Das iPhone und die Killer-App [2.Update]

Die persönliche Vorratsdatenspeicherung (die Rechtschreibprüfung auf dem Mac kennt dieses Wort bezeichnenderweise nicht), die jeder iPhone-Besitzer mit sich herumschleppt, könnte für manchen investigativen Journalisten, der sich schon mal mit konspirativen Personen heimlich an konspirativen Orten trifft, zum ernsthaften Problem werden. Und in Ländern wie Libyen, Syrien oder anderen Demokratien sogar zum tödlichen Problem.

Leute, die ihren Standort mehrmals täglich twittern, brauchen sich jedoch keine weiteren Sorgen zu machen.
Zu diesem Schluss bin ich gekommen, nachdem ich meinen persönlichen Datenbestand mal direkt in der Datenbank durchforstet habe, etwas, was unsere Qualitätsjournalisten anscheinend bisher unterlassen haben. Ein paar interessante Details gäbe es nämlich noch zu berichten.

Etwas verdutzt war ich gleich beim ersten Datensatz, den ich per Zufall herausgegriffen hatte: er zeigte mir einen Ort, wo ich die letzten Monate gar nicht war, aber vor über einem Jahr mal ein Date hatte, was mich zunächst etwas verblüffte, weil die Speicherung ja erst mit iOS 4 begonnen haben soll. Tatsächlich handelte es sich aber um eine Fehlmessung einer ganz anderen Tour, die ich dort in der Gegend unterwegs war.
Solche Messfehler ziehen sich durch die ganze Datenbank.

Es gibt in der Datenbank zwei interessante Tabellen: CellLocation und WifiLocation. Erstere erfasst den Standort anhand der Mobilfunkzellen in der Nähe, also ohne Nutzung von GPS, und enthält Abweichungen bis zu 50km, selbst wenn die Genauigkeit zu dem Datum mit 10km angegeben ist.
Letztere erfasst den Standort durch Wifi-Hotspots und ist wesentlich akkurater, die Abweichungen betragen hier bis zu 100m, die Datenmenge ist jedoch geringer, weil sowohl Wifi, als auch Handy eingeschaltet sein müssen, was bei mir praktisch nur zuhause der Fall ist.

Ebenfalls ungenau ist der Zeitstempel. Bis zu ca. 100 Datensätze über mehrere Stunden finden sich bisweilen unter dem gleichen Zeitpunkt abgelegt, der dann aber auf die Millisekunde genau angegeben ist.

So habe ich allein in den letzten 24 Stunden, in denen ich mich definitiv zuhause (in Darmstadt) aufgehalten habe, drei aufeinanderfolgende Datensätze gefunden, die mich gleichzeitig in der Pfalz, im Taunus und im Odenwald verorten. Ich kann zeitreisen!

Außerdem fand ich monatelange Lücken in meinen Überwachungsdaten, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass ich die Ortungsdienste nur einschalte, wenn ich sie auch brauche.

Also Leute, wenn ihr fremdgeht oder auf konspirative Treffen: sowohl Ortungdienste als auch Wifi deaktivieren!
Oder Gerät jailbreaken und die Datenbank auf /dev/null umleiten, wie daMax hier beschreibt.

[Update]
Im SPON schreiben sie heute, dass sich das Tracking nicht ausschalten lässt, das Wall Street Journal hat getestet.
Ich auch seit ein paar Tagen. Auf meinem Gerät, einem 3G mit iOS 4.2.1 (Build 8C148), wird definitiv nichts gespeichert, wenn die Ortungssysteme aus sind. Und das, was gespeichert wird, ist ziemlich ungefähr.
Ich habe mir mal die Datensätze einer Radtour gestern angeschaut. Also, wenn ich die Strecke tatsächlich in der Zeit gefahren wäre, könnte ich auch die Tour de France an einem Tag schaffen.

[2.Update]
Apple hat nun endlich mal geantwortet. Es handelt sich also tatsächlich nicht um Bewegungsdaten, sondern um die Standorte der Funkmasten, bzw. W-Lan-Hotspots in der näheren oder weiteren Umgebung zum Zwecke der Positionsbestimmung ohne GPS.
Das erklärt natürlich einiges. Diese Daten kommen auch nicht vom Gerät selber, sondern werden aus der Wolke aufgrund des aktuellen Standorts geladen.
Dass manchmal Daten gespeichert werden, auch wenn die Ortungssysteme ausgeschaltet sind, sei ein Bug, der mit dem nächsten Update behoben wird. Dann soll die Datenbank sogar komplett gelöscht werden, sobald man die Ortungsdienste ausschaltet.

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3 Antworten to “Das iPhone und die Killer-App [2.Update]”

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