Iran hat falsch gewählt

So langsam glaube ich auch, dass Ahmadinedschad gar nicht so sehr danebenliegt, wenn er dem Westen Manipulation vorwirft.
Nicht, dass ich ihn möchte, die Mehrheit der Iraner aber anscheinend schon.

Wie die Washington Post am Montag berichtete, deckt sich das Wahlergebnis ziemlich genau mit einer Umfrage, die ein amerikanisches Institut im Mai telefonisch durchgeführt hatte. Auch andere Untersuchungen legen nahe, dass die Wahl mehr oder weniger korrekt abgelaufen ist, wenn man von den zu erwartenden Wahlfälschungen mal absieht.
Und weil mir die Washington Post bisher nicht als fundamental-islamistisches Sektiererblatt aufgefallen ist, sehe ich auch keinen Grund, daran zu zweifeln.

Was ich allerdings bestürzend finde, ist, dass unsere so hochgelobte freie Presse kein Wort darüber berichtet!
Den einzigen Hinweis darauf habe ich in beim Spiegelfechter gefunden.

In einem Kommentar von Dieter Bednarz war sogar im Spiegel-Online am Tag nach der Wahl zu lesen:

Die Wucht der grünen Welle wurde überschätzt

Dass ein macht- und sendungsbewusster Präsident wie Ahmadinedschad vor massiven Eingriffen nicht zurückschreckt, ist durchaus möglich, wenngleich in einem Umfang von jenen Millionen Stimmen, die Mussawi und Ahmadinedschad trennen, schwer vorstellbar.

Zudem hatte die Opposition eigene Vorkehrungen getroffen, Manipulationen des Regierungslagers zu verhindern. Noch kurz vor der Wahl hatte sich der ehemalige Präsident und Multimillionär Ali Akbar Haschemi Rafsandschani, der seine Niederlage gegen Ahmadinedschad vor vier Jahren noch immer nicht überwunden haben soll, damit gebrüstet, ein landesweites Netz zur Überwachung der Wahl eingerichtet zu haben.

Und auch der Chef des israelischen Geheimdienstes Mossad, Meir Dagan, äußerte die Tage, der Wahlbetrug in Iran unterscheide sich nicht von dem, was gemeinhin in freien Staaten passiere.

Trotzdem ist jetzt nur noch von massivem Wahlbetrug die Rede und uns wird weisgemacht, es gäbe so etwas wie einen guten Politiker im derzeitigen Iran.

Was ist denn eigentlich passiert?

Versuchen wir doch mal eine Parallele zur kommenden Bundestagswahl herzustellen:
Die haushohen Verlierer (SPD) besitzen die Frechheit zu behaupten, sie wären (wegen Wahlbetrug, der ja auch bei uns bisweilen vorkommt) die Gewinner und schaffen es tatsächlich, einen tagelangen Volksaufstand in Berlin zu organisieren, der komplett alles lahmlegt, mit Prügeleien, Tötet Merkel-Rufen, brennenden Autos und evtl. Toten. Und das, obwohl die Umfragen schon Wochen vorher genau dieses Ergebnis vorausgesagt haben.
Wäre Steinmeier dann auch der Gute?

Ok, nicht alles, was hinkt, ist ein Vergleich.
Die Demonstranten im Iran kämpfen schließlich für einen besseren Staat, für Menschenrechte, freie Meinungsäußerung und andere Rechte, die bei uns zumindest auf dem Papier stehen.

Dass die aber ausgerechnet von Mussawi verkörpert werden sollen, hinter dem letztendlich Rafsandschani steckt, der durch Öl- und Waffengeschäfte reich wurde, wage ich mal zu bezweifeln.

Mich erinnert das stark an den Aufstand vor 30 Jahren, als ebenfalls eine freiheitsliebende, aufgeschlossene Jugend für einen eigenen Staat kämpfte, aber Chomeini bekam.

Und fliehen musste.
Ausgenutzt, fallengelassen, verfolgt.
Welcher Staat will schon eine freiheitsliebende, aufgeschlossene Jugend?

Für Verschwörungstheoretiker gibt es auch einen interessanten Artikel bei Schall und Rauch, der der Sache wahrscheinlich am nächsten kommt.

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