Der nächste Fond wird geplündert

Da momentan bei Hedgefonds nicht so viel zu holen ist, wird jetzt der Gesundheitsfond geplündert, und zwar im großen Stil, wie SPON in einem längeren Artikel ausführlich berichtet.

Wie wir das ja schon kennen, haben die Politiker bei der Gesetzgebung nicht auf ihre eigenen Experten gehört, sondern auf die Lobbyisten (na, Sie wissen schon, wegen den Köfferchen) und eine Liste von 80 Krankheiten festgelegt, für die es Extrazuschüsse gibt.

Seit das Gesetz vor neun Monaten in Kraft trat, nimmt die Zahl der Siechen und Gebrechlichen auf rätselhafte Weise zu.
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Herz-Kreislauf-Beschwerden verbreiten sich in einem Tempo, das man bislang nur von hochansteckenden Infekten kannte. Die Zahl chronischer Erkrankungen wie Asthma und Reflux ist auf gespenstische Weise nach oben geschnellt.
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Mit einem durchschnittlichen Asthmatiker macht die Krankenkasse nach Abzug aller Kosten 192 Euro Überschuss im Jahr. Ein von Sodbrennen geplagter Reflux-Patient bringt 692 Euro Gewinn. Für Bluthochdruck sind immerhin 265 Euro drin.
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Die Ärzte haben sich der Entwicklung bislang nicht in den Weg gestellt, im Gegenteil. Der bayerische Hausärzteverband, dem im Freistaat etwa 75 Prozent aller Hausärzte angehören, hat sich mit der AOK Bayern zusammengetan. Der Vertrag sieht vor, dass die AOK etwa doppelt so hohe Honorare zahlt wie früher üblich. Umgekehrt sollen die Ärzte der AOK helfen, den Gesundheitsfonds anzuzapfen.
[…]
Ärzte, die sich dem neuen System verweigern, werden bestraft. In Schleswig-Holstein hat die Kassenärztliche Vereinigung (KV) mit Schrecken festgestellt, dass ihr ein Millionenbetrag verlorengeht, wenn die Ärzte vor Ort nicht schleunigst beim Wettkampf um den Fonds mitmischen.

Aids beim Augenarzt:

Einigen Kassen war auf ihrer Abrechnung mit dem Gesundheitsfonds aufgefallen, dass sich eine überraschend große Zahl ihrer Versicherten mit dem Aids-Virus HIV infiziert hatte.
Noch ungewöhnlicher war das Alter der Betroffenen. Fast alle Neuinfizierten waren deutlich älter als 65 Jahre. Sogar einige Greise von über 80 Jahren hatten sich noch mit dem Immunschwächevirus angesteckt, darunter auch die Mutter eines Krankenkassenmanagers.

Wie sich dann herausstellte, war nur ein kleiner Softwarefehler schuld: wer an zwei aufeinenderfolgenden Quartalen beim Augenarzt war, hatte danach Aids und seine Krankenkasse 10.000€ pro Jahr Mehreinnahmen.

Ich brauch das nicht mehr wirklich zu kommentieren, außer vielleicht, dass die Milliardenlöcher im Gesundheitswesen anscheinend nicht nur mit der Finanzkrise zusammenhängen und – oh Gott – dass sich Ursula jetzt damit befasst.

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