Ethisch saubere Unternehmensführung

Ich muss meine Meinung zu Thomas Middelhoff, dem Ex-Arcandor-Chef, den ich bisher für einen schmierigen, arroganten Schleimer gehalten habe, komplett revidieren. Meine Abneigung ihm gegenüber liegt wohl eher in dem Vorurteil begründet, das ich gegen alle schmierigen, arroganten Schleimer mit gegelten Haaren pflege.

Thomas Middelhoff ist ein feiner, selbstloser Kerl, der gerade auch in schlechten Zeiten um die Bildung besorgt ist und dafür keine privaten Opfer scheut.
So schloss er 2008, obwohl es seinem Konzern schon richtig schlecht ging, einen Sponsoring-Vertrag mit der Privatuniversität Witten/Herdecke um jährlich 350.000€ zur Finanzierung eines Arcandor-Lehrstuhls für ethisch saubere Unternehmensführung ab. Damit die Studies dort, die ja vor allem aus besserem Hause kommen, auch mal lernen, was „ethisch sauber“ ist.
Die privaten Opfer dafür haben seine Karstadt-Angestellten in Form von Kürzungen beim Urlaubs- und Weihnachtsgeld gerne erbracht.

Ethisch sauber ist z.B., wenn man sämtliche Immobilien seines Konzerns an einen Immobilienfonds verkauft, und dann zu Wucherkonditionen zurückmietet, geben ist schließlich seliger denn nehmen.
Falls sich dann herausstellen sollte, dass man zufälligerweise selber Anteile an diesem Immobilienfonds besitzt, hat das ja nichts mit Unternehmensführung zu tun, sondern mit privater Altersvorsorge.

Ethisch sauber ist auch, wenn man am letzten Arbeitstag in seinem bankrotten Unternehmen noch schnell 715.000 Pfund an die ehrwürdige Universität Oxford überweist, und so vor dem Insolvenzverwalter rettet. Dass man dazu den Aufsichtsrat nicht einweihen sollte, versteht sich von selbst. Dort sitzen nämlich nur egoistische Kapitalisten, die nichts als Geld im Kopf haben.
Auf jeden Fall kein Hirn.

Nein, wie der tragische Fall Arcandor gezeigt hat, ist ethisch saubere Unternehmensführung in diesem System nicht möglich. Obwohl Thomas Middelhoff alles versucht hat.

Ein schwacher Trost bleibt ihm immerhin: die Universität Oxford hat seinen Einsatz für die Forschung anerkannt und ihm einen Sitz im Beirat des Forschungsinstituts der Business School zugewiesen.

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