Hurra, wir leben noch

Nachdem ich mich jetzt wochenlang dem sinnlosen Dasein des menschlichen Lebens hingegeben habe, möchte ich auch noch meine Gedanken zum neuen Jahr äußern, bevor es zu spät ist.

Optimisten glauben ja immer noch, dass unser System bis 2012 durchhält, ehe es zum Untergang kommt, während Pessimisten befürchten, dass es überhaupt nicht abstürzt, sondern als immer sinnentleerteres System über Jahrhunderte dahinsiecht.

Letztere kann ich beruhigen. Unser System – der globale Raff-Gier-Kapitalismus, dem mittlerweile außer ein paar bisher unentdeckten Eingeborenenstämmen alle Völker unterworfen wurden – ist so aufgebaut, dass es zwar mehrere redundante Untergangsoptionen vorsieht, aber keinen dauerhaft stabilen Zustand.
Wenn das System nicht wächst, zerbricht es an seiner inneren Logik, die darin besteht, die Investitionen von heute durch das Wachstum von morgen zu finanzieren, mit Wachstum scheitert es an der Endlichkeit der Ressourcen, ähnlich den todsicheren Roulette-Systemen, die bei Verlust jeweils den Einsatz verdoppeln, was solange funktioniert, bis irgendwann der mögliche Höchsteinsatz erreicht ist. Dann droht Totalverlust, der Tod ist sicher.

Dieses System, sofern man von einem solchen überhaupt reden kann, da es in seiner reinsten Form – dem nackten Überlebenskampf des Individuums – eigentlich durch die Abwesenheit jeglichen Systemes glänzt, entspricht entwicklungsgeschichtlich eher dem Homo erectus viagrus denn dem Homo sapiens sapiens, als den wir uns hochtrabend bezeichnen, um uns von unseren primitiven Vorfahren, die nur einfach sapiens waren, abzugrenzen.

Kann aber sein, dass wir in der nächsten Entwicklungsstufe wieder dort landen, was so gesehen ja auch eine Art Fortschritt wäre.

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Hier noch zwei lesenswerte Texte zum Thema: von Christoph Hein und Heinz Steinert.

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6 Antworten to “Hurra, wir leben noch”

  1. @ arnarscho
    Es liegt nicht am System.

    @ Steinert
    Es liegt auch nicht an den Reichen oder der Politik.

    @ Hein
    An Zynismus kaum zu über bieten. Ich bin alt und sterbe bald, also
    macht ihr es mal besser, ich konnte es nicht.

    @ Alle
    WIR ALLE sind es, die das alles verursacht haben.
    Wir, der/die kleine Mann/Frau von der Strasse, durch
    Konsum, Gier und Neid. Durch unser (Konsum-) Verhalten
    unterstützen wir tagtäglich den Raubbau der Erde.
    Und NUR WIR können/müssen das ändern!

  2. @ Kowalsky
    Das wird aber schwierig, die breite Masse davon zu überzeugen, auch die mit sogenanntem Bildungshintergrund. „Wir sind ja etwas besseres, wir haben uns das verdient“.
    In der Beziehung ist das System nämlich perfekt: durch den täglichen Überlebenskampf lässt es die Menschen derart frustriert zurück, dass Konsum, in welcher Form auch immer, als einzige Ersatzbefriedigung bleibt.

    Ein geändertes Konsumverhalten wäre im übrigen eine der Systemabsturzoptionen und muss deshalb mit allen Mitteln verhindert werden. Wachstum und Wohlstand, sowie Millionen unschuldiger Arbeitsplätze stehen auf dem Spiel.
    Aufrufe zum Konsumverzicht sind deshalb ähnlich zu werten wie Aufrufe zum Terror. Wo kämen wir denn da hin, wenn wir weniger konsumieren, weniger arbeiten und uns stattdessen ein schönes Leben machen würden? Das wäre ja sowas wie Sozialismus, unerhört.
    Deshalb: Freiheit statt Sozialismus. Bis zum bitteren Ende.

  3. schuld sind die einkaufswagen im supermarkt. seit es die gibt kaufen die leute mehr ein als sie brauchen. war das noch schön als man mit einer tüte aus kam. außerdem können wir konsumieren wie wir wollen, der ami ist bald pleite und wir dann natürlich aus solidarität auch. wir sind zu viele und deswegen gibt es kein system mehr was gerecht und sozial läuft.

  4. Dieses „System“ ist ein System, welches aus vielen Systemen besteht, die in der einen oder anderen Form ineinander greifen und sich gegenseitig stützen und schützen. Es geht um Macht, Einfluss und hauptsächlich darum, sich, zumeist in Form von Geld, von der Allgemeinheit abzuheben. Oder um es mit Niccoló Machiavelli zu sagen:

    „Der größte Feind der neuen Ordnung ist, wer aus der alten seine Vorteile zog.“

    Die Krebsleiden unserer Gesellschaften sind mitnichten im Konsum zu suchen, sondern in den Zwängen des – da haben wir es wieder – Systems, die die meisten von uns zwingt mitzumachen. Wenn ich ein Auto kaufen will, oder muss, dann bin ich gezwungen einen Haufen Kohle für veraltete Technik in „neuen“ Modellen, deren Neuheit zumeist lediglich in einem Faceliftung besteht, auszugeben. Es liegt weder an mir, dass es (noch) keine umweltfreundlichen Automobile gibt, noch habe ich als Verbraucher Einfluss darauf. Wäre das so, führen wir schon längst elektrisch.

    Oder nehmen wir die Arbeitsplätze. Jeder der einen hat weiß, wie erpressbar er damit ist. Und immer mehr Menschen gehen nur arbeiten, um geradeso über die Runden zu kommen. Für Konsum, und nachhaltigen noch dazu, bleibt bei den meisten nicht so viel übrig.

    Die Forderung nicht mehr zu konsumieren ist Unfug. Niemand kann nicht nichtkonsumieren, genauso wie man nicht nichtkommunizieren kann. Nicht zu konsumieren bedeutet technlogisch betrachtet, mit nur einem Schritt weit vor dem Mittelalter zu landen. Schön Gruß an die Wälder als Brennstofflieferant für Deutschland – selbst dann, wenn zwei Drittel der Bevölkerung aufgrund dieser Umstände nicht mehr lebt.

    Um es abzukürzen; wir bräuchten schon längst keinen Atomstrom mehr und auch kein Öl. Würden wir technologischen Fortschritt nicht als bösen Geist betrachten, sondern als Chance, dann gäbe es Cradle to cradle (neudeutsch: Ökoeffektivität), Strom von Sonne, Wind und Wasser, Roboter die die Drecksarbeit machen, ein bedingunsloses Grundeinkommen und unglaublich viel Kreativität und Selbstverwirklichung.

    Das es das alles nicht gibt und ich jetzt fürchte als vollkommen naiver Utopist betrachtet zu werden, liegt nicht am Konsum oder „dem“ falschen System.

    Es liegt an den Rahmenbedingungen, die von der Politik gemacht werden, weil die Politik eine Marionette der Hochfinanz und so manches Unternehmen eine Geldanlage ist und jedes Unternehmen als Geldanlage betrachtet wird – in dem, nebenbei bemerkt, der Mensch ein Kostenfaktor ist. Die Politik schafft die Zwänge und damit auch diesen entarteten Konsum. Das ist das Einzige, was uns verbindet.

    Für diesen Widerspruch, den bitte jeder für sich selbst gedanklich beackert, hat der alte Niccoló auch gleich noch passenden Rat parat.

    Divide et impera.

    Als letztes, sozusagen als das Beste zum Schluss, empfehle ich euch den Artikel Das Zeitalter der Lichter aus der brandeins. Da geht es nämlich um das, an was uns wirklich mangelt;

    Aufklärung.

  5. Lieber Arno,

    wenn Du nett bist, eliminierst Du bitte mal die gravierendsten meiner Rechtschreibfehler.

    Du weißt ja, was ich sagen will… ;o)

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