Archiv für Juli, 2009

Zensursula und das kleine Ferkel

Posted in Religion with tags , on 31. Juli 2009 by arnarscho


Was mach eigentlich Zensursula, wenn sie nicht gerade heimlich mit ihrem Dienstwagen unterwegs ist, um Stop-Schilder an allen Häusern anzubringen, in denen Kinder misshandelt werden?

Natürlich, sie geht ihrer Lieblingsbeschäftigung nach: Zensieren von allem, was sie nicht versteht. Und das ist ziemlich viel, wie die Geschichte mit dem kleinen Ferkel zeigt.

Das Ministerium beantragte die Indizierung des Kinderbuchs als jugendgefährdende Schrift.
[…]
Jugendgefährdend seien Medien, „wenn sie unsittlich sind, verrohend wirken, zu Gewalttätigkeit, Verbrechen oder Rassenhass anreizen“.

Aber weder BILD-Zeitung noch Fernsehen ist damit gemeint.

Dass ausgerechnet die niedlich illustrierte Geschichte vom kleinen Ferkel zu solcher „Verrohung“ beitragen könne, wird damit begründet, dass in dem Buch „die drei großen Weltreligionen Christentum, Islam und das Judentum verächtlich gemacht“ und „die Besonderheiten jeder Religion (…) der Lächerlichkeit preisgegeben“ würden.

Laut Indizierungsantrag will man antisemitische Tendenzen erkennen:

Durch die Anführung des Beispiels der „Sintflut“, durch welche Menschenbabys, Omas und Tiere vernichtet worden seien, wird die jüdische Religion als besonders Angst einflößend und grausam dargestellt.
Dies ergibt sich aus folgenden Textpassagen:

„Eines Tages“, sagte der Rabbi, „ärgerte sich Gott, der Herr, so sehr über die Menschen, dass er sich entschloss, alles Leben auf der Erde zu vernichten.“ „Alles Leben?“, fragte das Ferkel erschrocken. „Alle Menschenbabys, alle Omas und alle Tiere? Auch die Ferkel, die Igel, die Schmetterlinge und die kleinen Meerschweinchen?“ „Ja, alles Leben“, antwortete der Rabbi.

Unterstrichen wird die Wirkung des Textes durch den Bildbeitrag, in welchem zu sehen ist, wie der Rabbi symbolisch die Arche Noah in seinen Händen hält. Um ihn herum liegen verstreut Gegenstände, wie z.B. ein Babyschnuller und Kinderschuhe, die verdeutlichen sollen, dass bei der Sintflut Säuglinge und kleine Kinder ums Leben gekommen sind.
Diese Art der bildlichen Präsentation stellt die jüdische Religion als besonders menschenverachtend, grausam und mitleidslos dar.

(Unqualifizierter Zwischenruf: Sollte man vielleicht lieber Bilder aus Palästina zeigen?)

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VDL-Virus greift auf Feuerwehr über

Posted in Politik with tags on 30. Juli 2009 by arnarscho

Löschen statt sperren
[via fefe]

Für die Ewigkeit gelagert

Posted in Politik, Umwelt with tags on 30. Juli 2009 by arnarscho

So behauptet jedenfalls ein Schild am Eingang von Asse II.
Nun, man muss immerhin anerkennen, dass die Ewigkeit länger gehalten hat als das tausendjährige Reich.

Wie sorgfältig mit dem hochgefährlichen Strahlenmüll umgegangen wird, zeigt ein Artikel im Tagesspiegel. Demnach

gibt es eine aus dem Jahr 1966 datierte Zusage des Bundesforschungsministeriums an die Siemens AG für die Einlagerung von bis zu 25 Fässern mit stark strahlendem Abfall.

Ob diese Fässer jemals in das Bergwerk gebracht wurden, ist aber ungewiss. Siemens kann sich nicht erinnern. Die gesetzliche Aufbewahrungsfrist für die Akten von damals sei Ende der neunziger Jahre leider abgelaufen, beschied das Unternehmen.

Da kann man als Bürger ja beruhigt sein, dass alles so penibel dokumentiert ist, wie wir das in Deutschland gewohnt sind.

Der Abgeordnete Kurt Herzog spottet, das Atomgesetz schreibe vor, die Einlagerungsdokumente der Lieferanten 30 Jahre aufzubewahren, aber der Müll solle eine Million Jahre sicher eingeschlossen bleiben.

Wenn man von den Unternehmen ersthaft forderte, die Dokumente eine Million Jahre aufzubewahren, würde man für nicht mehr ganz dicht im Kopf erklärt werden.

Aber Atommüll lässt sich ja anscheinend einfacher handhaben als Dokumente, wie wir uns hier überzeugen können:

Sorgfältigster Umgang mit dem Atommüll unbekannter Herkunft ist garantiert

Sorgfältigster Umgang mit dem Atommüll unbekannter Herkunft ist garantiert

Um uns vollends zu vergewissern, dass auch alles auf dem neusten Stand der Technik ist, werfen wir noch kurz einen Blick auf die elektrische Anlage:

Verteilerkasten: ob der noch 1 Million Jahre hält?

Verteilerkasten: gefühlte eine Million Jahre alt, aber ob der noch eine Million Jahre hält?

Eins ist sicher: selbst Terroristen könnten hier nicht mehr viel anrichten!

Kriegsversprechen

Posted in Politik with tags , on 28. Juli 2009 by arnarscho

Man muss kein Verschwörungstheoretiker sein, um zu wissen, dass unsere „freie“ Presse nicht immer so ganz die Wahrheit berichtet, speziell, wenn es um solche Themen wie Krieg, Terror oder ähnliches geht, in die Militär und Geheimdienste verwickelt sind.

Da wundert es schon, dass man im Spiegel lesen kann, dass unsere sauerländischen Wald-und-Wiesen-Terroristen die Zünder für ihre Bomben von einem V-Mann des türkischen Geheimdienstes bekamen, in Kooperation mit der CIA.
So funktioniert nämlich Terrorismus!

Erfahrungsgemäß verschwinden solche Meldungen aber schnell wieder von der Bildfläche und werden spätestens beim Prozess keine Rolle mehr spielen, weil der V-Mann wahlweise unglaubwürdig, drogenabhängig oder neulich ums Leben gekommen ist.
So funktioniert nämlich Journalismus!

Dagegen hilft nur eine gute Portion Realismus, gut recherchiert und zum Teil erschütternd:

Oder eine geballte Ladung Sarkasmus:

[Update]
Da haben doch glatt die Urheberrechtspiraten Volker Pispers versenkt.

Flachlegen gegen Flatrate

Posted in Sonstiges on 26. Juli 2009 by arnarscho

Der Untergang des Abendlandes steht mal wieder bevor.
Ein erfolgreiches Geschäftsmodell jetzt auch im Bordell. Warum Baden-Württembergs Innenminister dort nicht hin will, versteh ich aber nicht. Vielleicht weil nur eine öffentliche Podiumsdiskussion geplant ist?

Überraschende Erkenntnis: Niedrige Steuern für Reiche führen nicht zu höheren Steuereinnahmen

Posted in Gesellschaft, Wirtschaft with tags on 25. Juli 2009 by arnarscho

Wieso Steuersenkungen für Reiche der gesamten Volkswirtschaft zugute kämen, habe ich noch nie verstanden, und ein US-Ökonom hat es jetzt tatsächlich widerlegt.

Angeblich würden Steuersenkungen die Reichen zu besonderen Leistungen und produktiven Investitionen anspornen, wobei die hohen Einkommen letztlich allen zugute kämen. Das Geld fließe nämlich das soziale Gefälle hinab und beriesele so die ganze Gesellschaft.
Oh, wie schön ist Lummerland!

Nun bin ich zwar kein Ökonom, sondern Mathematiker, also das genaue Gegenteil, weshalb mir die seltsamen Rechnungen der Ökonomen auch immer ein bisschen wie Hokuspokus vorkommen. Sie basieren nämlich auf nicht vorhandenen Vorraussetzungen: demnach sind alle Ressourcen grundsätzlich unendlich, Unternehmer sind sozial und streben danach, ihre Angestellten fürstlich zu entlohnen, damit die auch kräftig konsumieren können. Bestechung, Korruption, Vetternwirtschaft, Eitelkeit und Gier gibt es schlichtweg nicht, ebensowenig Kriege und Umweltkatastrophen. Auch Finanzkrisen kommen in diesem System nicht vor, weil Anleger stets darauf achten, dass ihr Geld gut angelegt ist und Banken deshalb auch nur sichere Produkte verkaufen können.
Und die Erde ist eine Scheibe, wie Satellitenaufnahmen beweisen.

Gehen wir doch mal ganz unwissenschaftlich vor und betrachten die Lage der Weltwirtschaft. Die breite Masse der Bevölkerung gibt ihr komplettes Einkommen aus, die Sparquote ist eher gering und dient hauptsächlich der Altersvorsorge.
Mehr kann die Bevölkerung also nicht konsumieren.
Gut, es gibt noch Wachstumspotentiale in fernen Ländern, von denen wir als Exportweltmeister profitieren, ewig wird dieses Spielchen jedoch nicht weitergehen. Deshalb lassen wir diesen Aspekt mal außen vor.

Was kann also unser Reicher, der gerade ein zig-Millionen Steuergeschenk erhalten hat, damit machen?

  • Wenn er Unternehmer ist, kann er Produktionskapazitäten ausbauen und versuchen, mehr von seinem Produkt zu verkaufen. Soweit die Theorie. Tatsächlich Arbeitsplätze schafft er damit jedoch nicht, weil dadurch andere Produkte weniger gekauft werden und dort wieder Arbeitsplätze wegfallen. Es kommt also lediglich zu einer Umverteilung von Arbeitsplätzen.
  • Viel wahrscheinlicher ist aber, dass er in modernere, automatische Produktionsanlagen investiert, durch Entlassungen Kosten minimiert und den Gewinn maximiert. Soviel ich verstanden habe, geht es beim Wirtschaften doch genau darum.
    Ohne die Steuergeschenke hätte er die Investitionen durch Kredite finanzieren müssen, was sich nicht so gerechnet hätte. In dem Fall wirken die Steuergeschenke also eher negativ für die Allgemeinheit.
  • Er kann die Millionen zwecks Turbo-Vermehrung auch in Hedgefonds stecken, die ihr Geld damit verdienen, dass sie Unternehmen durch rigorose Entlassungen sanieren und dann durch Knebelverträge aussaugen. Also auch hier eher negative Auswirkungen auf die Volkswirtschaft.
  • Natürlich wird er auch einen Teil konsumieren: ein neues Häuschen in Mallorca, Schmuck für die Gattin, einen Sportwagen für die Freundin, neue Golfausrüstung, etc. So wirklich ein Massenmarkt ist das jedoch nicht.

Ganz anders sieht es dagegen bei Entlastungen für Nicht-Millionäre aus: das Geld fließt sofort zu 95% in den Konsum und damit in Produktion und Dienstleistungen. In DDR-Zeiten, in denen die Menschen mehr Geld verdienten, als sie ausgeben konnten, weil es nicht genug zu kaufen gab, leben wir ja nicht mehr.

Sogar das DIW, das Deutsche Institut für Wirtschaftsforschung, kein Hort sozialistischen Gedankenguts, empfiehlt mittlerweile, Vermögen stärker zu besteuern.

Die FDP – als reine Klientel-Partei ohne weiteren gesellschaftlichen Auftrag – ist natürlich strikt dagegen und in bester FDP-Manier wirft Hermann Otto Solms mal wieder alles durcheinander:

Vermögen werde aus bereits versteuertem Einkommen gebildet und sei durch Konsumverzicht entstanden.

Hallo, Herr Solms, wir reden hier nicht vom Metall-Arbeiter, der sein Weihnachtsgeld in die Riester-Rente steckt, sondern vom Millionär, der mehr hat, als er ausgeben kann und dessen Vermögen sich ohne weitere Leistung quasi von allein vermehrt.

Diese Vermögensbildung diene der Vorsorge gegen die Risiken des Lebens und des Alters und um die Startchancen der nachfolgenden Generation zu verbessern.

Aber so ein paar Millionen jährliche Rente sollten doch reichen, oder? Und die Startchancen sind doch für alle gleich? Bildung ist doch keine Frage des Geldes?

Die Einführung einer Vermögensteuer würde den Vorsorgegedanken bestrafen und Vermögen ins vermögensteuerfreie Ausland vertreiben.

Welches Ausland da gemeint ist, lässt er offen:

Mit 0,9 Prozent des Bruttoinlandsprodukts liegt Deutschland dem Institut zufolge bei der vermögensbezogenen Besteuerung im internationalen Vergleich relativ niedrig. Dem stehe auf der Ebene der Industrieländer in der OECD ein Durchschnittssatz von zwei Prozent gegenüber.

Arnos Schwatzer Block meint: den weltweiten Steuersenkungswettbewerb praktizieren wir doch jetzt schon seit einigen Jahrzehnten, wohin er geführt hat, erleben wir ja gerade. Die Billionen hätte man nachhaltiger anlegen können, z.B. um die Startchancen der nachfolgenden Generation zu verbessern.

Schlimmer geht immer

Posted in Gesellschaft, Politik with tags on 23. Juli 2009 by arnarscho

Wer, wie ich, bisher dem Wahn verfallen war, unsere geliebte Urseli vdL, angeblich Familienministerin, wäre am unteren Ende der (ansonsten nach unten offenen) Niederträchtigkeitsskala angelangt, kann durch neuerliche Ergüsse ebenselbiger in einem Interview mit der Rheinischen Post (RP) geheilt werden.

RP: In der Auseinandersetzung um die Sperren gegen Kinderpornographie im Internet haben Sie gegen junge Leute kämpfen müssen, die ein freies Internet fordern, wie ernst nehmen sie diese Bewegung?

vdL: Ich nehme sie politisch und menschlich ernst und begrüße ihr Engagement.

Hartnäckiges Weglächeln von Fakten aus unterschiedlichsten Quellen (z.T. sogar von der Bundesregierung selber) und ständiges Wiederholen nachweißlicher Lügen nennt sie also politisch ernst nehmen?
Diejenigen, die sich deshalb ernsthaft Gedanken um unsere Demokratie machen, im Nebensatz in die Nähe von Pädophilen zu rücken, nennt sie also menschlich ernst nehmen?

RP: Hat sie der Spitzname „Zensursula” getroffen?

vdL (lacht) Nein. Das fand ich patent. Das gehört zur politischen Auseinandersetzung dazu.

Politische Auseinandersetzung ist so ähnlich wie Karneval!
Lol, was haben wir gelacht!

Mal im Ernst: welcher aufgeklärte, demokratisch denkende Mensch würde es patent finden, wenn sein Name als Synonym für Zensur gebraucht wird?

RP: Sehen Sie weitere Felder, wo Kinder und Jugendliche im Netz besser geschützt werden müssen?

vdL: Ja, bei den sozialen Netzwerken im Internet, die Jugendliche gerne nutzen. Ich möchte […] einen Verhaltenskodex entwickeln.

Au!
Jetzt betreten wir vermintes Gebiet.

Zunächst ist ja schon mal die Frage verkehrt, weil vdL bisher noch kein einziges Kind geschützt hat. Sie hätte Gelegenheit dazu, allerdings!

Und ausgerechnt DIE will einen Verhaltenskodex fürs Netz entwickeln?
Urseli, was soll denn der Quatsch? Du weißt doch genau, wie das geht: einfach Ignorieren drücken!

Gut, man könnte mir jetzt vorwerfen, dass ich das Zitat unzulässig verkürzt habe, die drei Pünktchen […] ersetzen jedoch einen semantisch vollkommen irrelevanten Teilsatz:

gemeinsam mit den Verantwortlichen solcher Kommunikationsforen, aber auch mit der Kompetenz der Jugendlichen

Wenn sie das wirklich wollte, hätte sie das schon sein Monaten machen können. Dann wüsste sie auch, dass es diesen Kodex, die Netiquette, schon seit Jahrzehnten gibt. Und in den sozialen Netzwerken gibt es auch klare Regeln; wer sich nicht dran hält, fliegt raus.

Um dieses eklatante Unwissen zu beseitigen, interpretiere ich mal §1 der Netiquette für Politiker/innen:

Vergiss niemals, dass auf der anderen Seite ein Mensch sitzt.

Für Politiker/innen heißt das, dass auf der anderen Seite der Souverän sitzt. Und wenn der euch etwas unflätig vorkommt, wie man aus euren menschenverachtenden Äußerungen herauslesen kann, solltet ihr bedenken, dass auch IHR, im speziellen Familienpolitikerinnen, für dessen Bildung zuständig seid.

vdL: Respektvoller Umgang muss in Chats, blogs oder Foren so selbstverständlich sein, wie wir das auch im Schulalltag mit Streitschlichtern oder Vertrauenslehrern einfordern.

Ich weiß jetzt nicht so genau, welche Schulen die meint. Winnenden sicherlich nicht. Und die Schulen, die ich kenne, auch nicht.
Dagegen ist das Netz nämlich eine Kuschelveranstaltung!