Politikverdrossenheit erreicht Bundesregierung

In einem Artikel in der Zeit diese Woche stellen die Autoren fest, dass die Politikverdrossenheit mittlerweile in der Mitte der Gesellschaft (also bei mir) angekommen ist.
Ja, wundert das irgendjemanden?

Politik wird doch gar nicht mehr gemacht, es werden nur noch Systemmängel verwaltet, solange es geht. Bis zu den nächsten Wahlen wird’s schon irgendwie halten. Das entspricht ungefähr dem Verhältnis meines alten Gebrauchtwagens zum TÜV. Weiter denkt doch kaum ein Politiker mehr.
Ich habe aber noch ein paar Legislaturperioden zu leben und bin deshalb gezwungen, weiterzudenken.

Planwirtschaft wird das verächtlich genannt, wenn der Staat versucht, sich längerfristige Ziele zu setzen. Damit müsste sich Merkel doch auskennen. Auch in jedem größeren Unternehmen sind solche Pläne gang und gäbe.

Unsere Politik handelt hingegen nur noch ereignisgetrieben. Das jeweilige Tagesereignis kann man auch ohne Lesebrille morgens in der BLIND-„Zeitung“ … lesen zu sagen, wäre jetzt intellektuell übertrieben – für Politiker jedoch ausreichendes Niveau.

Politik in parlamentarischen Regierungssystemen erfordert wesentlich […] die Kunst des Zuhörens, die Beschaffung sowie Verarbeitung von Informationen […]

Demnach haben wir kein parlamentarisches Regierungssystem mehr, weil genau das nicht mehr stattfindet. Stattdessen haben wir eine Horde intellektueller Halbaffen, die man daran erkennt, dass sie sowieso alles besser wissen, und die man deshalb auch in jedes x-beliebige Ministerium setzen kann.
Ich erinnere nur an den unsäglichen Zensursula-Wahlkampf, in dessen Verlauf sämtliche Fakten ignoriert wurden, mit erfundenen Zahlen hantiert und sogar der wissenschaftliche Beirat des Bundestags als „unterirdisch“ bezeichnet wurde. Ganz zu schweigen von der Diffamierung der Gegner als pädophil.
(Unqualifizierter Zwischenruf: mit dumpfen Gefühlen zu hantieren, war das nicht auch die Nazi-Methode?)

Der politische Auswahlprozess garantiert ja bereits, dass nur die Aalglatten, die nirgends anecken oder die Polterer, die in der Lage sind, die intellektuelle Hoheit über Deutschlands Stammtischen einzunehmen, weiterkommen. Und natürlich die unsauberen Trickser.
Intellekt und Aufrichtigkeit sind dagegen in einer politischen Karriere eher hinderlich.

Die jahrzehntelange Anwendung dieser negativen Selektion, zu der auch Fernsehen und Presse wesentlich beigetragen haben, hat dazu geführt, dass jetzt die größten Flaschen an der Macht sind. Das gilt auch für die Oppositionsparteien.
Da sie die derzeitige weltweite Problematik noch nicht mal mehr ansatzweise verstehen und selbst wenn, keine Lösung auf Stammtisch-Niveau anzubieten hätten, machen sie lieber gar nichts, dann macht man auch keine Fehler.
Meisterin Merkel ist eindeutig führend in dieser Fähigkeit.

Das Handeln überlassen sie lieber ihren Freunden, die davon mehr verstehen. Die uns an den Rande des Abgrunds gebracht haben, werden uns jetzt auch einen Schritt weiterhelfen.

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5 Antworten to “Politikverdrossenheit erreicht Bundesregierung”

  1. Auch mich überrascht es, wie leicht man die Ministerien unter den „Ministern“ tauschen kann. Entweder handelt es sich um Allzweckgenies oder um überteuerte Sesselwarmhalter.
    Ich tippe auf zweiteres.
    Ferner sind es ja auch nicht mehr die Minister, die die Macht über ihr Ressort haben, sondern ihre allgegenwärtige „gollumartige“ Berater, die Tag und Nacht um ihre Herren schleichen und ihnen wichtige Ratschläge erteilen. Dass die Berater Lobbyismus im großen Stile betreiben, ist wohl allen kloar.

  2. Vor allem, da die Berater auch teilweise direkt von der Industrie ausgeliehen werden, wie praktisch!

  3. so viel blödheit, so viele bescheuerte, lügner, rafsüchtige, machtgeile was soll ich noch sagen idioten wie wir an der macht haben machen mir ehrlich gesagt angst.

  4. >Planwirtschaft wird das verächtlich genannt…Damit müsste sich Merkel doch auskennen.<

    LOL, ja genau, deshalb ist die DDR auch zusammengebrochen.
    Auch die Wessis haben weder Plan, noch können sie wirtschaften.

  5. Deshalb wird uns auch das gleiche Schicksal blühen. Die Ossies waren nur halt schneller als wir!
    „Wir fahren auf Sicht“, hat Schäuble das mal ziemlich zutreffend beschrieben. Also Kollision jederzeit wahrscheinlich.

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