Oettinger und die PISA-Folgen

So langsam wird’s voll peinlich.

Der Fortbildungskurs „English for shelf workers“ (Englisch für Facharbeiter), gehalten vom designierten EU-Kommisar Oettinger, der gestern noch im Spiegel verlinkt war und den eigentlich jeder Facharbeiter solange absolvieren sollte, bis er den Text der Rede vollständig verstanden hat, ist heute aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Center on Capitalism and Society nicht mehr verfügbar.

Ich wusste gar nicht, dass mehr oder weniger öffentliche Reden von Politikern jetzt schon geistiges Eigentum einer privaten Institution sein können. Haben die etwa die Rede geschrieben? Von daher die vielen schwierigen Fremdwörter?
Zu einer Institution, die sich zum amerikanischen Kapitalismus bekennt, passt das natürlich. Nur sollten sie dann konsequenterweise das Society aus ihrem Namen streichen, oder durch High Society ersetzen.

Das Volk hat nämlich ein Recht darauf zu erfahren, welche Flaschen seine Politiker sind.

Dabei ist es ja im Prinzip nicht schlimm, wenn jemand kein Englisch kann, aber wenn er – wie Oettinger – darauf herumreitet, wie wichtig Englischkenntnisse sogar für Facharbeiter wären, und von sich selber behauptet: „Ich bin in Englisch, was das Gespräch angeht, sehr sicher“, legt er die Messlatte natürlich hoch und muss Spott und Häme über sich ergehen lassen.
(Unqualifizierter Zwischenruf: Warum soll ein Facharbeiter eigentlich Englisch können, wären Türkisch und Polnisch nicht wichtiger?)

Weil jeder ein Recht auf Bildung hat, veröffentlicht das Center on Cynism and Gaiety deshalb die Rede nochmal (nur, falls sie jemand noch nicht kennen sollte):

http://www.youtube.com/watch?v=RWB5oyIjSF0

Und was meint Oettinger dazu?

Ich halte es nicht für verwerflich, dass der Dialekt zu hören ist, wenn ich Englisch spreche. Ich bekenne mich zu meinem Dialekt.

Dialekt nennt der dieses unverständliche Gestammel? Selbst ohne große Englischkenntnisse erreiche ich diesen Zustand frühestens nach zehn Oettinger. Verlust der Muttersprache wäre demnach auch reinstes Hochdeutsch.
Also eine Sekretärin bräuchte sich mit solchen Sprachunkenntnissen gar nicht erst zu bewerben, aber für einen EU-Kommisar scheinen sie auszureichen, der hat ja eine Sekretärin.

[Update]
Jetzt haben sie meinen ursprünglichen Link auch gelöscht. Aber einen haben wir noch.
Was ich nicht verstehe: wenn sich Oettinger zu seinem „Dialekt“ bekennt, wieso lässt er dann so hartnäckig alle Videos löschen?

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