Open Gouvernement

Die Veröffentlichung der Botschafter-Depeschen ist ein Glücksfall für die Demokratie weltweit.

Nicht nur, dass die US-Botschafter ein erfrischend klares Bild ihrer jeweiligen Länder zeichnen, auch die Tatsache, dass sie nach dem Kabeln ihrer Einschätzungen nicht sofort entlassen wurden, zeigt, dass der Empfänger dieser Nachrichten, also die US-Regierung, diese deutlichen Worte als nützlich ansieht.
Im krassen Gegensatz dazu stehen die seichten Lügen, die dem gemeinen Wahlvolk als Politik verkauft werden.

Auf der anderen Seite erhalten auch die Regierungen von Bananenstaaten wie die Bundesrepublik die einmalige Chance, zu erfahren, welche Wertschätzung sie bei ihrem großen Bruder genießen. Nur für den Fall, dass sie das nicht schon längst bemerkt haben, weil sie geistig minderbestückt sind.
Da unsere Regierung zweifellos dazugehört, sollte sie Julian Assange dankbar sein, ihm Asyl gewähren und die Seiten auf einem deutschen Server spiegeln und archivieren. Das ein oder andere Zitat kann man seinem Gegenüber bei bilateralen Verhandlungen garantiert noch mal unter die Nase reiben.

Verschwörungstheoretiker aller Länder besitzen ab sofort belastbares Beweismaterial aus gewöhnlich gut informierten Kreisen und sogar das gemeine Volk profitiert, sofern es über einen IQ oberhalb Zimmertemperatur verfügt, weil es hier die ungefilterten Hintergründe mancher politischen Entscheidung erfahren kann, die unsere Qualitätsjournalisten unter Springer, Bertelsmann und Murdoch schon lange nicht mehr beleuchten dürfen. Weshalb sie auch so schäumen.
Nur nicht die beim Spiegel, die schäumen ab.

Selbst die, die nicht wirklich überrascht waren, weil sie schon vorher wussten, dass Politik vor allem aus Lügen besteht, sind anhand dieser Depeschen in der Lage, den aktuellen politischen Lügenindex neu zu kalibrieren. Das ist von unschätzbarem Vorteil.
Deshalb sollten fairerweise auch die mit den USA befreundeten Staaten ihre Botschafter-Depeschen veröffentlichen.

Denn, wie heißt es immer so schön: Wer nichts zu verbergen hat, hat auch nichts zu befürchten.

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2 Antworten to “Open Gouvernement”

  1. Moinsen Arno,

    ich habe lange nichts von mir hören lassen und bin doch immer wieder begeistert über Deine Zusammenfassungen. Wie kann man nur so komplexen Sachverhalten, bei denen mehr im Dunkeln liegt als im Hellen und die öfter unklar anstatt transparent sind, mit so wenig Worten die Wahrheit auf den Punkt bringen? Ich brauche dazu Stunden und mehrere Seiten.

    Also, wenn Du dich mal kurz umdrehst, kannst Du meinen siedenheißen Neid betrachten, der die ganze Zeit hinter Dir her schleicht.

    Trotz des Wetters; ich ziehe den Hut.

    Und wehe Arno, Du hörst auf. Ich kenne Deine E-mail! ;o)

    Alles Liebe

    Olaf

  2. Hallo Olaf,

    sorry, dass ich so spät antworte, aber ich war die letzten beiden Tage auf Weihnachtsfeier.

    Schön, wieder von dir zu hören, und danke für dein dickes Lob, ich werde mich auch weiterhin stets bemühen.
    Du ahnst gar nicht, wie lange ich manchmal brauch, um einen kurzen Artikel zu schreiben, und viele werden nie fertig. Ich freue mich zwar immer diebisch, wenn ich wieder einen schrägen Gedanken habe und es halbwegs schaffe, ihn zu Papier zu bringen, aber hinterher habe ich doch oft so meine Zweifel, wie sinnvoll das jetzt ist.
    Was den Wahrheitsgehalt anbelangt, überlasse ich es meinen Lesern, zu entscheiden.

    Und nein, ich höre nicht auf.
    Es mangelt nur manchmal an der nötigen Muße, oft fehlen mir auch einfach die Worte und/oder ich bin frustriert. Aber das kennst du ja auch.

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