Überraschende Erkenntnis: Niedrige Steuern für Reiche führen nicht zu höheren Steuereinnahmen

Wieso Steuersenkungen für Reiche der gesamten Volkswirtschaft zugute kämen, habe ich noch nie verstanden, und ein US-Ökonom hat es jetzt tatsächlich widerlegt.

Angeblich würden Steuersenkungen die Reichen zu besonderen Leistungen und produktiven Investitionen anspornen, wobei die hohen Einkommen letztlich allen zugute kämen. Das Geld fließe nämlich das soziale Gefälle hinab und beriesele so die ganze Gesellschaft.
Oh, wie schön ist Lummerland!

Nun bin ich zwar kein Ökonom, sondern Mathematiker, also das genaue Gegenteil, weshalb mir die seltsamen Rechnungen der Ökonomen auch immer ein bisschen wie Hokuspokus vorkommen. Sie basieren nämlich auf nicht vorhandenen Vorraussetzungen: demnach sind alle Ressourcen grundsätzlich unendlich, Unternehmer sind sozial und streben danach, ihre Angestellten fürstlich zu entlohnen, damit die auch kräftig konsumieren können. Bestechung, Korruption, Vetternwirtschaft, Eitelkeit und Gier gibt es schlichtweg nicht, ebensowenig Kriege und Umweltkatastrophen. Auch Finanzkrisen kommen in diesem System nicht vor, weil Anleger stets darauf achten, dass ihr Geld gut angelegt ist und Banken deshalb auch nur sichere Produkte verkaufen können.
Und die Erde ist eine Scheibe, wie Satellitenaufnahmen beweisen.

Gehen wir doch mal ganz unwissenschaftlich vor und betrachten die Lage der Weltwirtschaft. Die breite Masse der Bevölkerung gibt ihr komplettes Einkommen aus, die Sparquote ist eher gering und dient hauptsächlich der Altersvorsorge.
Mehr kann die Bevölkerung also nicht konsumieren.
Gut, es gibt noch Wachstumspotentiale in fernen Ländern, von denen wir als Exportweltmeister profitieren, ewig wird dieses Spielchen jedoch nicht weitergehen. Deshalb lassen wir diesen Aspekt mal außen vor.

Was kann also unser Reicher, der gerade ein zig-Millionen Steuergeschenk erhalten hat, damit machen?

  • Wenn er Unternehmer ist, kann er Produktionskapazitäten ausbauen und versuchen, mehr von seinem Produkt zu verkaufen. Soweit die Theorie. Tatsächlich Arbeitsplätze schafft er damit jedoch nicht, weil dadurch andere Produkte weniger gekauft werden und dort wieder Arbeitsplätze wegfallen. Es kommt also lediglich zu einer Umverteilung von Arbeitsplätzen.
  • Viel wahrscheinlicher ist aber, dass er in modernere, automatische Produktionsanlagen investiert, durch Entlassungen Kosten minimiert und den Gewinn maximiert. Soviel ich verstanden habe, geht es beim Wirtschaften doch genau darum.
    Ohne die Steuergeschenke hätte er die Investitionen durch Kredite finanzieren müssen, was sich nicht so gerechnet hätte. In dem Fall wirken die Steuergeschenke also eher negativ für die Allgemeinheit.
  • Er kann die Millionen zwecks Turbo-Vermehrung auch in Hedgefonds stecken, die ihr Geld damit verdienen, dass sie Unternehmen durch rigorose Entlassungen sanieren und dann durch Knebelverträge aussaugen. Also auch hier eher negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft.
  • Natürlich wird er auch einen Teil konsumieren: ein neues Häuschen in Mallorca, Schmuck für die Gattin, einen Sportwagen für die Freundin, neue Golfausrüstung, etc. So wirklich ein Massenmarkt ist das jedoch nicht.

Ganz anders sieht es dagegen bei Entlastungen für Nicht-Millionäre aus: das Geld fließt sofort zu 95% in den Konsum und damit in Produktion und Dienstleistungen. In DDR-Zeiten, in denen die Menschen mehr Geld verdienten, als sie ausgeben konnten, weil es nicht genug zu kaufen gab, leben wir ja nicht mehr.

Sogar das DIW, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, kein Hort sozialistischen Gedankenguts, empfiehlt mittlerweile, Vermögen stärker zu besteuern.

Die FDP – als reine Klientel-Partei ohne weiteren gesellschaftlichen Auftrag – ist natürlich strikt dagegen und in bester FDP-Manier wirft Hermann Otto Solms mal wieder alles durcheinander:

Vermögen werde aus bereits versteuertem Einkommen gebildet und sei durch Konsumverzicht entstanden.

Hallo, Herr Solms, wir reden hier nicht vom Metall-Arbeiter, der sein Weihnachtsgeld in die Riester-Rente steckt, sondern vom Millionär, der mehr hat, als er ausgeben kann und dessen Vermögen sich ohne weitere Leistung quasi von allein vermehrt.

Diese Vermögensbildung diene der Vorsorge gegen die Risiken des Lebens und des Alters und um die Startchancen der nachfolgenden Generation zu verbessern.

Aber so ein paar Millionen jährliche Rente sollten doch reichen, oder? Und die Startchancen sind doch für alle gleich? Bildung ist doch keine Frage des Geldes?

Die Einführung einer Vermögensteuer würde den Vorsorgegedanken bestrafen und Vermögen ins vermögensteuerfreie Ausland vertreiben.

Welches Ausland da gemeint ist, lässt er offen:

Mit 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt Deutschland dem Institut zufolge bei der vermögensbezogenen Besteuerung im internationalen Vergleich relativ niedrig. Dem stehe auf der Ebene der Industrieländer in der OECD ein Durchschnittssatz von zwei Prozent gegenüber.

Arnos Schwatzer Block meint: den weltweiten Steuersenkungswettbewerb praktizieren wir doch jetzt schon seit einigen Jahrzehnten, wohin er geführt hat, erleben wir ja gerade. Die Billionen hätte man nachhaltiger anlegen können, z.B. um die Startchancen der nachfolgenden Generation zu verbessern.

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