Archiv für Februar, 2010

Die griechische Tragödie und der deutsche Depp

Posted in Gesellschaft, Wirtschaft with tags , , , on 27. Februar 2010 by arnarscho

Eine unsinnige Tragödie in fünf Akten

!. Akt
Jetzt haben die Deutschen jahrelang trotz gestiegener Produktivität auf fette Lohnerhöhungen verzichtet, um die sogenannten Lohnstückkosten zu senken, weil man im globalen Turbo-Wettbewerb, und die Arbeitsplätze, usw, na, Sie wissen schon.

2. Akt
Jetzt waren sie dabei so erfolgreich, wie man es von den Deutschen ja kennt und zu schätzen weiß, dass sie die ineffiziente griechische Wirtschaft einfach plattgemacht haben. Ein Großteil der Konsumgüter, die dort verkauft werden, stammt aus Deutschland, weil wir mittlerweile billiger produzieren als Griechenland! Und das inklusive Transport. Das sollte uns zu denken geben.

3. Akt
Jetzt können sich die Griechen vor dem sich anbahnenden tragischen Ende nicht mehr wie früher durch eine Abwertung ihrer Landeswährung retten, weil sie keine mehr haben.
(Unqualifizierter Zwischenruf: wenn sie sich nicht in den Euro-Verbund hineingemogelt hätten, hätten sie dieses Problem jetzt nicht.)

4. Akt
Jetzt freuen sich die Spekulanten, weil sie wieder Geld drucken können: sie investieren nicht mehr in unsichere griechische Staatsanleihen, sondern in Credit Default Swaps, die viel Geld abwerfen, wenn Griechenland Pleite geht.
Wenn das alle machen, passiert das auch. Wer die Zeche am Ende zahlt, dürfte mittlerweile jedem klar sein.

5. Akt
Jetzt kommt wieder der deutsche Depp ins Spiel.
Weil wir uns einen Zusammenbruch Griechenlands nicht leisten können – schließlich hängen bei uns Arbeitsplätze davon ab – darf der deutsche Depp jetzt mit seinen Steuermilliarden auch noch Griechenland retten.

Fazit
Hätte sich der deutsche Depp nicht jahrelang von Arbeitgebern und sogenannten Wirtschaftsexperten verarschen lassen und auf angemessenen Lohnerhöhungen bestanden, wäre er jetzt nicht der Depp, sondern hätte genug Geld in der Tasche, um sich seine eigenen Produkte kaufen zu können, statt sie im Ausland zu verscherbeln und dort die Märkte zu ruinieren.

Danke, Guido

Posted in Gesellschaft, Politik with tags on 26. Februar 2010 by arnarscho

Dein unkonventioneller Vorschlag, die Millionen von Arbeitslosen dadurch zu beseitigen, indem man sie Schnee schippen lässt, zeugt nicht nur von besonderer wirtschaftlicher Kompetenz, sondern auch von einer Bürgernähe, die ihresgleichen sucht.
So praktisch ist das Leben.

Ich bin jedenfalls voll begeistert von dieser unbürokratischen Maßnahme: bei uns ist der Schnee seitdem komplett geräumt.

Könntest du jetzt noch etwas gegen den Regen machen?

Da gibts nichts zu lästern

Posted in Gesellschaft, Religion with tags on 25. Februar 2010 by arnarscho

Schade.
So schnell, wie sie erschienen ist, ist sie auch wieder verschwunden.

Margot Käßmann war eine der wenigen Persönlichkeiten in gehobener Stellung, die ich ernstnehmen konnte. Mit ihrer geraden Linie und ihren klaren Äußerungen hat sie sich wohltuend von den üblichen Hampelmännern und Hosenanzugsfrauen mit den großen Klappen abgehoben.

Da hatte ich nichts zum Lästern, noch nicht mal ihren Promillewert. Schließlich sind 1,5 Promille eine beachtenswerte Leistung, wie ich aus Selbstversuchen weiß.
Und mit ihrem Rücktritt hat sie sich die Glaubwürdigkeit bewahrt, die bei all den andern schon längst verlorengegangen ist.

Man schaue sich zum Vergleich nur den desolaten Zustand der katholischen Kirche an, bei der es um ganz andere Verbrechen geht.

Politiker, gebraucht, billig abzugeben

Posted in Politik with tags on 22. Februar 2010 by arnarscho

Herr Rüttgers, ich bin enttäuscht. Um nicht zu sagen, entsetzt. Etwas mehr Professionalität hätte ich von Ihnen schon erwartet.

Für läppische 20.000 Euro kann man Sie kaufen? Sind Sie wirklich nicht mehr wert?
Oder wollen Sie jetzt gar einen Niedriglohnsektor im Politikermarkt eröffnen?
Und mit Dumpingpreisen der FDP die Kunden abspenstig machen? Das find ich aber nicht fein. Und christlich ist das schon gar nicht.

Um ehrlich zu sein, Herr Rüttgers: einen Discount-Politiker würde ich nicht wählen.

Der Power-Smart

Posted in Gesellschaft with tags on 18. Februar 2010 by arnarscho

Zu besichtigen auf der Defexpo in Neu Delhi:

Power-Smart

Der ideale Zweit-Humvee für die Gattin, ökologisch korrekt mit Elektroantrieb.
Ideal zum sicheren Shoppen, auch bei akuter Terrorgefahr.

Make love, not war

Posted in Gesellschaft, Religion with tags , on 16. Februar 2010 by arnarscho

Jetzt ist es raus: die 68er sind Schuld an den massiven Kindesmisshandlungen durch katholische Geistliche, wie der geistige Vordenker, Bischof Mixa – bekannt für seinen messerscharfen Verstand – jetzt festgestellt hat.
Dies sei eine Folge der sexuellen Revolution, an der die katholische Kirche anscheinend beteiligt gewesen sein muss.

Eine Tatsache, die mir neu ist. Hätte die katholische Kirche tatsächlich die sogenannte sexuelle Revolution wahrgenommen und das Zölibat abgeschafft, käme es jetzt nicht zu solchen Übergriffen.

Außerdem eine ziemlich fadenscheinige Ausrede für ein derartiges Vergehen. Setzen, Sex!

Ein Esel namens Guido

Posted in Politik with tags , , on 14. Februar 2010 by arnarscho

Während das karnevalistische Treiben der Regierungsparteien seinem Höhepunkt entgegenstrebt – wir dürfen uns schon jetzt auf die traditionell deftigen Aschermittwochsreden freuen -, macht sich mein alter Weggefährte Heiner Geißler („keiner geißelt feiner“) Gedanken um die passende Kostümierung:

„Die spätrömische Dekadenz bestand darin, dass die Reichen nach ihren Fressgelagen sich in Eselsmilch gebadet haben und der Kaiser Caligula einen Esel zum Konsul ernannt hat“, sagte er. Insofern stimme Westerwelles Vergleich: Vor 100 Tagen sei „ein Esel Bundesaußenminister geworden“.

Wie’s aussieht, hat er in Geschichte besser aufgepasst als Guido.

Aber weil jetzt alle auf Westerwelle herumhacken, sieht sich Arnos Schwatzer Block, der Rächer der Geächteten und politisch Verfolgten, genötigt, für ein bisschen Objektivität in der Diskussion zu sorgen.

Eigentlich hat Westerwelle doch recht, wenn er sagt:

Wer arbeitet, muss mehr haben als derjenige, der nicht arbeitet.

Der Meinung bin ich auch. Und der kann man auch schwer widersprechen, außer, die Arbeit bietet einen Zusatznutzen, im Stil von: „Arbeit macht frei.“ Frei von Kürzungen bei Hartz-IV.

Die Bezieher kleiner und mittlerer Einkommen dürften nicht länger „die Melkkühe der Gesellschaft“ sein.

Richtig, die Millionäre sollen auch mal zahlen, statt immer nur ihr überflüssiges Geld in die Schweiz zu schaffen.

Es scheine in Deutschland „nur noch Bezieher von Steuergeld zu geben, aber niemanden, der das alles erarbeitet.“

Politiker und die vielen gutbezahlten Pöstchen, die gerade auch die FDP nach der Regierungsübernahme geschaffen hat, sind eindeutig Bezieher von Steuergeld. Weg damit!

Wer arbeitet, darf nicht mehr und mehr zum Deppen der Nation gemacht werden.

Deshalb mehr Rechte für Arbeitnehmer.

Er sei zutiefst besorgt über die „Leichtfertigkeit im Umgang mit dem Leistungsgedanken“, so der Außenminister.

Genau. Die Frage, ob ein Bankmanager wirklich tausendmal mehr leistet als eine Krankenschwester, und wenn ja, für wen, sollte mal gestellt werden.

Die Missachtung der Mitte hat System, und sie ist brandgefährlich.

Das System nennt sich Turbokapitalismus und ist wirklich brandgefährlich.

Ich spreche die Sprache, die verstanden wird.

Ja, wir haben verstanden.

Einen Nachschlag haben wir auch noch:

Es ist völlig unbestritten, dass eine deutlich sichtbare Minderheit das bestehende System ausnutzt.

Unbestritten, diese Minderheit haben wir in den beiden letzten Jahren deutlich wahrgenommen. Jeder einzelne von denen hat ungefähr soviel Geld verschlungen, wie alle Hartz-IV-Empfänger zusammen.