Danke, liebe Arbeitslose

Was muss Deutschland doch für ein reiches Land sein, dass es sich leisten kann, die Haushaltskonsolidierung von den Arbeitslosen finanzieren zu lassen.
Wir sollten uns deshalb bei den Hartz-IV-Beziehern mal höflich dafür bedanken, dass sie sich hartnäckig weigern, die Millionen freier, gutbezahlter Jobs anzunehmen, denn sonst müssten wir, die noch Jobs haben, alles zahlen.

Sonst zahlt nämlich niemand.

Jedenfalls sind die Kürzungen bei Hartz-IV die einzigen konkreten Beschlüsse, die ich in dem Sparpaket finden konnte. Ach ja, noch das Stadtschloss.
Alles andere ist ziemliches Wischiwaschi:

Brennelementesteuer.
Glaubt Merkel im Ernst, dass sie auch nur einen einzigen Cent von den Energieriesen bekommt? Zur Not intervenieren die in Brüssel und die Steuer wird von der EU-Kommission wegen Wettbewerbsverzerrung wieder einkassiert. (Natürlich erst, nachdem die Laufzeitverlängerungen für die AKWs durch den Bundestag sind.)

Flugabgabe.
dito.

Finanzirgendwassteuer, Bankenabgabe.
Wie leidenschaftlich unsere Regierung dafür kämpft, haben wir ja erlebt. Entsprechend hoch dürften die zu erwartenden Einnahmen ausfallen.

Deshalb wird das eigentliche Problem, nämlich dass wir unter unseren Verhältnissen leben, damit nicht gelöst, sondern noch verschärft.
Seit Einführung des Euro hat Deutschland kumuliert fast eine Billion Euro an Überschüssen erwirtschaftet.
Macht für jeden deutschen Haushalt im Durchschnitt einen Überschuss von ca. 46.000 € in acht Jahren. Das wäre gemäß unseren Verhältnissen. So, jetzt schauen wir mal auf unser Konto. Wenn wir den Betrag dort nicht finden, hat ihn jemand anderes einkassiert.

Dieses Problem des Euroraums ist seit der Griechenlandkrise offensichtlich geworden und wird den Euro solange unter Druck setzen, bis es gelöst ist.
Das, was unsere Neoliberalen gerade planen, ist das genaue Gegenteil davon und wird dazu führen, dass wir in ein paar Jahren nur noch Griechenlands um uns herum haben.

Wenn das Merkel tatsächlich einen starken Euro will, hat sie keine Alternative: sie muss den deutschen Binnenmarkt stärken. Aber das geht nur ganz undeutsch: die Löhne müssen steigen und die Hartz-IV-Sätze auch.
Dann können sogar die Arbeitslosen ihren Beitrag zur Stabilisierung des Euro leisten, indem sie öfter mal eine Flasche Ouzo trinken, mit Feta und Oliven, voll dekadent.

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4 Antworten to “Danke, liebe Arbeitslose”

  1. In diesem Zusammenhang hätte ich mal eine Frage an Dich, lieber Arno.

    Wo, verdammt nochmal, bleibt die Revolution?

  2. Als guter Deutscher würde ich mal sagen: Ruhe bewahren, dazu ist es noch zu früh.
    Dazu bräuchten wir erst mal eine Bevölkerung, die durchblickt, was gespielt wird. In Deutschland mit seinem Kadavergehorsam ein schwieriges Unterfangen. Aber vielleicht tragen ja Guido Merkel ihr Scherflein dazu bei, wenn sie noch drei Jahre so weitermachen.

    Oder, um es mit den Worten von Franz-Josef Degenhardt auszudrücken:

    Noch viel zu stark war dieser Gegner,
    und viel zu wenig waren sie.

    Lasst nicht die roten Hähne flattern,
    ehe der Habicht schreit,
    lasst nicht die roten Hähne flattern
    vor der Zeit.

  3. franki Says:

    unsere wehrt regierung ist doch gerade dabei, mit allen möglichen mittel den ast abzusägen wo die gerade drauf sitzen. so viel geballte blödheit auf einem haufen findet man wirklich selten. und die beiden begriffe christlich und sozial, die in den parteinamen stecken müßten auch verboten werden. als ab jetzt cdu = du und csu = u. ergibt zusammen duu = deutsch unchristliche unsoziale union.

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