Hossa, Hosni zieht Leine

Und wer kommt dann, die Muslimbruderschaft?
Diese Frage habe ich in den letzten Tagen oft gehört. Ziemlicher Quatsch, würde ich mal sagen.
Denn die Bilder, die ich die letzten Wochen gesehen habe, haben vor allem ein buntes, friedliches Volk gezeigt, ganz normale Wutbürger also, die erstaunliches geschafft haben: eine Revolution, die bisher gewaltloser verlief als ein normales Oktoberfest in München.
Von den traurigen Szenen mit Mubaraks Schlägertrupps mal abgesehen.

Aber wo sind denn nun die Islamisten, vor denen uns Mubarak die ganzen Jahrzehnte bewahrt hat? Genauso real, wie die Massenvernichtungswaffen im Irak!
Klar, die Muslimbruderschaft. Undemokratische, radikal-religiöse Fanatiker, aber eine Minderheit, so ähnlich wie bei uns die CSU. Damit kann eine Demokratie leben, solange die nicht an der Macht sind.

Die liegt jetzt erst mal beim Militär, nicht gerade ein Hort der Demokratie, aber immerhin hatten sie sich schon eindeutig zu den Demonstranten bekannt, als unsere freiheitlichen Politiker noch Lähmungserscheinungen in ihrem sonst so losen Mundwerk hatten.

Vielleicht war das auch geplant. Im Gegensatz zur Regierung hatte die Militärführung wohl rechtzeitig erkannt, dass dieser Protest nicht aufzuhalten ist und sich deshalb von vorneherein auf die Seite der Gewinner geschlagen. So können sie nach dem dramatisch inszenierten Endkrampf nun die Macht übernehmen. Und zwar als Befreier des Volkes.

Das Militär wiederum ist abhängig von den Lieferungen aus dem Westen, vor allem aus den USA. Das verheißt nichts Gutes für den neuen Staat. Könnte nämlich sein, dass das Militär – vom Westen unterstützt – die Macht nicht mehr freiwillig abgibt.
Die neue Regierung muss nämlich schon jetzt eine Forderung erfüllen, die MuBarack gerade geäußert hat: den Frieden mit Israel garantieren, d.h. alle Greuel, die hinter der Grenze geschehen, abnicken, auch wenn das eigene Volk dagegen Sturm läuft.
Das verschafft natürlich der Muslimbruderschaft Zulauf, vor denen uns(!) dann nur das Militär schützen kann.
Denn die, die, wie Merkel heute griesgrämig zugeben musste, „voller Freude“ sind, sind die gleichen, die bis gestern Mubarak unterstützt haben.
Und täglich grüßt das Murmeltier.

Meine Hoffnung geht jedoch dahin, dass sich die arabischen Länder nach und nach von ihren gesponsorten Despoten befreien und endlich ihre eigenen Interessen vertreten, statt nur die ihrer Besatzungsmächte.
Mehr globale Meinungsvielfalt kann nie schaden.

Advertisements

2 Antworten to “Hossa, Hosni zieht Leine”

  1. ja, das war nun wirklich mal ne friedliche revolte. ich wünsche, dass nun dieses volk auch wirklich das bekommt was sie wollen. und ganz wichtig, lasst sie alleine machen und mengt euch nicht da rein. der usa und europa stehen es nicht zu auch nur eine forderung an das ägyptische volk zu stellen. vor 19 tagen standen die westlichen regierungen noch hinter mubbarak und nun wird beifall geklatscht. also, in ruhe lassen.

  2. Das wird wohl leider nicht passieren. Ich schätze, dass die Geheimdienste, äähh…, Diplomaten jetzt Überstunden schieben müssen, nachdem sie diese Revolte glatt verschlafen haben.

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden / Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden / Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden / Ändern )

Google+ Foto

Du kommentierst mit Deinem Google+-Konto. Abmelden / Ändern )

Verbinde mit %s