg bedroht ist (von Platz 5 in der Forbes-Liste auf Platz 6). Setzen, sechs!

Wirksame Politik darf diese Befindlichkeiten unserer kapitalistischen Heilsbringer nicht ignorieren, sondern muss sie – ganz im kapitalistischem Sinne – gewinnbringend nutzen.

Gerade jetzt in Krisenzeiten bieten sich ungeahnte Anlagemöglichkeiten für den Staat. Sehr gefragt zur Zeit sind z.B. US-Staatsanleihen zu einem Zinssatz unterhalb(!) der Inflationsrate, also zu negativen Zinsen.
Auf gut deutsch: Anleger zahlen momentan Zinsen nur für die Hoffnung, dass sie ihr Geld jemals wiedersehen, weil sie nicht mehr wissen, was sie sonst damit machen sollten, während andere hungern. Verkehrte Welt.

Genau da setzt der Tax-Future an, ein Wertpapier, das an der Börse gehandelt wird und gerade in Krisenzeiten sichere Gewinne verspricht, weil es darauf wettet, dass höhere Sozialausgaben auch der Wirtschaft zugute kommen. Eine Wette, die ökonomisch sinnvoll ist, mit der man also nicht so verkehrt liegen kann.

Das Papier ist so konstruiert, dass ein Großteil des investierten Geldes direkt in die Sozialkassen des Staates fließt und mit dem Rest auf demnächst steigende DAX-Kurse gewettet wird.

Wenn der Staat dann noch dafür sorgt, dass diese Tax-Futures von der Steuer absetzbar sind, hat er demnächst Billionen zur Verfügung.

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