Archiv für Januar, 2010

Oettinger und die PISA-Folgen

Posted in Gesellschaft, Politik with tags on 29. Januar 2010 by arnarscho

So langsam wird’s voll peinlich.

Der Fortbildungskurs „English for shelf workers“ (Englisch für Facharbeiter), gehalten vom designierten EU-Kommisar Oettinger, der gestern noch im Spiegel verlinkt war und den eigentlich jeder Facharbeiter solange absolvieren sollte, bis er den Text der Rede vollständig verstanden hat, ist heute aufgrund des Urheberrechtsanspruchs von Center on Capitalism and Society nicht mehr verfügbar.

Ich wusste gar nicht, dass mehr oder weniger öffentliche Reden von Politikern jetzt schon geistiges Eigentum einer privaten Institution sein können. Haben die etwa die Rede geschrieben? Von daher die vielen schwierigen Fremdwörter?
Zu einer Institution, die sich zum amerikanischen Kapitalismus bekennt, passt das natürlich. Nur sollten sie dann konsequenterweise das Society aus ihrem Namen streichen, oder durch High Society ersetzen.

Das Volk hat nämlich ein Recht darauf zu erfahren, welche Flaschen seine Politiker sind.

Dabei ist es ja im Prinzip nicht schlimm, wenn jemand kein Englisch kann, aber wenn er – wie Oettinger – darauf herumreitet, wie wichtig Englischkenntnisse sogar für Facharbeiter wären, und von sich selber behauptet: „Ich bin in Englisch, was das Gespräch angeht, sehr sicher“, legt er die Messlatte natürlich hoch und muss Spott und Häme über sich ergehen lassen.
(Unqualifizierter Zwischenruf: Warum soll ein Facharbeiter eigentlich Englisch können, wären Türkisch und Polnisch nicht wichtiger?)

Weil jeder ein Recht auf Bildung hat, veröffentlicht das Center on Cynism and Gaiety deshalb die Rede nochmal (nur, falls sie jemand noch nicht kennen sollte):

http://www.youtube.com/watch?v=RWB5oyIjSF0

Und was meint Oettinger dazu?

Ich halte es nicht für verwerflich, dass der Dialekt zu hören ist, wenn ich Englisch spreche. Ich bekenne mich zu meinem Dialekt.

Dialekt nennt der dieses unverständliche Gestammel? Selbst ohne große Englischkenntnisse erreiche ich diesen Zustand frühestens nach zehn Oettinger. Verlust der Muttersprache wäre demnach auch reinstes Hochdeutsch.
Also eine Sekretärin bräuchte sich mit solchen Sprachunkenntnissen gar nicht erst zu bewerben, aber für einen EU-Kommisar scheinen sie auszureichen, der hat ja eine Sekretärin.

[Update]
Jetzt haben sie meinen ursprünglichen Link auch gelöscht. Aber einen haben wir noch.
Was ich nicht verstehe: wenn sich Oettinger zu seinem „Dialekt“ bekennt, wieso lässt er dann so hartnäckig alle Videos löschen?

Abwrackprämie für Taliban

Posted in Politik with tags , on 27. Januar 2010 by arnarscho

Für Bimbes kann man alles kaufen, müssen sich unsere mit gutem Beispiel vorangehenden Regierungsparteien wohl gedacht haben, warum nicht auch Taliban?
Zwar sind schwerbewaffnete Widerstandskämpfer nicht so billig zu haben wie deutsche Leichtmatrosenparteien im Wahlkampfschlussverkauf, entscheidend ist jedoch, was hinten rauskommt: der Return on Invest.
Die an solcherart „Friedensdividende“ gewöhnten – und von daher nicht so zimperlichen – Italiener haben ja vor einiger Zeit vorgeführt, dass man am Hindukusch gegen ein relativ geringes Entgelt Frieden schaffen kann. (Arnos Schwatzer Block kommentierte.)
Aber auch die Deutschen können mit der Abwrackprämie wichtige Erfahrungen einbringen und so gemeinsam Frieden und Wohlstand schaffen.

Und so einfach funktioniert die Friedensprämie:
Gebrauchte Kalaschnikov abgeben, Prämie kassieren und dafür schicke, moderne Waffen aus westlicher Produktion kaufen.
Amigo Karlheinz Schreiber, der sich ja mittlerweile wieder auf deutschem Boden befindet und als Experte auf diesem Gebiet gelten kann, vermittelt sicher gern.

Mehr Netto vom Brutto

Posted in Politik with tags , on 19. Januar 2010 by arnarscho

Jetzt erfüllt eine Partei mal ihre Wahlversprechen und schon steht sie in der Kritik.
Mehr Netto vom Brutto – satte 12% erst mal für Hotelbesitzer, weil die am meisten spendiert haben.
Ist doch vollkommen legal, kann jeder haben: einfach eine Million an die FDP überweisen, als Verwendungszweck eintragen: „Mehr Netto vom Brutto für Arno Reinshagen“. (z.B.)
Auftragseingänge werden nach der Höhe des Überweisungsbetrags bearbeitet.

Das hat doch mit Klientelpolitik nichts zu tun, das ist Marktwirtschaft in der Politik: wer die besseren Argumente (€) hat, gewinnt.
Was will man denn erwarten von einer Partei, die sich selber als letzte Bastion eines maroden Kapitalismus begreift?
Dass sie die Spenden zurückzahlt? Die müssen doch erst mal noch die 3,5 Millionen Strafe für die letzte Spendenaffäre abdrücken.

Laut FDP-Generalsekretär Lindner muss man das sogar positiv sehen:

Wenn Parteien Positionen vertreten, die aktiv und öffentlich aus der Zivilgesellschaft unterstützt werden, ist das positiv.

Milliardäre sind für die FDP also die Zivilgesellschaft, aha.
Und alle andern sind Kakerlaken?

[Nachtrag]
Der Wettbewerbsnachteil des Hotelgewerbes scheint darin zu bestehen, dass man in Deutschland nicht so hohe Profite macht wie in anderen Ländern. Oder wie soll man sich sonst erklären, dass die Hotelpreise jetzt trotzdem nicht sinken?
So wird das jedenfalls nichts mit der Rettung von angeblich zehntausenden Arbeitsplätzen, die Lindner bedroht sieht.

Mal was Kreatives

Posted in Musik on 18. Januar 2010 by arnarscho

Statt immer nur rumzulästern und zu nölen habe ich jetzt mal was ganz anderes: eine neue AudioUnit für den Mac.

Manchmal, wenn mich die Kreativität übermannt, schiebe ich die Tastatur nach hinten, packe das Keyboard aus und klimpere mit GarageBand ein bisschen rum – sehr zur Freude meiner Mitbewohner.
Meine Art der Musik muss man als eher experimentell bezeichnen. Terry Riley, Steve Reich, Karlheinz Stockhausen und Brian Eno sind so meine Favoriten auf dem Gebiet.

Von daher fand ich die Geräteauswahl der GarageBand von Anfang an etwas dürftig. Von elektronischer Musik haben die anscheinend noch nichts gehört.
Deshalb habe ich mir mal eine blockfreie Zeit gegönnt, um ein neues Gerät zu implementieren: einen additiven Klangsynthesizer im Stil der Hammond-Orgel, bei der Klänge durch das Mischen von Obertönen erzeugt werden.
Und so sieht es aus, mein neues Spielzeug:

Laurens Hammond wäre entzückt:
4 Wellengeneratoren,
9 parametrierbare Generatorfunktionen,
pro Generator bis zu 8 Frequenzen mischbar,
additive und multiplikative Verknüpfung (Ringmodulation),
bis zu 5 Stimmen,
ADSR-Hüllkurve,
2 LFOs für Spezialeffekte

Insgesamt 140 Parameter zum Fummeln lassen jedes Technikerherz einige Hertz höher schlagen.
Nur eines kann das Gerät nicht: den Sound der original Hammond-Orgel. Aber dafür gibt es in GarageBand ja die Tonewheel Organ.

Und ich kann mich wieder meiner Lieblingsbeschäftigung zuwenden: dem Lästern und Nölen.

Geschafft

Posted in Gesellschaft, Politik with tags on 1. Januar 2010 by arnarscho

Bevor wir uns jetzt dem neuen Jahr zuwenden, in dem manches erst noch schwieriger wird, bevor es wieder besser werden kann – wie unsere geliebte Mutti auf höchstem philosophischem Nivea festgestellt hat – und wir uns auf die tollen Ereignisse des kommenden Jahres – die Fußball-WM und den Ökumenischen Kirchentag – freuen, werfen wir nochmal einen letzten Blick zurück:

http://www.youtube.com/watch?v=ym2FcP057eg

Aber natürlich schaffen wir auch das neue Jahr:

60 Jahre Grundgesetz […] das zeigt: Unser Land hat schon ganz andere Herausforderungen bewältigt.

Da kann’s ja kaum noch schlimmer kommen.