Die griechische Tragödie und der deutsche Depp

Eine unsinnige Tragödie in fünf Akten

!. Akt
Jetzt haben die Deutschen jahrelang trotz gestiegener Produktivität auf fette Lohnerhöhungen verzichtet, um die sogenannten Lohnstückkosten zu senken, weil man im globalen Turbo-Wettbewerb, und die Arbeitsplätze, usw, na, Sie wissen schon.

2. Akt
Jetzt waren sie dabei so erfolgreich, wie man es von den Deutschen ja kennt und zu schätzen weiß, dass sie die ineffiziente griechische Wirtschaft einfach plattgemacht haben. Ein Großteil der Konsumgüter, die dort verkauft werden, stammt aus Deutschland, weil wir mittlerweile billiger produzieren als Griechenland! Und das inklusive Transport. Das sollte uns zu denken geben.

3. Akt
Jetzt können sich die Griechen vor dem sich anbahnenden tragischen Ende nicht mehr wie früher durch eine Abwertung ihrer Landeswährung retten, weil sie keine mehr haben.
(Unqualifizierter Zwischenruf: wenn sie sich nicht in den Euro-Verbund hineingemogelt hätten, hätten sie dieses Problem jetzt nicht.)

4. Akt
Jetzt freuen sich die Spekulanten, weil sie wieder Geld drucken können: sie investieren nicht mehr in unsichere griechische Staatsanleihen, sondern in Credit Default Swaps, die viel Geld abwerfen, wenn Griechenland Pleite geht.
Wenn das alle machen, passiert das auch. Wer die Zeche am Ende zahlt, dürfte mittlerweile jedem klar sein.

5. Akt
Jetzt kommt wieder der deutsche Depp ins Spiel.
Weil wir uns einen Zusammenbruch Griechenlands nicht leisten können – schließlich hängen bei uns Arbeitsplätze davon ab – darf der deutsche Depp jetzt mit seinen Steuermilliarden auch noch Griechenland retten.

Fazit
Hätte sich der deutsche Depp nicht jahrelang von Arbeitgebern und sogenannten Wirtschaftsexperten verarschen lassen und auf angemessenen Lohnerhöhungen bestanden, wäre er jetzt nicht der Depp, sondern hätte genug Geld in der Tasche, um sich seine eigenen Produkte kaufen zu können, statt sie im Ausland zu verscherbeln und dort die Märkte zu ruinieren.

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9 Antworten to “Die griechische Tragödie und der deutsche Depp”

  1. So kann man Tatsachen natürlich auch verdrehen.

    Vielmehr ist das ganze in Griechenland ein Lehrstück gegen die Kaufkrafttheorie. Griechenland ist genau den Weg gegangen, der hier im Schlußsatz als besserer Weg für Deutschland gepriesen wird. Und wo sind sie gelandet?

  2. @ Hendrik

    Och noe… Ein Lehrstück gegen die Kaufkrafttheorie…

    Ich möchte daran erinnern, dass Griechenlands Probleme vor allem politischem Missmanagement, Korruption und Seilschafterei geschuldet ist. Du tust ja gerade so, als hätten die Griechen alles richtig gemacht und die Probleme dort wären unvorhersehbar gewesen.

    Früher oder später wird die Krankheit Griechenlands auch uns erreichen. Ich bin mal gespannt, wie Du dann argumentieren wirst.

  3. @Hendrik

    In Griechenland sind vielleicht die Löhne gestiegen, aber – wie Olaf schon erwähnt – nicht die Produktivität. Bei uns ist es genau umgekehrt, deshalb zieht das Argument hier nicht.

  4. jedes volk hat seine eigene mentalität und schafenskraft. da ist es doch nicht wunderlich wenn so was mal nach hinten los geht. herr ackermann ist nun ja hin und wird alles regeln. wenn der deutschen bank erst mal griechenland gehört dann schiebt man die in ne bad bank und alles ist gut. nur noch deutsches bier und deutsche autos gibts dann in athen was wolln wir mehr.

  5. Wenn da mal nicht die Chinesen zuvorkommen.
    Vor ein paar Wochen gab es mal eine Meldung, China wolle mit zig-Milliarden in Griechenland einsteigen, die so heftig dementiert wurde, dass etwas dran zu sein scheint.
    Für China wäre das ein geschickter Schachzug. Weg von der Dollar-Abhängigkeit – wer weiß, wie lange das noch gut geht – hin zu neuen Märkten.
    Dann gibt’s chinesisches Bier und chinesische Autos.

  6. Damit könntest Du Recht haben Arno. Weißt Du noch, wo Du das gelesen oder gehört hast?

    Das 21. Jahrhundert wird ein chinesisches, soviel ist klar. China hat schon lange auf dem vom Westen schlimm vernachlässigten Afrika die Hand drauf – auch wenn hier nicht allzuviel darüber gesprochen wird. Griechenland in seiner derzeitigen Situation ist die Chance für die Chinesen, einen Fuß in die europäischen Märkte, und letztlich über diesen Umweg auch in die europäische Politik, zu bekommen.

    Hinzu kommt, dass, Du sagtest es bereits, die chinesische Abhängigkeit vom Dollar eine große Rolle spielt. Schon länger versucht China einen Weg zu finden, aus den Dollarbillionen Eurobillionen zu machen. Investionen in ein Land, dass wirtschaftlich am Boden liegt, von der EU aber aus den verschiedensten Gründen nicht fallen gelassen, aber auch nicht komplett aufgefangen werden kann, ist keine dumme Strategie. Nebenbei können sie wunderbar die Amerikaner erpressen (was sie zumindest schon getan haben, denn wenn die ihre Dollarbillionen auf den Weltmarkt werfen würden, wäre es das mit dem Dollar als Leitwährung gewesen) und tauschen ihre enormen Dollarreserven nach und nach gegen den Euro und mit Investitionen aus.

    Da werden wir noch einige spannende Dinge erleben. Und es wird gar nicht so lange dauern.

  7. @Olaf

    Das hatte ich am 27.1. im SPON gelesen.
    Im ersten Artikel fand ich folgenden Satz erwähnenswert:

    „Die chinesische Regierung habe dem Deal allerdings bisher nicht zugestimmt – genauso wie Griechenland eine strategische Beteiligung chinesischer Geldhäuser an der National Bank of Greece (NBG) abgelehnt habe, was Peking offenbar als Gegengeschäft forderte.“

    Das Dementi folgte dann noch am gleichen Tag, was mich immer stutzig macht, weil es so schnell geht. Jedenfalls schneller, als man es von einer Regierung erwartet.

  8. Dankeschön.

    Und jetzt gebe ich Dir noch mehr Recht.

    Komm, lass uns einen Sirtaki tanzen…

  9. Und dazu einen Reiswein trinken?

    Au weia, jetzt kommt’s doch noch raus: ich kann nicht tanzen, weil ich nie eine Tanzschule besucht habe. War mir immer zu konterrevolutionär, Che Guevara und Tanzschule, das ging ja wohl gar nicht.

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