Archiv für April, 2011

Das iPhone und die Killer-App [2.Update]

Posted in Technik with tags , on 23. April 2011 by arnarscho

Die persönliche Vorratsdatenspeicherung (die Rechtschreibprüfung auf dem Mac kennt dieses Wort bezeichnenderweise nicht), die jeder iPhone-Besitzer mit sich herumschleppt, könnte für manchen investigativen Journalisten, der sich schon mal mit konspirativen Personen heimlich an konspirativen Orten trifft, zum ernsthaften Problem werden. Und in Ländern wie Libyen, Syrien oder anderen Demokratien sogar zum tödlichen Problem.

Leute, die ihren Standort mehrmals täglich twittern, brauchen sich jedoch keine weiteren Sorgen zu machen.
Zu diesem Schluss bin ich gekommen, nachdem ich meinen persönlichen Datenbestand mal direkt in der Datenbank durchforstet habe, etwas, was unsere Qualitätsjournalisten anscheinend bisher unterlassen haben. Ein paar interessante Details gäbe es nämlich noch zu berichten.

Etwas verdutzt war ich gleich beim ersten Datensatz, den ich per Zufall herausgegriffen hatte: er zeigte mir einen Ort, wo ich die letzten Monate gar nicht war, aber vor über einem Jahr mal ein Date hatte, was mich zunächst etwas verblüffte, weil die Speicherung ja erst mit iOS 4 begonnen haben soll. Tatsächlich handelte es sich aber um eine Fehlmessung einer ganz anderen Tour, die ich dort in der Gegend unterwegs war.
Solche Messfehler ziehen sich durch die ganze Datenbank.

Es gibt in der Datenbank zwei interessante Tabellen: CellLocation und WifiLocation. Erstere erfasst den Standort anhand der Mobilfunkzellen in der Nähe, also ohne Nutzung von GPS, und enthält Abweichungen bis zu 50km, selbst wenn die Genauigkeit zu dem Datum mit 10km angegeben ist.
Letztere erfasst den Standort durch Wifi-Hotspots und ist wesentlich akkurater, die Abweichungen betragen hier bis zu 100m, die Datenmenge ist jedoch geringer, weil sowohl Wifi, als auch Handy eingeschaltet sein müssen, was bei mir praktisch nur zuhause der Fall ist.

Ebenfalls ungenau ist der Zeitstempel. Bis zu ca. 100 Datensätze über mehrere Stunden finden sich bisweilen unter dem gleichen Zeitpunkt abgelegt, der dann aber auf die Millisekunde genau angegeben ist.

So habe ich allein in den letzten 24 Stunden, in denen ich mich definitiv zuhause (in Darmstadt) aufgehalten habe, drei aufeinanderfolgende Datensätze gefunden, die mich gleichzeitig in der Pfalz, im Taunus und im Odenwald verorten. Ich kann zeitreisen!

Außerdem fand ich monatelange Lücken in meinen Überwachungsdaten, was wohl darauf zurückzuführen ist, dass ich die Ortungsdienste nur einschalte, wenn ich sie auch brauche.

Also Leute, wenn ihr fremdgeht oder auf konspirative Treffen: sowohl Ortungdienste als auch Wifi deaktivieren!
Oder Gerät jailbreaken und die Datenbank auf /dev/null umleiten, wie daMax hier beschreibt.

[Update]
Im SPON schreiben sie heute, dass sich das Tracking nicht ausschalten lässt, das Wall Street Journal hat getestet.
Ich auch seit ein paar Tagen. Auf meinem Gerät, einem 3G mit iOS 4.2.1 (Build 8C148), wird definitiv nichts gespeichert, wenn die Ortungssysteme aus sind. Und das, was gespeichert wird, ist ziemlich ungefähr.
Ich habe mir mal die Datensätze einer Radtour gestern angeschaut. Also, wenn ich die Strecke tatsächlich in der Zeit gefahren wäre, könnte ich auch die Tour de France an einem Tag schaffen.

[2.Update]
Apple hat nun endlich mal geantwortet. Es handelt sich also tatsächlich nicht um Bewegungsdaten, sondern um die Standorte der Funkmasten, bzw. W-Lan-Hotspots in der näheren oder weiteren Umgebung zum Zwecke der Positionsbestimmung ohne GPS.
Das erklärt natürlich einiges. Diese Daten kommen auch nicht vom Gerät selber, sondern werden aus der Wolke aufgrund des aktuellen Standorts geladen.
Dass manchmal Daten gespeichert werden, auch wenn die Ortungssysteme ausgeschaltet sind, sei ein Bug, der mit dem nächsten Update behoben wird. Dann soll die Datenbank sogar komplett gelöscht werden, sobald man die Ortungsdienste ausschaltet.

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Ein Arbeitsloser weniger dank Hartz IV

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , on 21. April 2011 by arnarscho

Bravo, die Hetzkampagnen und Zwangsmaßnahmen gegen Arbeitslose zeigen Wirkung: in Speyer ist ein psychisch kranker Hartz-IV-Bezieher verhungert.
Bravo, mitten in Deutschland, das genug Milliarden hat, um sie Großverdienern in den Arsch zu schieben, werden Menschen, die sich selbst nicht mehr helfen können, von „Fallmanagern“ einfach fallengelassen, unter dem Jubel der Bevölkerung, sowie „christlicher“ und „sozialer“ Politiker.

Früher nannte man ein System „Faschismus“, das Zwangsarbeit zur Gewinnmaximierung des Großkapitals anordnet und bei Nichtbefolgen mit Verhungern bestraft, heute nennt man es „soziale Marktwirtschaft“.

Die Väter und Mütter des Grundgesetzes haben nicht umsonst formuliert:

Artikel 1 (1) Die Würde des Menschen ist unantastbar. Sie zu achten und zu schützen ist Verpflichtung aller staatlichen Gewalt.

Artikel 2 (1) Jeder hat das Recht auf die freie Entfaltung seiner Persönlichkeit, soweit er nicht die Rechte anderer verletzt und nicht gegen die verfassungsmäßige Ordnung oder das Sittengesetz verstößt.

Artikel 12 (2) Niemand darf zu einer bestimmten Arbeit gezwungen werden, außer im Rahmen einer herkömmlichen allgemeinen, für alle gleichen öffentlichen Dienstleistungspflicht.

Man beachte, dass alle Artikel absolut gelten, also ohne den sonst üblichen Zusatz: „Das Nähere regelt ein Bundesgesetz“. Die damals gemachten leidvollen Erfahrungen vom unheilvollen Zusammenspiel korrupter Politiker mit dem Großkapital waren Grund genug dafür.

Da kann ich nur noch stolz sein auf mein Land, das „Sozialbetrug“ wieder mit „aller gebotenen Härte“ verfolgt.

CO2-frei und Spaß dabei

Posted in Gesellschaft, Wissenschaft with tags , , on 17. April 2011 by arnarscho

Wenn wir jetzt das Restrisiko Kernkraft ausschalten, brauchen wir aber ein neues Restrisiko, sagen die aus der Industrie. Gefunden ist es auch schon längst: CCS nennt sich das, das Verklappen von Kohlendioxid unter der Erde. Hundertprozentig sicher, wie die Asse. Da können die Atomkraftgegner doch unmöglich dagegen sein, wenn sie das Klima retten wollen.
Ohne größenwahnsinnige und milliardenverschlingende Technik läuft heute halt nichts mehr in einem Hochtechnologieland.

Dabei gäbe es auch eine einfachere und billigere Art, CO2 unter die Erde zu schaffen: durch Pflanzen von Millionen von Bäumen. Auf jeder freien Fläche. Mit größeren Bürgerprotesten wäre dabei sicherlich nicht zu rechnen. Und freie Flächen, die landwirtschaftlich nicht (mehr) nutzbar sind, gibt es weltweit mehr als genug.
Sogar in der Wüste ist solch ein Projekt geplant und könnte nicht nur die weitere Wüstenbildung aufhalten, sondern längerfristig sogar für fruchtbaren Boden sorgen.
Gewiss, das dauert.

Daneben gibt es aber auch Versuche, das Abfallprodukt CO2 mit Hilfe von Bakterien wieder in Öl zu verwandeln. Das wäre dann nach dem Prinzip „Cradle to cradle“, das ich über meinen virtuellen Freund Olaf kennengelernt habe.
Mit dieser Technik wäre es geradezu unsinnig, den wertvollen Rohstoff CO2 unter der Erde zu verklappen.

Dem Restrisiko dieser Technik, das darin bestände, dass der Rohstoff irgendwann aufgebraucht ist und es gar kein Kohlendioxid mehr in der Atmosphäre gibt, könnten wir dann ganz einfach dadurch begegnen, dass wir beim Autofahren mehr Gas geben.
Das wäre noch beherrschbar.

Kontrollverlust im Nebel des Grauens

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , , on 14. April 2011 by arnarscho

Wie Abgeordnetenwatch berichtet, haben noch 6% der Wähler ein positives Bild von unseren Politikern.

Oh, doch noch so viele! Das müssen die ohne Internet sein.
Es reicht ja schon, die bekannten Nachrichtenportale halbwegs kritisch zu lesen, um zu erkennen, welche Lügen uns Politiker täglich auftischen. Wenn man dann noch in Blogs herumstöbert, findet man stellenweise auch ganz andere Aussagen, die in einem unachtsamen Moment gefallen sind und im Mainstream verschwiegen werden, bis es nicht mehr geht. Und dann dementiert werden, bis es nicht mehr geht.

Auch Constanze Kurz, die für den Chaos Computer Club in der Enquete-Kommission Internet sitzt, kann davon ein Lied singen:

Es gibt einen enormen Unterschied im Diskussionsniveau zwischen den geschlossenen Sitzungen und den offenen Debatten der Enquete. Da müssen sich die Damen und Herren schon fragen, ob das nicht auch ein Grund für die Politikverdrossenheit ist. Wenn jeder implizit weiß, dass in der Öffentlichkeit vor allem Phrasen verbreitet werden, warum soll ich mich dann noch beteiligen wollen?

Nein, da brauchen sie sich wirklich nicht zu wundern.
Es wundert auch nicht weiter, dass dieses Verhältnis auf Gegenseitigkeit beruht, wie Nikolaus Blome, der Leiter des Hauptstadtbüros der BILD, und damit ein ausgewiesener Kenner der Materie, in seinem neuen Buch „Der kleine Wählerhasser“ beschreibt.

Der Tenor: Das Wahlvolk ist undankbar und unberechenbar, aber weiterhin leicht zu verführen. Klartext kann man ihm selten zumuten. Die Frustration zieht sich durch alle Parteien, so Blome.

Das Buch sei die „Frucht von zehn Jahren zuhören“ in Hintergrundkreisen und auf öffentlichen Veranstaltungen, sagt Blome. „Der Wähler is a Sau“, „Das verstehen die Leute eh nicht“ oder „Das kann man nicht laut sagen“.

Die Politiker handeln also angeblich zum Wohle eines Volkes, das sie in Wirklichkeit ob seiner gefühlten Dummheit verachten!
Der Fehlschluss, den sie da aber ziehen, ist der, dass sie meinen, das Volk wäre noch dümmer als sie.

Früher, als das Leitmedium noch BILD hieß, mag das auch funktioniert haben, aber im Internetzeitalter ist das nicht mehr so einfach.
Unerhört, dass sich plötzlich jeder Bürger direkt an seine Politiker wenden und Fragen stellen kann und auch noch ehrliche Antworten erwartet! Das müssen doch extremistische Aktivisten sein! Deshalb bleiben die meisten Fragen auch unerhört.

Denn aus dem diffusen Nebel des Internets steigt das reine Grauen: der Souverän! Ein Monster mit Millionen Köpfen.

Alle Politiker befürchten Kontrollverlust, nur nicht Sabine, die macht gute Miene.

Zensursula geht vom Netz

Posted in Gesellschaft, Politik with tags , , , on 7. April 2011 by arnarscho

Nach den alten Atommeilern soll jetzt auch das Zensursula-Gesetz endgültig vom Netz gehen, heißt es aus Koalitionskreisen.
Damit vollführt die Koalition in Anbetracht der miesen Umfragewerte eine erneute Kehrtwende. Neben den Ober-Grünen sind sie jetzt auch noch die Ober-Pädokriminellen.
Zumindest nach der Argumentation von Uschi, der Ober-Kinderhüterin.
Wir erinnern uns noch an die ganzen Beleidigungen und Unterstellungen, die kübelweise über jedem Kritiker ausgegossen wurden.

Aber wo ist sie jetzt, da ihr Gesetz in die Tonne getreten werden soll? Ich würde ja mal gern ein Interview mit ihr sehen.
Und was macht sie jetzt? Verteilt Gutscheine für den Sportverein, damit sich die Kinder dort von pädophilen Trainern begrapschen lassen können.

Wirklich an den Zuständen was geändert hat sie nämlich nicht, für die geschundenen Kinder waren es drei verpasste Jahre.

Etwas hat sie immerhin erreicht, wenn auch nicht in ihrem Sinne: den Netzbewohnern, die sich auskennen in diesem „widerwärtigen Geschäft“, ist schlagartig klar geworden, dass das Internet kein politikfreier Raum ist, sondern ganz im Gegenteil zur politischen Verfügungsmasse erklärt werden sollte, dem Bösen, wo man nach Belieben sperren und zensieren kann, wie es dem Wahlvolk gerade gefällt, weil dieses Netz nur eine gesellschaftliche Randgruppe repräsentiert: pädophile, killerspielende Raubkopierer. Nicht wahlentscheidend.

Hä, hä, gründlich getäuscht, das Netz ist aufgewacht und hat Spaß an der Politik gefunden, im wahrsten Sinne des Wortes.
Regieren muss seitdem echt ätzend sein.

Gottes Hund spürt Volkes Zorn

Posted in Gesellschaft, Religion with tags , on 4. April 2011 by arnarscho

Jetzt wird’s ernst in der Dagegen-Republik.

Nach Guttenberg, Mappus und Westerwelle erreicht die Dagegenwelle jetzt gar Kardinal Meisner.
Revolutionsgeist unter engagierten Katholiken:

Es geht einfach nicht mehr so diktatorisch weiter.

Dass Meisner, der selbsternannte „Widerstandskämpfer Gottes“ ebensowenig an Rücktritt denkt wie Gaddafi, der selbsternannte „Revolutionsführer“, versteht sich.
In solchen Kreisen gibt es keinen Rücktritt, dort nennt man das Himmelfahrt.