Der optimale Währungsalbtraum

Bin da gerade per Zufall auf dem Blog des Liberalen Institus, dem „Think Tank“ der Friedrich-Naumann-Stiftung, gelandet (zur Erinnerung: das ist die FDP-nahe Stiftung) und lese dort unter dem Titel Griechenland und die Eurozone: Flexibler Arbeitsmarkt und Migration oder Austritt:

Die Grundlage für einen funktionsfähigen gemeinsamen Währungsraum ist ein flexibler Arbeitsmarkt und die Möglichkeit freier Migration. Die Löhne müssen schwanken können und die Menschen müssen dorthin gehen können, wo Arbeitskräfte gesucht werden. Dafür ist es notwendig, dass man auf Mindestlöhne, Flächentarife und Transferzahlungen weitgehend verzichtet und Barrieren für die Abwanderung abbaut.

Das besagt die Theorie optimaler Währungsräume und nennt sich Faktormobilität.
Theoretisch mag die sogar stimmen, wenn man den Menschen auf seine Arbeitskraft reduziert und wie ein Wirtschaftgut, also z.B. wie ein Stück Vieh behandelt.
In den Gleichungen der Ökonomen jedenfalls wird er so behandelt: eine Variable, wie viele andere auch.

Kann man jederzeit kaufen, „freisetzen“ und kreuz und quer durch Europa transportieren. Aber nur, wenn der Währungsraum optimal ist.

Der Preis der Variable „Arbeitskraft“ wird dabei ausschließlich über den Markt geregelt, d.h. in einer zunehmend automatisierten Produktion muss die Variable „Arbeitskraft“ ständig billiger arbeiten als die Variable „Roboter“.
Ob man damit leben und sich fortpflanzen kann, ist nicht Bestandteil der Theorie.

Was wäre also optimal?

„Die Menschen müssen dorthin gehen können, wo Arbeitskräfte gesucht werden“, sagt der „Think Tank“. Man beachte die Formulierung, die suggeriert, dass die Menschen förmlich nur darauf warten, dass sie endlich losziehen können, in den globalen Kampf gegen Mindestlöhne, Flächentarife und Roboter.

In unserem speziellen Fall hieße das, dass möglichst viele Griechen nach Deutschland kommen müssen, bzw. „wollen“, weil bei uns ein Facharbeitermangel ohne Ende herrscht. Aber wollen wir das wirklich?
Derweil ziehen unsere Arbeitslosen nach Spanien zur Tomatenernte, während die Spanier…?
Denn der Arbeiter 2000 ist ein freier Mann, kinderlos und spricht 17 Sprachen fließend.

Was aber, wenn sich die Griechen tatsächlich optimal verhalten und auf den deutschen Arbeitsmarkt strömen? Dann sinken hier die Löhne, mit der Folge, dass unsere Exporte noch billiger werden und weitere Staaten aus dem Euroland an die Wand fahren. Deren Arbeitskräfte kommen dann auch nach Deutschland, usw.

Der optimale Zustand ist schließlich erreicht, wenn die gesamte Produktion des Euroraums in Deutschland stattfindet, weil hier am effizientesten gearbeitet wird.
Uns droht Wohlstand ohne Ende!

Solche Theorien mögen ja grandios, elegant und nobelpreisverdächtig sein, aber leider fehlen ihnen einige Kleinigkeiten, wie z.B. der Wunsch der Variable Arbeitskraft nach Lebensplanung, familiäre oder soziale Bindungen, und zwar aus dem einfachen Grund, weil sich solche Faktoren nicht in Formeln ausdrücken lassen.
Und außerdem den optimalen Währungsraum behindern.

Im übrigen sieht man an den USA derzeit, dass das System auch bei hoher Faktormobilität nicht zwangsläufig funktioniert.

Von daher kann ich mit dem suboptimalen Zustand einer Transferunion, in der Gelder statt Menschen transferiert werden, besser leben.

Wir überweisen ein paar Milliarden an Griechenland, sozusagen als Würdigung dafür, dass sie jahrelang unsere Arbeitsplätze subventioniert haben, indem sie bei uns Autos, Panzer und U-Boote gekauft haben, die sie sich nicht leisten konnten und deshalb jetzt Pleite sind.
Die nötigen Milliarden hierfür können wir bei den Gutverdienern eintreiben, die von den Geschäften die ganzen Jahre profitiert haben.

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2 Antworten to “Der optimale Währungsalbtraum”

  1. 25% der deutschen Vermögen gehören 1,2% der deutschen Bevölkerung. Es wird davon ausgegangen das die deutschen ein Vermögen von ca. 9 Billionen € besitzen. Die Staatsverschuldung soll bei ca. 1,6 Billionen liegen. Also besitzen die 1,2 % 2,25 Billionen. Nun nehmen wir dehnen mal 1,6 Billionen weg dann haben die immer noch 650 Millarden. Das würde sicherlich für die bis ans lebensende reichen und die Schulden wären weg. Sorry, war nur so ein Gedankenspiel. Mit Hauptschule ist einfach nicht mehr drin.

  2. Nee, an Geld mangelts wirklich nicht. Ganz im Gegenteil, es ist viel zu viel da und stiftet nur Unheil.

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